Mit der Robert Bosch S. A. wurde 1907 in Brüssel die erste Bosch-Verkaufsniederlassung in Belgien gegründet. Handelsbeziehungen bestanden jedoch schon seit 1899. Gemeinsam mit dem englischen Geschäftsmann Frederick R. Simms, damals Aufsichtsratsmitglied der Daimler Motoren-Gesellschaft, hatte Bosch eine Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Paris gegründet.
Diese koordinierte von dort aus den Vertrieb von Bosch-Produkten in Frankreich und Belgien. Im Jahr 1906 kam es zur Trennung der Geschäftspartner, danach ging die Auslandsvertretung in den Besitz von Bosch über. Die Vertretung in Belgien war einer von vielen Schritten des Unternehmens auf dem Weg zum weltweit operierenden Unternehmen. Bosch gründete fast zeitgleich weitere Tochtergesellschaften und Zweigniederlassungen, wie zum Beispiel in Frankreich und den USA. Boschs Pläne, seine Stellung in Belgien weiter auszubauen, wurden durch den Ersten Weltkrieg vorerst gestoppt. Die Leitung des Brüsseler Hauses übernahm bei Kriegsausbruch für kurze Zeit Max Rall, der bisherige Leiter des Verkaufshauses in Paris, bevor er 1915 gezwungen war, endgültig nach Stuttgart zurückzukehren. Die Bosch-Vertretung in Brüssel blieb, wie auch viele andere Verkaufshäuser, bis zum Ende des Ersten Weltkrieges geschlossen.

Bosch-Vertretung in Brüssel, 1907
Neustart unter schwierigen Bedingungen
Die Wiederaufnahme der geschäftlichen Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg gestaltete sich als sehr schwierig.
Der belgische Staat stellte den feindlichen Besitz 1919 unter Zwangsverwaltung. Hiervon betroffen waren auch der noch kurz vor dem Krieg erstellte Rohbau eines neuen Geschäftshauses in Brüssel sowie Büro- und Werkstätteneinrichtungen und das Lager. Von Stuttgart aus konnten keine direkten Handelsbeziehungen aufgenommen werden, daher übernahm der Belgier Jean Vrijman im August 1919 die Bosch-Vertretung für Belgien und das Großherzogtum Luxemburg. Erst ab 1921 kamen die Geschäfte mit Belgien allmählich wieder in Gang – trotz weiterhin erschwerter Lieferbedingungen.
Mit der Gründung der Gesellschaft Allumage-Lumière S. A. 1922 wurden die Handelsbeziehungen mit Belgien offiziell
wieder aufgenommen. Die Allumage-Lumière S. A. war Nachfolgerin der Firma von Herrn Vrijman in der Avenue de la
Reine in Brüssel. Er übernahm – wie schon 1919 – die Vertretung von Bosch für Belgien und das Großherzogtum Luxemburg. Mit Teilhabern konnte er ein Geschäftsgebäude für die Allumage-Lumière S. A. in der Rue Lambert Crickx in der belgischen Hauptstadt errichten.
Die erste Produktion
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Firma Allumage-Lumière S. A. verkauft, da Bosch eine neuerliche Enteignung befürchtete. Nach Kriegsende findet sich ein erster Hinweis zu den Aktivitäten in Belgien in einem Bosch-Besuchsbericht aus dem Jahr 1952. Danach sollte die Allumage-Lumière S. A. wieder zu einer „schlagfertigen
Vertretung“ werden. Gut zwanzig Jahre später produzierte Bosch erstmals in Belgien. In Tienen errichtete die Robert Bosch Belgie NV ein Werk für die Produktion von Wischerblättern und Gummierzeugnissen. Der Bau der Fabrik begann 1973, bis dahin wurde in gemieteten Räumen gefertigt. Im April 1974 lief die Produktion im neuen Werk an. Bereits Ende desselben Jahres waren eine Million Wischblätter produziert worden. Als erster Hersteller brachte Bosch 1999 das gelenkfreie Wischblatt Aerotwin auf den Markt, das mit verschiedenen Preisen, unter anderem dem Automechanika-Innovationspreis, ausgezeichnet wurde. Der zehnmillionste Wischer dieser Art lief im Frühjahr 2004 im Werk Tienen, dem inzwischen größten Scheibenwischer-Werk der Welt, vom Band. Mit etwa 1 600 Mitarbeitern ist Tienen der größte Standort in den Benelux-Staaten. Pro Tag werden dort 300 000 Wischerblätter gefertigt.
Koordinationszentrum für Benelux
Im Jahr 1980 gründete Bosch die NV Robert Bosch S. A. Diese Gesellschaft weihte 1990 ein neues Vertriebsgebäude
in Brüssel-Anderlecht ein. Brüssel wurde zum Koordinationszentrum für die Bosch-Aktivitäten der gesamten
Benelux-Staaten. Hier ist die Hauptgeschäftsstelle der Handels- und Service-Abteilungen und von hier aus wird
zum Beispiel der Verkauf und Service von Erstausrüstung für Ford in Genk und Opel in Antwerpen gesteuert. In
Anderlecht und anderen Standorten in Belgien ist Bosch mittlerweile mit allen seinen Geschäftsbereichen vertreten.
Die N. V. Robert Bosch Produktie ist in Tienen für die Entwicklung und Fertigung von Wischersystemen zuständig.
Die N. V. Bosch Security Systems als Spezialist für Produkte und Systeme für Sicherheit und Kommunikation wurde 1976 als N. V. RAS in Kortrijk gegründet und ist seit 2001 Teil der Bosch-Gruppe. Die Bosch Rexroth N. V. – ebenfalls
2001 gegründet – ist seit 2003 am Standort Anderlecht vertreten. Die 2003 gegründete BBT Thermotechnology Belgium hat Standorte in Heverlee, Herentals und Gosselies. Seit 2002 werden die Hausgeräte durch die Bosch Siemens Home
Appliances N. V. von Brüssel-Jette aus vermarktet. Die enge Vernetzung zwischen Bosch in den Benelux-Staaten kommt in dem Slogan „Bosch in Benelux: 1 + 1 = 3“ zum Ausdruck. Diesem haben sich die Niederlande, Belgien und Luxemburg verschrieben. Sie wollen eng zusammenarbeiten, Synergien nutzen und gleichzeitig die Kosten senken. Aus den Gemeinsamkeiten und Gegensätzen ihrer jeweiligen Nachbarn profi tiert jedes Land für sich.