EinBlick in die Geschichte, 07/2003

Früher Baustein zum 3-S-Programm: Der Bosch-Winker
Sicherheit, Sauberkeit und Sparsamkeit – diese drei Begriffe ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Automobilausrüstung von Bosch. Als das bereits seit Jahrzehnten verfolgte Entwicklungsziel 1974 den Namen "3-S-Programm" erhielt, war eines der frühen Beispiele bereits wieder aus dem Straßenverkehr verschwunden: Der Bosch-Winker.
Am Ende der Erprobungsperiode des Kraftfahrzeugs, die von 1886 bis etwa 1910 anzusetzen ist, stand als Ergebnis, dass es verkehrsrelevant geworden war. "Erst jetzt", so Peter Kirchberg in einer Untersuchung über die Motorisierung des Straßenverkehrs in Deutschland, (...) bot es wirklich neue Möglichkeiten als Verkehrsmittel, erst jetzt bot es erprobte Einsatzvarianten zur Ergänzung des vorhandenen Transportsystems." "Zwischen den beiden Weltkriegen vollzog sich die Verkehrsmotorisierung in Deutschland in zwei großen Wachstumsphasen, geteilt durch die Weltwirtschaftskrise. Der Kraftfahrzeugbestand wuchs in der 20er und 30er Jahren kräftig an (...)."

Regelungen mussten her, um dem zunehmenden Chaos auf den Straßen zu begegnen. Signale wurden da immer wichtiger. In § 26 der Verordnung über den Kraftverkehr heißt es daher: "Der Führer hat andern Personen die Absicht des Stillhaltens durch senkrechtes Hochhalten des Armes, die Absicht des Umwendens und des Verlassens der bisher verfolgten Fahrtrichtung durch waagrechtes Halten des Armes in der Richtung des Wechsels rechtzeitig zu erkennen zu geben; zum Abgeben der Zeichen kann auch eine mechanische Einrichtung benutzt werden."

Der Gedanke eines auch vom Gesetzgeber vorgesehenen elektrischen Fahrtrichtungsanzeigers war 1927/28, als sich die Bosch-Entwicklungsabteilung mit dem Problem beschäftigte, also nicht neu. Anfang der zwanziger Jahre gab es metallene Winkerarme mit roten "Bakelitaugen", die durch einen mechanischen Hebelschalter über Bowdenzüge betätigt werden konnten. Auch waren von anderen Herstellern, namentlich von Carl Zeiss Jena, bereits Vorrichtungen bekannt, bei denen sich in einem kapselartigen, von innen beleuchteten Gehäuse ein Pfeil durch zwei Elektromagneten in die jeweils gewünschte Fahrtrichtung drehte. Bei Bosch ging man jedoch von Anfang an von der Annahme aus, dass sich die Umrisse des Fahrzeugs beim Zeichengeben verändern sollten.

Der Bosch-Winker besteht im Prinzip aus einem Elektromagneten, der beim Betätigen des Winkerschalters den Winkerarm aus seinem Gehäuse ausschwenkt. Gleichzeitig wird der Winkerarm dabei durch eine Glühlampe beleuchtet, um ihn bei Dunkelheit deutlich sichtbar zu machen. Eine jalousieartige Riffelung auf der Rückseite des Winkerarms verhindert dabei wirkungsvoll eine Blendung des Fahrers durch die Winkerbeleuchtung. Es galt schließlich schon damals, einen Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten.

Von 1956 an durften laut Straßenverkehrs-Zulassungsordnung sämtliche Neufahrzeuge nur noch mit einer Blinkeranlage ausgerüstet werden. Besitzer von Altwagen hatten bis 1961 Zeit, ihre Fahrzeuge umzurüsten. Der Bosch-Winker verschwand aus dem Straßenbild. Doch auch das war kein Problem: Schließlich gab es längst die neuen Bosch-Blinker.

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