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EinBlick in die Geschichte, 11/2003
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"Eines ist sicher!" - Bosch-ABS geht in Serie
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Die Idee eines Blockierschutzes für Automobile gibt es nicht erst seit 1978. Bosch ließ bereits 1936 ein Patent über die "Verhütung des Festbremsens" anmelden. Zu dieser Zeit war der Stuttgarter Konzern bereits seit neun Jahren etablierter Hersteller von Bremssystemen für Kraftwagen.
Bei der Blockierverhinderung ging es darum, dass das Bremssystem so reagieren sollte, wie dies routinierte Fahrer tun würden: bei drohendem Blockieren den Druck auf die Bremse zu reduzieren, um ihn dann wieder zu verstärken, sobald die Räder greifen, ein Hin und Her zwischen Steigern und Senken des Bremsdrucks in jenem kritischen Bereich, in dem die Räder zu blockieren beginnen und der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren droht. Hierfür war ein System erforderlich, das die Fahrzeug- und Radgeschwindigkeit abgleichen, Abweichungen schnellstens messen und flugs durch Bremsdruckminderung reagieren konnte. Daran scheiterten die frühen Systeme; sie waren zu langsam. Erst die Halbleitertechnik, seit Anfang der 1960er Jahre verfügbar, schuf die Voraussetzungen für das erforderliche schnelle Ansprechen des Systems. 1973 beteiligte sich Bosch zu 50 % an der Teldix GmbH in Heidelberg. Hier war schon 1964 mit der Grundlagenforschung begonnen worden. Man hatte festgestellt, dass Antiblockiersysteme mit elektronischer Steuerung zwar realisierbar waren, aber nur mit immensem finanziellen Aufwand, der allenfalls den Einsatz in Flugzeugen und Schnellzügen erlaubte. Die Elektronik als Grundlage für ein leistungsfähiges System musste aber für den Einsatz in Serienfahrzeugen bezahlbar sein, und das wurde sie durch die Verfügbarkeit von integrierten Schaltkreisen ab 1964. Schon zwei Jahre später erreichte man mit Prototypen erstmals Bremswegverkürzungen. 1970 stellte Teldix gemeinsam mit Daimler-Benz die ersten Erprobungsfahrzeuge mit dem nunmehr "ABS 1" getauften System vor. Eine Serieneinführung sollte baldigst folgen, aber die Zuverlässigkeit der Steuerungselektronik ließ noch zu wünschen übrig. Bei einem System, das in die Funktion der Bremse eingriff, mussten höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt werden und diese waren noch nicht gegeben. Durch damals noch über 1.000 Bauteile in der Steuerung war auch die Zahl der möglichen Fehlerquellen entschieden zu hoch. 1975 beschlossen die beiden Teldix-Gesellschafter Bosch und AEG, die ABS-Entwicklung ganz in die Verantwortung von Bosch zu geben, wo auch schon seit 1969 an einem Antiblockiersystem gearbeitet wurde. Das Ziel hieß ABS 2, ein serienreifes System, für welches das Know-how von Bosch und Teldix gebündelt wurde. Von Bosch kam die Erfahrung mit digitalen elektronischen Bauelementen, die preiswert, leistungsfähig und robust genug für den Serieneinsatz in Fahrzeugen waren. Sie erhöhten die Rechnerleistung für die ABS-Steuerung im Vergleich zur analogen Elektronik erheblich, ermöglichten die drastische Reduzierung von Bauteilen im Steuergerät und gewährten die erforderliche Betriebssicherheit. Im November 1978 konnte das ABS vorgestellt werden. "Eines ist sicher!", versprach ein Slogan für das neue Produkt. ABS besteht aus drei Komponenten: Drehzahlfühler an jedem Rad, elektronischem Steuergerät und Hydroaggregat. Die Drehzahlfühler erfassen bei einem Bremsvorgang die Veränderung der Raddrehzahl. Diese Daten werden an das elektronische Steuergerät weitergegeben. Ergibt sich aus dem Abgleich der Daten mit den im Steuergerät gespeicherten Informationen, dass ein bestimmter Grenzwert der Radverzögerung überschritten wird, das Rad also zu blockieren droht, so wird von Steuergerät ein Signal an das Hydroaggregat abgegeben, den Bremsdruck zu mindern. Das Hydroaggregat, mit dem Bremssystem verbunden, zieht zur Bremsdruckminderung Bremsflüssigkeit ab. Sodann beschleunigt die Radbewegung wieder. Erreicht sie einen Grenzwert, der anzeigt, dass das Rad nicht mehr blockiert, sich aber schon so schnell dreht, dass die Verzögerung nicht mehr optimal ist, erteilt das Steuergerät an das Hydroaggregat wiederum den Befehl zur Erhöhung des Bremsdruckes durch Zuführung von Bremsflüssigkeit. Ein neuer Zyklus beginnt, bis zu 40 mal pro Sekunde. Der Fahrer merkt dies nur am ratternden Geräusch und einer minimalen Auf- und Ab-Bewegung des Bremspedals im Takt des Geräusches. Schnell setzte sich das System in allen Pkw-Segmenten durch. Die erste Million ABS-Systeme war 1986 ausgeliefert. 1986 brachte Bosch die Antriebsschlupfregelung ASR auf den Markt. ASR verhindert das Durchdrehen der Räder beim Beschleunigen. Doch damit endete der Innovationsdrang nicht: 1995 konnte das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP vorgestellt werden, das bei scharfen Brems-, Lenk- und Beschleunigungsvorgängen jedes Rad einzeln bremsen oder beschleunigen kann. Es hindert ein Fahrzeug in nahezu jeder Situation am Ausbrechen oder Schleudern. Vorläufig krönt es die Familie der Fahrdynamiksysteme von Bosch. Was mag wohl als nächstes kommen? |
Bremstest
![]() Bremstest mit und ohne ABS unter winterlichen Bedingungen
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