RückBlick in die Geschichte, 01/2002

Eine zündende Idee: 100 Jahre Bosch Zündkerze
„Damit haben Sie den Vogel abgeschossen!“, so die anerkennenden Worte von Robert Bosch an seinen späteren Entwicklungschef Gottlob Honold, als dieser ihm im Dezember 1901 eine Neuentwicklung vorführte. Diese Neuentwicklung – Hochspannungsmagnetzünder mit Zündkerze für Automobilmotoren – wurde im Januar 1902 patentiert und ebnete dem kleinen Betrieb den Weg zum Weltunternehmen.

Problem der Probleme

Zündsysteme für Kraftfahrzeuge gab es schon lange, aber keines war zuverlässig genug: Summerzündungen leerten die Batterien der Kraftwagen in kürzester Zeit und zwangen zu langen Pausen. Und die Glührohrzündung des Automobilpioniers Gottlieb Daimler konnte schon einmal einen Motorbrand auslösen. Kurzum: Was ein anderer Vorreiter des Automobilsbaus, Carl Benz, als das „Problem der Probleme“ bezeichnete, war nichts anderes als die Zündung. Erst mit dem Experiment des jungen Robert Bosch im Jahr 1897 war der Weg zur alltagstauglichen Zündung im Automobil bereitet. Er rüstete ein Motordreirad der Marke De Dion-Bouton mit einer Magnetzündung aus, die es bisher nur an Stationärmotoren gegeben hatte. Und siehe da, das Vehikel – gesteuert von Boschs tapferem Lehrling – fuhr einwandfrei und zeigte mit einer Höchstgeschwindigkeit von damals ungewöhnlichen 50 km/h die Leistungsfähigkeit der neuen Zündung.

Kleiner Funke mit Rennerfolg

Die Hochspannungsmagnetzündung von 1902 setzte diesen Weg konsequent fort: Diese Variante besaß kein sogenanntes Abrissgestänge mehr, das für die Entzündung des Benzins sorgte. Der zündende Funke wurde vielmehr durch Hochspannung an einem kleinen kerzenähnlichen Gebilde erzeugt, das man folgerichtig Zündkerze taufte. Damit erübrigte sich der aufwändige Einbau des Gestänges, der von Fahrzeug zu Fahrzeug stark variierte. Die Hochspannungsmagnetzündung ließ sich in jedes Gefährt ohne großen Aufwand einbauen und war damit viel billiger als ihre Vorgängerin. Doch damit nicht genug: Durch den Wegfall des Gestänges ließen sich weit höhere Drehzahlen erreichen als die bisherigen gut 1.000 Umdrehungen pro Minute. Und das, so zeigte die Zukunft, wurde zum Erfolgsgaranten der Hochspannungsmagnetzündung mit Zündkerze, denn die Kraftfahrzeugmotoren wurden bei steigender Leistung immer kleiner und leichter. Dies konnte aber nur bei gleichzeitig höheren Drehzahlen funktionieren, für die ausschließlich die Hochspannungsmagnetzündung tauglich war. Durch den erfolgreichen Einsatz der neuen Bosch-Zündung schon in den ersten Autorennen des 20. Jahrhunderts konnte Bosch schließlich das Vertrauen der Automobilhersteller gewinnen. Waren diese anfänglich misstrauisch, so zeigte der Erfolg unter härtesten Bedingungen, dass man auf dieses System setzen konnte.

Die Zündkerze bleibt

Hatte Robert Bosch seit seiner Unternehmensgründung im Jahr 1887 bis 1896 nur etwa 1.000 Niederspannungsmagnetzünder gebaut, so schnellten die gesamten Verkaufszahlen nach 1902 mit Hilfe der Hochspannungsmagnetzündung steil nach oben. Eine Erfolgsstory war geboren: Schon 1906 erhielt Bosch allein aus den USA Aufträge in Höhe von mehr als einer Million Dollar. 1910 errichtete er in Springfield/Massachusetts eine Fabrik, und bis 1914 waren bereits über eine Million Magnetzünder gefertigt, dazu ein Vielfaches an Zündkerzen. Die Magnetzündung wurde schon seit den 30er Jahren von der preisgünstigeren Batteriezündung verdrängt. Die Zündkerze jedoch bleibt unersetzlich für moderne Fahrzeugmotoren. Mehr als eine Million von ihnen stellt Bosch heute Tag für Tag her.

Entwurf einer Zündkerzenwerbung von Lucian Bernhard, 1913
Werbung in den USA
Zündkerzenwerbung für den US-Markt, 1913