EinBlick in die Geschichte, 09/2005

Auf Empfang zu schalten - Bosch beginnt mit der Fertigung von Radioteilen
Bereits Jahre, bevor Bosch mit der Übernahme der Berliner Firma Ideal-Werke ( später Blaupunkt) im Jahr 1932 in die Produktion von Radiogeräten einstieg, setzte sich das Unternehmen mit der damals neuen Technologie auseinander. Und dies, obwohl der Firmengründer Robert Bosch selbst dem neuen Medium anfangs mit großem Misstrauen begegnete.

In seiner Firma betrachtete man die Dinge jedoch ganz anders. Die Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Radiotechnik schien ein großes Entwicklungspotenzial in sich zu bergen, mit dem man sich seit 1925 auseinandersetzte. Hierbei galt das Interesse jedoch weniger der Technik als vielmehr dem Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes. Denn Bosch war als Kraftfahrzeugausrüster durch die Krisen in der Automobilindustrie seit 1926 gezwungen, neue Geschäftsfelder zu erobern.

Das Feld der Radiotechnik war indes kein leichtes. Einige Firmen betätigten sich bereits recht erfolgreich auf ihm und schützen ihre Entdeckungen und Entwicklungen durch zahlreiche Patente. Dennoch stieg Bosch Ende der 1920er Jahre in die Fabrikation von Radioteilen ein. Hierbei konnte das Unternehmen als ehemaliger Marktführer in der Produktion von Magnetzündern auf seine jahrzehntelange Erfahrungen in der Herstellung von Kondensatoren für Zündanlagen zurückgreifen.

Mit Abschirmung zu ersten Erfolgen

Erste erfolgreiche Auseinandersetzungen mit der Radiotechnik fanden auf dem Gebiet des Flugwesens statt. Die Funkgeräte in den neuen Flugzeugen besassen Funkgeräte mit Empfängern und Sendern, die Störungen bei den nahe gelegenen elektrischen Ausrüstungsteilen wie der Zündvorrichtung und den Lichtanlagen des Flugzeuges verursachten. Erst durch intensives Forschen gelang es, diese Störfelder durch ein Abschirmungssystem zu verhindern.

Der eigentliche Durchbruch zum Hersteller von Radioteilen gelang Bosch 1929 durch die Friedensverträge mit der American Bosch Magneto- Corporation. Hierbei handelte es sich um eine ehemalige Tochtergesellschaft Boschs, die zusammen mit dem Firmennamen „Bosch“ nach dem Ersten Weltkrieg enteignet wurde. In dem Vertrag konnte die Robert Bosch AG nicht nur eine Einigung über die Verwendung desselben Firmennamens erzielen, sondern darüberhinaus den Austausch produktionstechnischer Erfahrungen regeln. Da sich die amerikanische Firma bereits seit Jahren unter anderem auch mit Radiogeräten befasst hatte, konnte man sich nun deren Kenntnisse aneignen und weiterentwickeln.

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland indes war 1929 derartig schwierig geworden, dass Bosch keine Abnehmer für seine Radioteile fand. Um drohende Entlassungen zu vermeiden, musste eine Lösung gefunden werden. Deshalb suchte Bosch den Kontakt zu dem in Berlin ansässigen Unternehmen „Ideal – Werke für drahtlose Telegraphie“. Das Unternehmen, dass sich mit seinen Radiogeräten bereits einen guten Ruf erworben hatte, bezog die Einzelteile zu den Radiogeräten über Lieferanten. Bosch gelang es 1930, mit den Ideal-Werken einen Vertrag zu schließen, der das Stuttgarter Unternehmen zum alleinigen Lieferanten von Radioteilen machte.

Die öffentliche Bekanntgabe der Fertigung von Radioteilen fand erst zwei Jahre später statt, als Bosch im August 1932 auf der Funkausstellung in Berlin erstmalig einen Stand präsentierte. Ein weiterer Schritt in Richtung zu dem eigentlichen, größeren Ziel war vollzogen, nämlich dem kompletten Erwerb der Idealwerke im Jahr 1933, die fortan unter dem Namen „Blaupunkt“ Weltruhm erlangen sollten.

Kondensatoren für alle elektrischen Geräte fertigte Bosch bereits in den 1920er Jahren.