EinBlick in die Geschichte, 09/2003

Une amitié durable: Bosch und Lavalette gründen Standort St. Ouen
Hohe Zollbeschränkungen gaben den Ausschlag für das 1928 initiierte deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt Lavalette-Bosch. Bis 1914 hatte Bosch in großem Umfang Produkte ins Ausland geliefert.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges fielen mit Frankreich und Großbritannien, ab 1917 auch den USA, die bedeutendsten Märkte weg. Versuche, in diesen Staaten nach dem Krieg wieder Fuß zu fassen, scheiterten an den restriktiven Einfuhrbestimmungen. Diese machten einen rentablen Import praktisch unmöglich. Die Lösung schien die Produktion vor Ort zu sein. So ging Bosch 1928 denn auch gerne auf das Angebot des Grafen Lavalette ein, in Frankreich Automobilzubehör nach Bosch-Lizenz zu bauen. Ferner übernahmen die Atéliers de Construction Lavalette den Vertrieb der Bosch Produkte in Frankreich. Zur Herstellung der Waren unter dem Markenamen "Lavalette-Bosch" wurde 1930 ein Fabrikneubau in der Rue Michelet in St. Ouen nahe Paris fertiggestellt, der für Jahrzehnte Firmensitz von Lavalette bleiben sollte.

Dunkle Wolken und ein Neuanfang

Als Ende der dreißiger Jahre die - auch von Robert Bosch gehegte - Pflanze der deutsch-französischen Beziehungen unter dem Stiefel der politischen Ereignisse im nationalsozialistischen Deutschland zertreten wurde, blieb das für Lavalette-Bosch nicht ohne Folgen. Die deutschen Aufsichtsratsmitglieder und Angestellten mussten ihre Posten in dem Gemeinschaftsunternehmen verlassen, die Produkte trugen fortan nur noch den Namen Lavalette. Die Bosch Aktien wurden 1945 vom französischen Staat enteignet.

Trotz der schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges blieb die freundschaftliche Verbindung von Lavalette und Bosch bestehen. Bereits in den frühen fünfziger Jahren kam es wieder zu Geschäftsbeziehungen zwischen den ehemaligen Partnern. 1958 schlossen beide einen Lizenzvertrag zur Herstellung von Automobilzubehör. Bosch übernahm gleichzeitig eine Minderheitsbeteiligung an Lavalette. Im Zuge einer Neustrukturierung der französischen Auslandsaktivitäten gründete Bosch 1962 die Robert Bosch (France) S.A. als Vertriebsgesellschaft. Gleichzeitig rief das Unternehmen zusammen mit Lavalette und der französischen Firma Précision Mécanique Labinal eine Fertigungsgesellschaft ins Leben, die "Les Constructeurs Associés S.A." Diese wurde 1966 der Robert Bosch (France) S.A. angegliedert.

Der größte europäische Markt

In der Zwischenzeit stellt Frankreich nach Nordamerika den wichtigsten Markt für Bosch dar. Mit knapp 11 000 Mitarbeitern ist Bosch an 19 Standorten vertreten.Der Hauptsitz der Robert Bosch (France) S.A. befindet sich heute noch immer in der Rue Michelet in St. Ouen.

Neubau einer Fabrik
Der Fabrikneubau in St. Ouen nach seiner Fertigstellung 1930