Einblick in die Geschichte, 09/2006

Über den großen Teich.
Erste Bosch-Vertretung in den USA.

Von den Anfängen

Knapp ein Jahr nach seiner Rückkehr eröffnete Robert Bosch am 15. November 1886 in der Stuttgarter Rotebühlstraße
seine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik. Im Jahr 1902 kam der Bosch-Magnetzünder mit Zündkerze auf den Markt. Dieser war in der Lage, die immer schneller laufenden Verbrennungsmotoren in Automobilen mit dem zündenden Funken zu versorgen. Neben Europa galten die USA als der wichtigste Kraftfahrzeugmarkt weltweit. Dies veranlasste Robert Bosch dazu, Lieferbeziehungen dorthin aufzubauen. Zwar war der gute Ruf der Bosch-Zündung über den „großen Teich“ vorgedrungen, aber es war bislang bei Einzellieferungen geblieben, weil die Bosch-Zündung hauptsächlich für den nachträglichen Einbau in Gebrauchtfahrzeuge verlangt wurde.

Im Jahr 1906, als bei Bosch der 100 000ste Magnetzünder hergestellt wurde, reiste der Bosch-Verkaufsingenieur Gustav Klein nach einer erfolgreichen Werbekampagne in die USA. Die Idee für eine entsprechende Anzeige ging auf Hugo Borst, einen Neffen von Robert Bosch und ebenfalls im Verkauf der Firma leitend tätig, zurück. Im September 1906 gründete Gustav Klein die Robert Bosch New York Inc., die mit Zweigniederlassungen in Chicago und San Francisco ihr Geschäft weiter ausdehnte und  1908 ihren Firmennamen in Bosch Magneto Company änderte.

Die erste Bosch-Fabrik in Amerika
 
Das Magnetzünder-Geschäft entwickelte sich auf dem amerikanischen Markt mit seiner rasch wachsenden  Fahrzeugindustrie blendend. Die extrem hohen Zollgebühren, die auf jedes eingeführte Produkt zu entrichten waren, veranlassten Bosch 1910 dazu, eine Fabrik in Springfield, Massachusetts zu bauen, um im Land selbst zu produzieren.
Die Bosch Magneto Company kaufte 1914 eine weitere Fabrik in Plainfield, New Jersey. Neben der Erweiterung seiner Produktion hatte Bosch das Ziel mit dem Kauf der Rushmore Dynamo Works in Plainfield auch deren Patent für Anlasser zu erwerben. Bosch hatte auf diesem Gebiet bereits Entwicklungsarbeit geleistet, konnte jedoch mit diesem Produkt aufgrund der komplizierten Patentlage nicht zur Serienreife gelangen.

Die 1920er Jahre

Vor dem Ersten Weltkrieg erwirtschaftete Bosch bis zu 88 Prozent des Umsatzes im Ausland. Der Kriegsausbruch 1914 und vor allem auch der Kriegseintritt der USA 1917 auf Seiten der Alliierten war somit für das international ausgerichtete
Unternehmen ein herber Schlag. Bosch war in den vier Jahren des Ersten Weltkrieges und darüber hinaus vom Weltmarkt abgeschnitten. Enteignungen und Freigabe von Patenten durch die Siegermächte führten dazu, dass mehr als die Hälfte des Bosch-Vermögens mit einem Schlag verloren ging. So musste Bosch die Enteignung der Bosch Magneto Company einschließlich der Fabriken in Springfield und Plainfield durch die amerikanischen Regierung und den anschließenden Verkauf an eine amerikanische Investorengruppe hinnehmen.

Streit um das Markenrecht

Zu den Enteignungen der Auslandsbesitzungen kam hinzu, dass dieses Unternehmen, unter amerikanischen Betreibern, Kraftfahrtzeugausrüstung unter dem Namen „Bosch“ produzierte. Die Produkte besaßen jedoch nicht die Qualität, auf die Bosch schon seit Beginn seiner Geschäftstätigkeit größten Wert gelegt hatte. Die neu entstandene American Bosch Magneto Corporation warb für ihre Produkte mit dem Namen Bosch und machte der Stuttgarter Firma die Verwendung des Markennamens in den USA gerichtlich streitig. Um sich von den Erzeugnissen der „American Bosch Magneto Corporation“ (ABMC) zu distanzieren, wurden die Produkte der 1921 in New York neu gegründeten „Robert Bosch Magneto Company Inc.“ mit dem von Gottlob Honold entworfenem Warenzeichen „Zündanker im Kreis“ und der Aufschrift „Germany“ versehen.

Erst 1929/1930 konnte die Namensrechtsfrage in mehreren Verträgen geregelt werden. Die Robert Bosch Magneto Company Inc. durfte den Markennamen „Bosch“ weltweit, einschließlich des amerikanischen Territoriums, allein stehend benutzen, während die American Bosch Magneto Corporation ausschließlich und überall den Namen „American Bosch“ verwenden musste. Noch im Jahr der Einigung gelang es der Robert Bosch Magneto Company Inc. sich an der unter amerikanischen Führung stehenden Firma zu beteiligen. Die beiden Firmen schlossen sich zur United American Bosch Corporation, Springfield zusammen, die ab 1938 nur noch American Bosch Corporation (ABC) hieß und 1941/42 im Zuge des Zweiten Weltkrieges erneut von US-amerikanischen Behörden enteignet wurde. Als die politischen Nachwirkungen des Krieges im Ausland weitgehend überwunden waren, gelang es Bosch in den USA wieder Fuß zu fassen. 1953 wurde eine neue Verkaufsniederlassung, die Robert Bosch Corporation, in New York, gegründet. Erst 1983 konnten die kriegsbedingt enteigneten Markenrechte und das volle Nutzungsrecht des Namens Bosch weltweit zurückgewonnen werden.

Bosch heute in Nordamerika

In der Region Nordamerika sind heute über 23 000 Mitarbeiter an rund 80 Standorten für Bosch tätig. Das Unternehmen
ist auf dem nordamerikanischen Markt mit nahezu allen Geschäftsfeldern vertreten, wobei das Schwergewicht auf der Kraftfahrzeugtechnik liegt. Längerfristig sieht Bosch gute Chancen für die Dieseltechnik in Nordamerika.
Erhebliche Wachstumschancen zeichnen sich auch für das Sicherheitssystem ESP® ab, welches – wie US-amerikanische Studien belegen – erheblich zur Reduktion von Fahrunfällen beiträgt. Die Mühen des Firmengründers Robert Bosch haben sich gelohnt. Nach dem Aufschwung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und den Rückschlägen durch die kriegsbedingten Enteignungen, konnte sich Bosch in den USA, einem der größten Märkte des Unternehmens heute, etablieren.