Und mitten in der Millionenmetropole am Arabischen Golf steht der niederländische Bosch Rexroth-Ingenieur Ballemans, das Handy am Ohr, und versucht über das Getöse des Verkehrs hinweg seinem Gesprächspartner klarzumachen, wie dringend er ein mittelgroßes Schiff braucht, Form und Farbe egal, nur für ein paar Tage.
Etwas entfernt, auf einer künstlich aufgeschütteten Halbinsel, beugt sich Ballemans’ Kollege und Landsmann Frans van der Krabben in einer staubigen Bauhütte über ein paar technische Pläne. An der Tür ein Schild: „Rexroth. Bosch Group“. Die mit Klebeband abgedichtete Klimaanlage surrt und klappert, kämpft selbst im Winter tapfer gegen die arabische Hitze. In einer Ecke stapeln sich Wasserflaschen, durch schmale Ritzen weht feiner Sand auf den abgetretenen Boden, von draußen lärmen Hämmer, kreischen Sägen, dumpf dröhnt Stahl auf Stahl.
Frans van der Krabben – braungebrannt, freundlich und mit einem Handschlag, den er offensichtlich aus seiner Zeit bei der Handelsmarine mitgebracht hat – hat sich an den Krach längst gewöhnt. Die Lärmquelle liegt nur wenige Schritte entfernt: Zwölf Hochseeschiffe ragen hier in den heißen, blauen Himmel, auf metallenen Schlitten sauber aufgereiht, beblitzt und beflackert von Schweißflammen und Funkenflug. Und dafür, dass diese Schiffe hier auf festem Boden sicher repariert werden können, haben Ballemans, van der Krabben und viele andere Mitarbeiter von Bosch Rexroth hart gearbeitet.
Denn in nur gut anderthalb Jahren haben die niederländischen Spezialisten hier die größte Schiffshebeanlage der Region errichtet – und das unter schwierigsten Bedingungen: „Im Sommer wird es hier bis zu 50 Grad heiß“, sagt Sales Manager Hans van Herwerden, „eine echte Herausforderung für Menschen und Material“. Spezielles Design war nötig, um die empfindliche Technik vor Hitze, Sand, Salzwasser und Luftfeuchtigkeit zu schützen.
Doch der Aufwand hat sich gelohnt: „Diese Anlage ist für uns von strategischer Bedeutung, ein absolutes Referenzobjekt“. Van Herwerden steht auf dem Dach des vierstöckigen Kontrollgebäudes und blickt über eine riesige, sandige Betonfläche, von Schienensträngen durchzogen. Eine Weite, in der selbst große Kräne wirken, als kämen sie direkt aus dem Modellbaukasten.
Was er sieht, ist eine der größten Baustellen der Welt, gut zwei Quadratkilometer groß und in Tausend und einer Nacht, in knapp drei Jahren also, aus 32 Millionen Kubikmetern Sand ins warme Wasser des Arabischen Golfs gezaubert: die Dubai Maritime City, bald Wohn- und Arbeitsort für 100.000 Menschen, „ein einzigartiges Kompetenzzentrum in der Welt der Seefahrt, eine wunderbare Hochzeit von Handel und Meer“, so Nawfal Al-Jourani, der Marketingchef des Projekts. Und am Ufer einer betonierten Bucht die Schiffshebeanlage: ein Schienensystem, zwei große Becken, 90 Meter lang das eine, 130 Meter das andere.
„Als wir uns um den Auftrag beworben haben, war hier nur Wasser, das Land noch nicht aufgeschüttet“, erinnert sich van Herwerden. Doch dass er heute, gut zwei Jahre später, hier stehen sollte, das vollendete Projekt vor den zufriedenen Augen, war damals noch keineswegs ausgemacht. Denn schließlich lag den Auftraggebern in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht nur das Angebot von Bosch Rexroth vor.
Lesen Sie im nächsten Teil, wie mit Geduld und Geschick der Großauftrag gesichert wurde, wie man sich trotz brennender Wüstensonne auf einer Skipiste entspannt und ob Peter Ballemans endlich sein Schiff findet…




