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Die Erde aus der Weltraum-Perspektive.
Denner’s view

„Europas Update kommt aus den kleinen Ländern“

Ein Plädoyer für einen neuen europäischen Patriotismus.

6 Minuten Lesezeit

Im Digital-Zeitalter können Estland und Bulgarien Vorbilder für Deutschland und Frankreich sein. Ein Plädoyer von Bosch CEO Dr. Volkmar Denner für einen neuen europäischen Patriotismus.

Es sind die Kleinen, die mit ihren Innovationen die Großen treiben. Das ist oft genug in der Wirtschaft so, das ist in der Politik nicht anders. So lassen sich Unternehmen wie Bosch durch Start-ups beflügeln. Ganz ähnlich können wir Europa neu denken. Warum eigentlich verbinden wir die Zukunft dieses Kontinents immer nur mit dem deutsch-französischen Motor? Warum nicht nach Estland schauen? Oder nach Bulgarien? Denn Europas Update, seine digitale Zukunft, findet gerade in den kleinen Ländern statt. Dieser Kontinent sollte nicht nur die Kriege und Krisen von gestern überwinden, er muss sich modernisieren. Dafür dürfen die Zentraleuropäer gerne mehr nach Osten schauen. Und sie wären gut beraten, dort nicht nur Probleme wahrzunehmen, sondern sich von den Innovationsschüben der vermeintlich Kleinen anregen zu lassen.

„Europas Update, seine digitale Zukunft, findet gerade in den kleinen Ländern im Osten statt.“

Dr. Volkmar Denner, CEO Bosch

Europäischer Motor im Baltikum?

Close-up Frau mit Augenring als Zukunftsszenario.

Denn Estland – das ist das Land, das sich in Europa am weitesten dem digitalen Alltag verschrieben hat. Hier ist die Software für Skype entwickelt worden, hier werden schon 96 Prozent aller Steuererklärungen online erledigt, und hier ist die elektronische Identitätskarte Führerschein, Gesundheitspass oder auch Bibliotheksausweis zugleich. Das alles spart bürokratischen Aufwand – immerhin im Wert von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung, wie es heißt. Es ist gut, dass Estland jetzt die EU-Ratspräsidentschaft übernommen, für Ende September sogar zu einem digitalen Gipfel eingeladen hat. Der europäische Motor könnte auch im Baltikum sitzen.

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Das Silicon Valley Osteuropas

Illustration Zukunftsszenario Frau mit Augmented Reality Brille.

Und Bulgarien? Das ist ein Land, das manche immer noch stereotypisch mit dem ehemaligen Ostblock verbinden. Tatsächlich wird dieses Land längst auch das Silicon Valley Osteuropas genannt. Es verfügt über Universitäten, die besonders früh die für das Internet der Dinge (IoT) so wichtige Programmiersprache Java gelehrt haben. Zufall ist es nicht, dass Bosch dort mit ProSyst ein Software-Unternehmen akquiriert hat und in Sofia rund 120 IoT-Entwickler beschäftigt – und diese Zahl soll noch deutlich steigen. Wenn es um die digitale Zukunft geht, lohnt es sich für große Unternehmen, auf Europas Vielfalt zu setzen.

Einheit in der Vielfalt

Doch es braucht auch die Einheit in der Vielfalt. Zwar ist das eine der meistgehörten Floskeln in der Europapolitik: Nicht mehr jedes einzelne europäische Land könne in der Welt Einfluss ausüben, das ganze Europa müsse es sein. Aber selten hat diese Diagnose so sehr gestimmt wie in Zeiten des Internets. Auf gut 50 Milliarden Euro Volumen bringt es der europäische Datenmarkt, sein Pendant in den USA aber ist mehr als doppelt so groß. Es gibt also einen Rückstand aufzuholen, und dafür müssen die europäischen Länder Barrieren niederreißen, die sie selbst mit unterschiedlichen nationalen Regulierungen geschaffen haben. Größe entscheidet, digitale Geschäftsmodelle müssen skalierbar sein, sie sind überhaupt nur international vorstellbar. Eben deshalb ist der digitale Binnenmarkt in Europa so wichtig. Die Europäische Kommission verspricht sich davon hunderttausende Arbeitsplätze und 415 Milliarden Euro Schub für die Wirtschaftsleistung. Wenn das so kommt, dann können wir sagen: Nie war Europa so wertvoll wie heute.

Ein Europa ohne digitale Kleinstaaterei

Illustration Europakarte mit Nationalflaggen

Die entscheidende Voraussetzung wird bald Realität: Vom nächsten Jahr an gilt die europäische Datenschutz-Grundverordnung. Sie schützt die Privatsphäre, stärkt also das für alle Internet-Geschäfte so nötige Vertrauen. Und sie tut das nach europaweit einheitlichen Regeln. Allerdings können wir nur hoffen, dass diese einheitlichen Regeln auch einheitlich umgesetzt werden. Deutschland ist da keineswegs mit gutem Beispiel vorangegangen. Zwar hat es als erstes Land ein Anpassungsgesetz zum europäischen Datenschutz verabschiedet. Aber allein dieses Gesetz ist gut 40 Seiten dick, mit wiederum vielen detaillierten Sonderregelungen. Was bedeutet das für Unternehmen wie Bosch? Sie müssen in Zukunft nicht nur den europäischen Datenschutz berücksichtigen, sondern auch dessen nationale Umsetzung. Ein doppelter Kraftakt – oder sogar ein 28facher, wenn alle Länder so kompliziert verfahren. Diese Art der digitalen Kleinstaaterei kann Europa nicht gebrauchen.

Impulse aus dem Osten

Was Europa dagegen gut gebrauchen kann, sind die Impulse aus den kleinen Ländern. Und es ist der Wettbewerb um die beste Infrastruktur zwischen allen Ländern. Netzgeschwindigkeit, Breitbandanschlüsse – das sind wesentliche Erfolgsfaktoren datengetriebener Geschäfte. Es ist bezeichnend, dass Länder wie Deutschland und Frankreich auch in diesem Wettbewerb bestenfalls im Mittelfeld liegen. Immerhin haben die deutschen Parteien zur Bundestagswahl ihrem Land eine Spitzenposition in Sachen Dateninfrastruktur für die nächste Dekade versprochen. Es scheint, als hätten sie verstanden – für die Zukunft aber müssen wir sie an ihren Versprechen messen. Und vorerst darf sich Deutschland ebenso wie Frankreich gern ein Vorbild an der durchschnittlichen Schnelligkeit der Datenübertragung in Rumänien nehmen.

It’s the economy, stupid?

Technisch wie wirtschaftlich gibt es also auch im arrivierten Teil Europas einiges zu tun. Aber heißt das für die Zukunft dieses Kontinents, dass ausschließlich die Daten zählen? It’s the economy, stupid? Nicht ganz! Denn ohne ein Europa-Gefühl, vergleichbar den Nationalgefühlen, wird die Europäische Union nie vollendet. Auch die deutsche Wiedervereinigung folgte nicht bloß einer ökonomischen Logik, sie war politisch und vor allem emotional richtig. Und nur in dieser Mischung der Motive kann das europäische Projekt auch in Zukunft gelingen. Wir wünschen uns gleich zwei Europas: ein Europa, das digital vorn ist, ein Europa, mit dem wir uns identifizieren können. Gerade Unternehmen sollten europäische Patrioten sein.

Portraitfoto Bosch CEO Dr. Volkmar Denner
Dr. Volkmar Denner, CEO Bosch

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