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EinBlick in die Geschichte, 01/2006
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Der Zeit voraus!
Robert Bosch führt den Achtstundentag ein. |
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Bereits acht Jahre nach der Gründung seines Unternehmens hatte Robert Bosch 1894 die tägliche Arbeitszeit von zehn auf neun Stunden herabgesetzt.
Am 1. August 1906 trat eine neue Arbeitsordnung der Firma in Kraft. Sie begann mit einem für die damalige Zeit spektakulären Satz: „Die tägliche Arbeitszeit währt 8 Stunden.“ Dies war gleichbedeutend mit einer 48-Stunden-Woche, weil der Samstag noch ein ganz normaler Arbeitstag war. Der Zeit einen Schritt voraus Das war in Stuttgart eine Premiere. In keinem anderen Industriebetrieb der schwäbischen Metropole durften die Arbeiter bereits nach acht Stunden die Werkbänke verlassen. Die neue Arbeitsordnung legte fest, dass von acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends gearbeitet werden musste, einschließlich einer zweistündigen Mittagspause. Robert Bosch gehörte zu den ersten Industriellen in Deutschland, die diesen Schritt wagten. Deutschlandweit hatten bis dahin nur sehr wenige Unternehmer den Achtstundentag eingeführt, wie beispielsweise Heinrich Freese in Berlin und Ernst Abbe in Jena. Wie außergewöhnlich damals eine achtstündige Arbeitszeit war, zeigt ein Blick auf die normalen Arbeitszeiten in der Stuttgarter Eisen- und Metallindustrie. Eine Aufstellung des Deutschen Metallarbeiter-Verbands von 1910 führte auf, dass in mehr als der Hälfte der Betriebe zwischen 57 und 60 Stunden in der Woche gearbeitet wurde, in gut einem Drittel sogar noch länger. Angesichts der langen Arbeitszeiten machte die organisierte Arbeiterbewegung den Achtstundentag weltweit zu einer ihrer Kernforderungen. Der Tagesablauf eines Arbeiters sollte drei geteilt sein: Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und acht Stunden Schlaf. Dies erschien damals als die ideale Arbeitszeit. Seit den 1890er Jahren gingen Arbeiter alljährlich dafür am 1. Mai auf die Straßen. Soziale und betriebswirtschaftliche Überlegungen Neben sozialen veranlassten vor allem auch betriebswirtschaftliche Überlegungen Robert Bosch dazu, den Achtstundentag einzuführen. Der Bosch-Magnetzünder war weltweit ein Riesenerfolg. In den Jahren 1904 und 1905 wurde man der Nachfrage kaum Herr, obwohl die Zahl der Mitarbeiter stieg und die Fabrikanlage im Stuttgarter Westen stetig erweitert wurde. Deshalb wagte Robert Bosch eine Umstellung der Arbeitszeit und ließ in Doppelschichten zu je acht Stunden arbeiten. Die positiven Erfahrungen aus diesem Experiment ermunterten Robert Bosch dazu, die Firma generell auf den Achtstundentag umzustellen. Denn obwohl nun jeweils eine Stunde weniger gearbeitet wurde, sank entgegen aller Erwartungen die produzierte Menge pro Schicht nicht. Im Gegenteil, die Stückzahl stieg sogar leicht an. Auch die Erfahrungen aus der eigenen Zeit am Schraubstock hatte Robert Bosch nicht vergessen, und er löste damit ein Versprechen ein. Er hatte nämlich bereits 1894 seinen Mitarbeitern den Achtstundentag in Aussicht gestellt, sobald die wirtschaftlichen Umstände es erlauben würden und die Produktionsmenge gehalten werden könnte. Später begründete Robert Bosch seine Entscheidung, den Achtstundentag einzuführen, folgendermaßen: „Ich habe schon früh – im Jahre 1906 – die achtstündige Arbeitszeit eingeführt, weil ich sie für die wirtschaftlichste hielt und für am zuträglichsten für die Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft.“ Der Achtstundentag wird Gesetz Zwölf Jahre später, 1918, wurde der Achtstundentag in Deutschland im Zuge der Novemberrevolution gesetzlich für alle Betriebe vorgeschrieben. Diese generelle und starre Festlegung der Arbeitszeit für alle Berufe hielt der Pionier des Achtstundentages Robert Bosch jedoch für volkswirtschaftlichen Unsinn.
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