EinBlick in die Geschichte, 03/2005

Premiere in Paris - Bosch produziert erstmals im Ausland
Automobilausstellung in Paris 1905: Bosch-Vertreter aus ganz Europa waren zu dieser Großveranstaltung angereist. Aus Stuttgart traf der Unternehmensgründer selbst ein. Als man sich zum Gruppenfoto versammelte, war jedoch ein für die Entwicklung der Firma Bosch weitaus wichtigeres Ereignis der Anlass. Die französische Bosch-Vertretung, die Compagnie des Magnétos Simms-Bosch, lud zur feierlichen Einweihung einer Fabrik in der Pariser Rue Violet. Damit fiel der Startschuss für die erste Bosch-Auslandsproduktion überhaupt. Erstmals sollten außerhalb der Stuttgarter Werke Magnetzünder nach Bosch-Patent hergestellt werden.
Die Compagnie des Magnétos Simms-Bosch war sechs Jahre zuvor von Bosch und dem britischen Ingenieur Frederick R. Simms gegründet worden. Gemeinsam wollte man den französischen und belgischen Automobilmarkt mit zündenden Ideen aus dem Hause Bosch beliefern. Die geschäftliche Vereinbarung sah folgendes vor: Bosch brachte die Patente, Simms das Kapital ein. Außerdem übernahm Simms die Geschäftsführung. Zunächst dachten die neuen Geschäftspartner daran, die Magnetzünder nach Bosch-Patent bei einer französischen Firma produzieren zu lassen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an der mangelnden Qualität der Probeexemplare. Gleichzeitig ebnete eine neue Importvereinbarung zwischen Frankreich und Deutschland den Weg, die Produkte kostengünstig aus Stuttgart einzuführen. Um eine Vor-Ort-Produktion auf absehbare Zeit dennoch zu ermöglichen, entsandte Bosch einen seiner besten Mitarbeiter nach Frankreich: Max Rall. Dieser hatte schon als Lehrling bei Bosch großes technisches Know-how erworben. Damit sollte er den britischen Ingenieuren, die Simms mitgebracht hatte, kräftig unter die Arme greifen.

Als die französische Gesellschaft schließlich Ende des Jahres 1905 die "Werkstätte", wie sie damals hieß, eröffnete, war das Verhältnis zwischen Bosch und Simms jedoch äußerst angespannt. Immer wieder hatte es Reibereien wegen Lizenzen und Patenten gegeben. Beide Geschäftspartner erwogen ernsthaft, sowohl in Frankreich als auch in Belgien getrennte Wege zu gehen. Zunächst machte Simms Robert Bosch ein Übernahmeangebot, das dieser sorgfältig überdachte. Als der Verkauf jedoch spruchreif werden sollte, steckte Simms in schweren Finanznöten. Nun war es an Bosch, sich von seinem schwierigen Partner loszusagen und dessen Anteile an der französischen Gesellschaft zu übernehmen. Um den vehementen Widerstand von Simms, der das lukrative Frankreich-Geschäft keinesfalls verlieren wollte, zu überwinden, klopften Bosch-Juristen die Verträge sorgfältig auf undichte Stellen ab und wurden bald fündig. Bei Vertragsabschluss war keine Lieferverpflichtung für Bosch vorgesehen worden. Und so stoppte dieser mit sofortiger Wirkung die Exporte nach Frankreich. Ohne diese Lieferungen geriet Simms mit einem kurz zuvor erhaltenen Großauftrag von Renault in erhebliche Schwierigkeiten. Hohe Konventionalstrafen drohten bei Nichterfüllung des Auftrages und so blieb Simms nichts anderes übrig, als schließlich in den Verkauf seiner Anteile an Bosch einzuwilligen. Im Juni 1906 wurde Bosch damit Alleinbesitzer der Pariser Firma und Fabrik.

Die Bosch-Vertreter
Im Kreise der Bosch-Vertreter auch die beiden "Väter" der ersten Auslandsproduktion: Robert Bosch (5.v.l.) und Frederick R. Simms (5.v.r.)