EinBlick in die Geschichte, 01/2003

Vom Traktor zum Cabrio - 50 Jahre Bosch-Hydraulik
Als 1953 die ersten Hydraulikprodukte von Bosch auf den Markt kamen, hatte man zunächst nur eines im Sinn: Arbeitserleichterung für Landwirte. Heute sind es unzählige Produkte, wie Werkzeugmaschinen, Industrieroboter, Antiblockiersysteme, Baumaschinen, Gabelstapler, Lastwagen mit hydraulischen Bremsen, Mähdrescher, hydraulische Pressen und Straßenbaumaschinen, ja sogar Steuerungen von Cabrioverdecken, in denen Bosch Hydraulik zum Einsatz kommt.

Anfang im Kornfeld

In den 50er Jahren lag die Technisierung der Landwirtschaft in Deutschland gegenüber den westlichen Nachbarländern weit zurück. Die Handarbeit beherrschte das Geschehen von der Aussaat bis zur Ernte. An diesem Punkt setzten die Bestrebungen bei Bosch an: Die Arbeit auf den Äckern sollte durch klug eingesetzte Technik erleichtert werden. Den Anfang machte ein Kraftheber, der es ermöglichte, das beschwerliche Heben und Senken des Pfluges mit Hilfe des Motors am Traktor zu bewerkstelligen. Die findige Idee: Man schloss ein hydraulisches System aus Pumpe, Ölbehälter, Steuergerät, Zylinder und Druckleitungen an den Motor an, und schon ließ sich die sonst so schweißtreibende Arbeit kinderleicht bewältigen. Ein leichter Zug am Hebel des Steuergerätes reichte.

Statt Muskelkraft - Bosch!

Die Hydraulikpumpe nutzte die Kraft des Motors und übertrug diese auf den Arbeitszylinder, der über Druckleitungen die Stellung des Pfluges bestimmte. Zur Kraftübertragung in den Druckleitungen diente Motoröl. Es steht für die Bedeutung des Wortes Hydraulik, dessen Wortstamm "Hydor" im Altgriechischen wörtlich "Wasser" bedeutet, im weiteren Sinne aber für die Verwendung von Flüssigkeit steht.

Kurze Wege, kleine Maße

Das Geheimnis der Hydraulik für diesen Einsatzbereich, also die Kraftübertragung über geringe Distanzen, liegt in den geringen Baumaßen. Eine Hydraulikpumpe von der Größe zweier Fäuste konnte schon 1953 bis zu 10 PS vom Traktormotor auf den Pflugheber übertragen. Ein elektrische Übertragung wäre mit diesen Baumaßen nicht zu bewerkstelligen gewesen.

Der Einsatz dieser kompakten Technik in der Landwirtschaft trug Früchte und ebnete den Weg auf vielen Feldern, in der Industriehydraulik – also für Fertigungsmaschinen - , wie in der Hydraulik für Fahrzeuge, der Mobilhydraulik.

Schon 1958 dehnte Bosch die Produktion von Hydraulik-Erzeugnissen systematisch aus. Neuer Standort war das vom Motorradhersteller Zündapp erworbene Werk in Nürnberg. Um die technologische Spitzenposition durch Forschung und Erprobung auszubauen, wurde 1969 am neuen Bosch-Standort Schwieberdingen das "Technische Zentrum Hydraulik" eingerichtet.

Ein Geschäftszweig formiert sich

Nachdem der Produktbereich Hydraulik zwischenzeitlich mit dem Produktbereich Pneumatik zu einem Geschäftsbereich gebündelt worden war, fasste Bosch beide 1996 zum neuen Geschäftsbereich Automationstechnik zusammen. Doch dabei blieb es nicht. Im Zuge der Übernahme der Rexroth AG in Lohr entstand 2001 ein neues Bosch Tochterunternehmen unter dem Namen Bosch Rexroth AG. Hier fließt die lange Erfahrung, deren Anfang ein Pflugheber markierte, in die Fertigung von komplexen Industrieausrüstungen ein.

Hydraulik-Werbung 1958
Hydraulik-Werbung aus dem Jahr 1958. Der starke Arm des Hydrospeichers steht für die Kraft und Effektivität des neuen Produkts.