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Bosch Global

Projektleiter Michael Fausten betrachtet sein Spiegelbild in der Seitenscheibe eines Testfahrzeugs der Marke Tesla.
Automatisiertes Fahren

„Der Fahrspaß bleibt!“

Wie bewegen wir uns in Zukunft fort? Bosch-Projektleiter Michael Fausten wagt einen Ausblick

5 Minuten Lesezeit

Ein von Bosch zum Versuchsträger umgebautes Tesla Model S gehört zu den wenigen selbstfahrenden Autos, die in Deutschland auf der Autobahn unterwegs sein dürfen. Der Projektleiter Michael Fausten war schon damit unterwegs und ist überzeugt: das ist die Fahrkultur von morgen.

Herr Fausten, seit wann gibt es den Wunsch nach selbstfahrenden Autos?

Der ist schon fast so alt wie das Auto selbst. Eine konkrete Vision hat der Science-Fiction­ Autor und Zukunftsforscher Arthur C. Clarke in den 60er Jahren entwickelt. In seinem Buch „Profiles of the Future“ beschreibt er Autos, die ihren Weg selber suchen, die wissen, welche Route am schnellsten ist und wo es sich staut. In den Zukunftsprogrammen von General Motors tauchte das automatisierte Fahren ebenfalls in den 60er Jahren auf. In den 80ern rüstete Mercedes zu diesem Zweck einen Bus um und packte Schränke voller Elektronik hinein. Damals hieß es, in 30 Jahren sei es so weit.

Was treibt die Entwicklung des automatisierten Fahrens an?

Mehrere Bosch Sensoren und Kameras sind im Vordergrund zu sehen und im Hintergrund ein Testfahrzeug für automatisiertes Fahren.

Die Umfeldsensorik ist bezahlbar geworden, dank des technischen Fortschritts und weil viel mehr Menschen danach fragen. Als wir im Jahr 2000 die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung ACC auf den Markt brachten, war nicht einmal ein Prozent der Kunden bereit, dafür einen Aufpreis zu bezahlen, auch weil es kaum Erfahrungswerte gab. Diese Werte haben wir heute für automatisiertes Fahren auch noch nicht, und doch sind mehr als die Hälfte der Autokäufer dafür aufgeschlossen – sofern das System abschaltbar ist. Laut einer US-Studie wären 20 Prozent auch bereit, dafür 3 000 bis 4 000 US-Dollar mehr zu bezahlen.

15 Prozent

der weltweiten Neuwagen sollen bis 2025 elektrisch fahren.

Worin besteht der größte gesellschaftliche Nutzen dieser neuen Fahrkultur?

Beim automatisierten Fahren kommt der Slogan „Technik fürs Leben“ voll zur Geltung: Wir vermeiden Staus, denn automatisierte Fahrzeuge starren nicht neugierig auf am Straßenrand liegen gebliebene Fahrzeuge. Sie wechseln auch nicht ständig die Spur, um schneller zu sein als andere. Wir sparen Zeit und Energie, die wir produktiv nutzen können. Wir sparen Kraftstoff, und zwar bis zu 40 Prozent, wenn alle automatisiert und im Windschatten des Vordermanns fahren können. Wir sorgen dafür, dass ältere Menschen weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Im Jahr 2050 werden 25 Prozent der Bevölkerung in Europa 65 Jahre oder älter sein, in Deutschland wird der Anteil auf mehr als 30 Prozent steigen. Und ein immens wichtiger Aspekt: Wir erhöhen die Sicherheit – 90 Prozent aller Unfälle sind durch menschliche Fehler verursacht.

Welche Zielgruppen wollen Sie als Erstes adressieren?

Das Cockpit eines Testfahrzeugs für das automatisierte Fahren mit Monitoren und Schaltern.

Wir werden mit Fahrzeugen der Oberklasse beginnen und für diese neben der autonomen Autobahnfahrt auch automatisiertes Parken anbieten – die ersten Parkhäuser werden bereits mit der entsprechenden Technik ausgerüstet. Die zweite Zielgruppe sind die Lkw, die künftig auf Logistikhöfen selbstständig rangieren können. Außerdem adressieren wir die sogenannten Pods, also diese Kleinfahrzeuge, die Google derzeit in Kalifornien ohne Fahrer auf die Straßen schickt. Diese unbemannten Autos wird man, so die Vision, eines Tages wie ein Taxi rufen können.

„Wir wollen das automatisierte Fahren für alle Antriebsarten.“

Michael Fausten, Projektleiter Bosch

Künftig sollen viele Autos elektrifiziert sein. Wie stellen Sie sich darauf ein?

Das stellt vor allem die Entwickler, die sich mit der Fahrzeugarchitektur beschäftigen, vor Herausforderungen. Ein Auto mit Verbrennungsmotor hat ein anderes Fahrverhalten als ein Elektrofahrzeug. Deshalb wollen wir ein Konzept für automatisiertes Fahren entwickeln, das unabhängig von der Antriebsart funktioniert. Denn der Elektroantrieb wird zwar kommen, der Markt für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wird aber auf absehbare Zeit weiter wachsen, wie überhaupt die Anzahl der Fahrzeuge, die weltweit verkauft werden. Unseren Prognosen zufolge wird der Verbrennungsmotor auch noch weit über das Jahr 2025 hinaus das dominierende Antriebssystem bleiben.

In jedem Land herrschen andere Verkehrsregeln. Stellt Sie das vor Probleme?

Michael Fausten steigt aus einem Tesla Versuchsfahrzeug.

Zunächst blicken wir auf Europa, Japan und die USA. Wenig später wird auch China dazukommen. Bei jedem Land müssen wir mit unseren Systemen das jeweilige Fahrverhalten und die Verkehrsregeln berücksichtigen, etwa, dass in Amerika auch rechts überholt wird. Das betrifft aber auch die Infrastruktur. In Deutschland haben wir beispielsweise das Problem, dass die Ampeln vor der Kreuzung stehen und nicht etwa über der Kreuzungsmitte hängen. Wir brauchen also eine Kamera, die steil nach oben schauen kann.

Skizzieren Sie Ihre persönliche Vision: Wie sieht Autofahren im Jahr 2030 aus?

Morgens informiert mich mein Wagen, wann ich losfahren soll, um pünktlich im Büro zu erscheinen. Mit meinem Smartphone beordere ich ihn aus der Garage vor meine Haustüre. Auf der Fahrt beantworte ich E-Mails oder schaue Nachrichten auf dem Bildschirm des Wagens an. Ich könnte mich auch ganz umdrehen und mit meinen Mitfahrern in einem Lounge-ähnlichen Ambiente konferieren. Eine andere Variante wäre, dass ich meinen Sitz weit nach hinten fahre und aus der Mittelkonsole ein Tischchen klappe, auf dem ich Bürokram erledige. Das sind jedoch Blicke in die Glaskugel. Was sich am Ende durchsetzt, ist ungewiss.

Was wird aus dem Fahrspaß, wenn das Auto künftig von selbst fährt?

Michael Fausten sitzt im Cockpit eines selbstfahrenden Autos und hat seine Hände vom Lenkrad genommen.

Wir werden Autos anders kennenlernen und wertschätzen, das steht fest. Denn durch die Zeit, die uns das Auto schenkt, werden sich zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnen, um produktiv zu sein oder sich zu entspannen. Das wird den potenziellen Fahrspaß aber nicht beeinträchtigen. Wir können ja Freiheitsgefühle weiterhin ausleben, wenn wir auf Passstraßen unterwegs sind, indem wir in den klassischen Modus wechseln und selber lenken. Das automatisierte Fahren erweitert nur die Qualitäten eines Autos. Gut möglich, dass wir unsere Fahrzeuge in Zukunft noch viel umfassender nutzen werden.

Fazit

Projektleiter Michael Fausten ist überzeugt, dass uns automatisierte Autos sicherer, umweltfreundlicher und zeitsparender ans Ziel bringen. Bosch entwickelt ein Konzept, das für Verbrennungsmotor und Elektromotor gleichermaßen funktioniert.

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