Bosch setzte mit der 1930 patentierten Nebelleuchte einen besonderen Akzent. War bisher das Fahren bei Nebel ein gefährliches Unterfangen, weil der Fahrer ohne Licht nichts und mit Licht die "weiße Wand" des reflektierenden Nebels sah, so leuchtete die Nebellampe den Boden direkt vor dem Fahrzeug aus. Steil nach unten gerichtet und mit starker Lichtstreuung nach links und rechts half sie dem Fahrer, seinen Wagen durch den scheinbar undurchsichtigen Schleier zu lotsen. Auch die Straßenränder - mitunter gefährliche Abgründe - waren so sichtbar.
Die erste Nebellampe von Bosch war recht simpel aufgebaut und besaß noch keine Streuscheibe zur Bündelung, Verteilung oder Ausrichtung des Lichtkegels. Sie war so steil nach unten gerichtet anzubringen, dass der Kern des Lichtkegels weniger als zehn Metern vor dem Fahrzeug den Boden bestrahlte.
Im Gegensatz zu heute durfte in den Kindertagen der Nebellampe nur eines eingeschaltet sein: entweder Abblendlicht oder Nebellampe: Die Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung erlaubte nämlich nur eine Gesamtleistung aller eingeschalteten und nach vorn gerichteten Scheinwerfer von 110 Watt, und schon ein Nebelscheinwerfer leistete 50 Watt. Auch lieferten viele Lichtmaschinen im Gegensatz zu heute nicht genug Energie für den Betrieb von Abblend- und Nebellicht. Der Fahrer musste also je nach Sicht entscheiden, ob er mit Abblend- oder aber mit Standlicht und Nebellampe fahren wollte.
1933 führte Bosch ein Nachfolgemodell mit Streuscheibe ein, das für wesentlich bessere Ausleuchtung der Fahrbahn sorgte. Der technischen Verbesserung folgte ein neuer Name. Von 1935 an hieß der kleine Helfer "Kurven- und Nebellampe", ab 1936 "Bosch-Breitstrahler" und ab 1945 "Nebellampe", später "Nebelscheinwerfer".
1954 brachte Bosch den ersten Scheinwerfer mit integriertem Nebelscheinwerfer als Erstausrüstung heraus. Damit schien das Ende die Ära der separaten Nebelscheinwerfer eingeläutet. Doch auch lang danach, als in den achtziger Jahren Nebelscheinwerfer bis in die Mittelklasse hinein schon zur Grundausstattung bei zumeist integrierten Scheinwerferkonzepten gehörten, blieb die Nebellampe ein beliebtes Produkt von Bosch. Aber nun war nicht mehr allein der Sicherheitsaspekt das entscheidende Kaufargument. Im Zeichen immer ähnlicher werdender "Autogesichter" wollten viele Kunden ihrem Gefährt eine individuelle Note geben und seine Front mit Accessoires zieren, die nicht jeder besitzt.
Wer heute Nebelscheinwerfer an neuen Autos sieht - ob integriert oder separat -, wird das Bosch-Logo daran nicht mehr finden können. 1999 bündelten Bosch und Magneti Marelli ihre Aktivitäten auf diesem Produktsektor. Die gemeinsamen Erzeugnisse tragen heute den Namen Automotive Lighting.


