RückBlick in die Geschichte, 11/2002

Mit Hochdruck: 75 Jahre Bosch Dieseleinspritzung
Mit dem Produktionsstart der ersten serienmäßig gefertigten Diesel-Einspritzpumpen im November 1927 begann bei Bosch eine neue Ära. Das Unternehmen, bis dahin hauptsächlich als Hersteller von Magnetzündungen für Automobile hoch geschätzt, sicherte mit diesem Schritt seinen Anteil am weltweiten Erfolg der Dieseleinspritzung.

Gefahr am Horizont

Der Hauptgrund für die Beschäftigung mit dem Dieselmotor lag in einer handfesten Gefahr: Der Dieselantrieb galt Anfang der 1920er Jahre als Antrieb der Zukunft. Eine Magnetzündung, wichtigster Umsatzträger von Bosch, benötigte ein Dieselmotor nicht. Die Verbrennung des Dieselkraftstoffs erfolgte allein durch Kompression, ohne zündenden Funken des Magnetzünders. Es konnte also nur klug sein, sich an die Spitze dieser Entwicklung zu stellen, um den Bestand des Hauses zu sichern.

Vorteile des Diesels unabweisbar

Dass dem Dieselprinzip so blendende Chancen eingeräumt wurden, lag auf der Hand: Dieselkraftstoff war schwer entzündbar und damit weniger gefährlich als Benzin, zudem billiger in der Anschaffung. Außerdem lag der spezifische Verbrauch im Vergleich zum Benziner weitaus geringer. Allerdings mussten Dieselmotoren bislang im Vergleich zu Benzinmotoren wesentlich größer gebaut werden, denn alle bisherigen Einspritzsysteme ermöglichten nur geringe Drehzahlen, also keine hohen Leistungen bei geringem Hubraum. Sie eigneten sich daher nur für den Einsatz in wuchtigen Stationärmotoren.

Um den Wettlauf um den Diesel im Kraftfahrzeug zu gewinnen, musste es Bosch also gelingen, eine Einspritzausrüstung zu entwickeln, die einem Dieselmotor hohe Drehzahlen durch schnelle Kraftstoffversorgung ermöglichte. Nur so war die Voraussetzung gegeben, dass Dieselmotoren klein genug für Fahrzeuge gebaut werden konnten und trotzdem stark genug waren.

Vorteil durch Know-how

Durch die stete Weiterentwicklung des "Ölers", den Bosch 1909 auf den Markt brachte, verschaffte sich Bosch Know-how, das für die Dieseleinspritzung bestens zu gebrauchen war: Umgang mit hohem Flüssigkeitsdruck in Geräten und Erfahrung in enorm präziser Fertigung. Eben diese Erfahrungen schaffte Vorsprung im Rennen um die serientaugliche Dieseleinspritzung: Bereits 1923 konnten die ersten Prototypen getestet werden. Durch die Mitarbeit des Motorenkonstrukteurs Franz Lang konnte der Weg zur Serienreife beschleunigt werden, denn Lang brachte in seine Mitarbeit nicht weniger als 197 Patente ein.

Von Anfang an wurde darauf Wert gelegt, die Voraussetzungen für die Fertigung in hohen Stückzahlen zu schaffen. "Mengenpräzisionsfertigung" hieß das Zauberwort; es besagte, dass für den geschäftlichen Erfolg hohe Stückzahlen bei hoher Qualität des einzelnen Produkts unabdingbar waren.

Auf der Zielgeraden zur Serienreife

Im März 1927 erfolgte die Ausgabe von Einzelpumpen an interessierte Fahrzeughersteller zur Erprobung . Die in Tests erwiesene Tauglichkeit des Produktes bahnte den Weg zur sogenannten "Mengenfreigabe" im November 1927, dem Startschuss zur Serienfertigung. Von nun an ging es Schlag auf Schlag: Im Oktober 1928 feierte Bosch die 1 000ste Pumpe und im März 1934 verließ die 100 000ste Pumpe die Fertigungshallen. Mit der Vorstellung von Einspritzpumpen für Diesel-Pkw 1936 gelang der Durchbruch zum heutigen Stückzahl-Millionär: Rund 36 Prozent aller neu zugelassenen Automobile in Europa haben heute einen Dieselmotor, zumeist mit Bosch-Einspritztechnik.

Früh übt sich
Versuchsversion einer Bosch-Einspritzpumpe für Automobilmotoren