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Dr. Volkmar Denner

Der Geist der Offenheit und die Rückkehr der Grenzen

10 Minuten Lesezeit

Bedroht der neue Protektionismus auch die Vernetzung?

Von Dr. Volkmar Denner

Dr. Volkmar Denner

Eigentlich lassen sich Epochen erst dann auf einen Begriff bringen, wenn sie vorbei sind. Erst ex post sprach man vom Zeitalter der Industrialisierung oder der Entdeckungen. Und doch ist es einen Versuch wert, schon die Gegenwart als Epoche zu begreifen – nämlich als Epoche der Offenheit. Offenheit der Grenzen nach dem Fall der Mauer. Offenheit des Handels mit der Globalisierung. Vor allem aber die Offenheit der technischen Entwicklung, wie sie mit dem Internet möglich geworden ist. Die Vernetzung, wie wir sie heute verstehen, war von Anfang an eine Open-Source-Veranstaltung – nicht das Werk eines einzelnen Unternehmens oder eines einzelnen Erfinders, vielmehr einer weltweiten Community. Inzwischen vernetzen wir nicht nur Milliarden Menschen, sondern auch Milliarden Dinge. Daraus wird ein Schub für datengetriebene Lösungen hervorgehen, in der Industrie ebenso wie im Smart Home oder im Connected Car. Auch dies wird nicht das Werk eines Einzelnen sein, es setzt Offenheit zwischen den beteiligten Firmen voraus – zwischen großen und kleinen, neuen und alten, diesseits und jenseits des Atlantiks. Es ist jedoch die Frage, wie lange die Epoche der Offenheit anhält.

Zumindest hat es derzeit den Anschein, als erlebe in der vernetzten Welt der Nationalismus eine fatale Renaissance. Protektionismus, Populismus, Brexit, America first – diese Schlagwörter beherrschen die wirtschaftspolitische Diskussion. Meist werden sie als dialektischer Gegenschlag zur Globalisierung verstanden – als Bedürfnis nach Abschottung vor der rauen Zugluft des weltweiten Wettbewerbs. Das ist eine allzu enge Zustandsbeschreibung. Denn dieses Bedürfnis nach Abschottung bedroht auch den Geist der Offenheit, der für die Vernetzung von Menschen und Dingen ganz wesentlich ist.

Drei Personen vor einer großen Videowand: Data mining bei Bosch

Zugegeben, der Datenverkehr lässt sich nicht durch Mauern oder Strafzölle behindern – Daten benötigen weder Reisepässe noch Lieferscheine. Es liegt in der Macht des Faktischen, dass sich die Internetkommunikation einfacher als der Verkehr von Menschen und Waren dem nationalen Zugriff entziehen kann. Gleichwohl sehen wir Versuche und Versuchungen, nationalstaatliche Souveränität oder gar Kontrolle gegenüber dem Netz der Netze zu gewinnen. Demgegenüber hat die IT-Industrie ein anhaltend starkes Interesse an weltweiter Verflechtung und Vermarktung. Das Silicon Valley liegt zwar in Amerika, seine Zulieferer aber kommen auch aus Asien und Europa. Das Smartphone stammt bekanntlich nicht aus Deutschland, aber in zwei von drei Geräten stecken mikromechanische Sensoren von Bosch.

Flagge der Europäischen Union
Picture: Fotolia/artjazz

Der Markt für das Internet der Dinge ist zwar erst im Entstehen, aber vorstellbar ist auch er nur als Weltmarkt. Kein Spieler auf diesem Feld täte sich einen Gefallen, wollte er sich auf das eigene Land beschränken. Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass die Europäische Union das Ziel eines einheitlichen digitalen Binnenmarktes verfolgt. Wir müssen die Privatsphäre des Einzelnen schützen und zugleich alles tun, damit das Netz gegenüber nationalen Zugriffen und Beschränkungen so offen wie möglich bleibt.

Mann schaut auf ein virtuelles Dashboard zur Steuerung von Industrie 4.0 Anwendungen am Bosch-Standort in Blaichach.

Wie kooperativ die Entwicklung für das Internet der Dinge diesseits und jenseits des Atlantiks stattfindet, zeigt allen voran das Beispiel der vernetzten Industrie. Nicht genug, dass Unternehmen wie Bosch und General Electric an gemeinsamen Standards arbeiten, um die Verständigung von Maschinen zu erleichtern. Längst wirken auch die Plattform Industrie 4.0 und das Industrial Internet Consortium intensiv zusammen – so intensiv, dass sich beide Seiten nicht mehr als deutsche oder amerikanische, vielmehr als internationale Initiativen verstehen. Wahrlich ein großer, bedeutender Schritt.

Blick in eine Fertigung bei Bosch mit Industrie 4.0 Anwendungen

Konkret wird zum Beispiel das Product Performance Management Protocol, kurz PPMP, im deutschen Bosch-Werk Homburg erprobt – in einem gemeinsamen Testbed der Plattform Industrie 4.0 und des Industrial Internet Consortium. Bosch selbst hat das PPMP entwickelt, es ist frei und kostenlos verfügbar. Kleinere und mittlere Unternehmen können damit Daten ihrer Sensoren schnell, einfach und sicher an die Produktionssysteme großer Firmen übertragen. So werden Hürden für den Einstieg in die vernetzte Fertigung abgebaut.

Die ersten praktischen Erfahrungen werden in die Weiterentwicklung des neuen Protokolls einfließen. Dies wiederum übernimmt die Open-Source-Community Eclipse. Auch hier gilt: Ohne Offenheit ist alles nichts. Tatsächlich wäre es morgen wie gestern ein Widerspruch in sich, wollte ein Unternehmen oder auch ein Land die vernetzte Industrie im Alleingang realisieren. Die Vernetzung kann nur ein Werk von vielen sein. Ihre Logik lautet: Gemeinsam sind wir stärker als allein. Und genau in dieser Logik werden wir auch weiterhin Brücken über den Atlantik schlagen. Es ist zu hoffen, dass dieser für die Vernetzung so entscheidende Gedanke mit der Renationalisierung der Politik nicht verloren geht.