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EinBlick in die Geschichte, 07/2004
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Bosch und das Fernsehen: Die Entwicklung des Pantoffelkinos
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Nur wenige erinnern sich in unserer schnelllebigen Zeit daran, dass die Firma Bosch maßgeblich an der Durchsetzung des Fernsehens in Deutschland beteiligt war. Im übrigen ist das Prinzip des Fernsehens älter als mancher glauben mag. Bereits 1884 entwickelte der deutsche Ingenieur Paul Nipkow einen elektrischen Bildabtaster, der es ermöglichte, Bilder von Gegenständen elektrisch zu übertragen. Nipkow benutzte dazu eine später nach ihm benannte Scheibe, die schneckenförmig von außen nach innen in festen Abständen Löcher aufweist. Diese Nipkow-Scheibe dreht sich zwischen dem abzubildenden Gegenstand und einer fotoelektrischen Selenzelle. Nacheinander fällt durch die Löcher das Bild jeweils einer bestimmten Partie des Gegenstandes auf die Selenzelle. Diese moduliert einen elektrischen Strom, der beim Empfänger eine Glühbirne speist. Das heller beziehungsweise dunkler werdende Licht der Lampe wird durch die Löcher einer synchron drehenden zweiten Nipkow-Scheibe auf eine Projektionsfläche geworfen, wo wiederum ein Bild des Gegenstands erscheint.
Zunächst wusste niemand etwas mit dieser Erfindung anzufangen. Mehr als vierzig Jahre später experimentierte dann der Schotte John Logie Baird mit einer Nipkow-Scheibe. Dabei gelang ihm 1925/26 erstmals die Übertragung eines Gesichts. Als Baird 1928 schließlich sogar per Seekabel ein Fernsehbild von London nach New York senden konnte, interessierte sich die Industrie für die Sache. Unter den Interessenten war auch Robert Bosch. Er gründete am 3. Juli 1929 in Berlin mit mehreren Partnern, unter ihnen Baird, die „Fernseh AG", Bosch-Kürzel „FESE". Der Erfolg der neuen Firma war zunächst jedoch mehr als bescheiden. Schließlich gestattete die Nipkow-Scheibe lediglich Bilder geringer Auflösung in langsamer Folge, nämlich 12 ½ Bilder pro Sekunde mit je 30 Zeilen, zu wenig für eine praktische Nutzung. Einen ersten Durchbruch brachte schließlich eine bei der FESE in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg 1933 entwickelte Hochvakuum-Bildröhre zur Bildwiedergabe. Als dann 1936 zur Bildaufnahme sogenannte Sondenröhren, später dann auch Ikonoskopkameras entwickelt wurden, stand dem vollelektronischen Fernsehen nichts mehr im Wege. So konnten beispielsweise alle wichtigen Ereignisse der Olympischen Spiele in Berlin mit modernen FESE-Kameras aufgenommen, in einer Regiezentrale verarbeitet und an die UKW-Sender weitergegeben werden. Allerdings gab es 1936 noch kaum Empfangsgeräte. Die Zuschauer in Deutschland verfolgten die „Life-Übertragungen" in öffentlichen Fernsehstuben, von denen es nicht allzu viele gab. So blieb für das Gros der Bevölkerung 1936 zur Information doch wieder nur der Rundfunk und die Kino-Wochenschau. Bis 1939 waren alle Partner von Bosch aus der Fernseh AG ausgeschieden und die Firma wurde analog zum Mutterhaus in eine GmbH umgewandelt. Der Zweite Weltkrieg unterbrach zwar die Entwicklung des deutschen Fernsehens und der FESE, konnte beide aber nicht stoppen. An Weihnachten 1952 konnte mit Billigung der Alliierten der reguläre Fernsehbetrieb in Deutschland aufgenommen werden. Die FESE, inzwischen in Darmstadt ansässig, konzentrierte sich in der Folge ganz auf die Entwicklung und Herstellung von Aufnahme- und Studiogeräten. Den Fernsehempfängerbau überließ sie einer anderen Bosch-Tochter, der Blaupunkt GmbH in Hildesheim. Die weitere Entwicklung der FESE war zunächst eine Erfolgsgeschichte. Immerhin lieferte das Unternehmen zur Olympiade 1972 in München fast sämtliche Studio- und Übertragungseinrichtungen, natürlich für den 1967 in der Bundesrepublik eingeführten Farbfernsehbetrieb. Doch der Beginn der 1980er Jahre markiert einen Wendepunkt. Zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland, nicht zuletzt aus Fernost, führte schließlich 1986 zur Einbringung des Unternehmens, das seit 1972 Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH hieß, in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Philips, aus dem sich Bosch später ganz zurückzog. Damit fanden fast sechs Jahrzehnte Fernsehen bei Bosch ihren Abschluss. |
Hilde Nocker
![]() Das Fernsehen machte sie in den fünfziger Jahren zum Star: Hilde Nocker sollte wie ihre Ansagekolleginnen mit verführerischem Lächeln die Zuschauer vor das Gerät locken. Hier posiert sie für den Fotografen vor einer Übertragungskamera der Fernseh GmbH, einer Bosch-Tochter, die vor 75 Jahren, am 3. Juli 1929, gegründet wurde.
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