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Bosch Global

Stakeholder im Dialog

Ein Ziel, zwei Perspektiven

Interview mit Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber

10 Minuten Lesezeit

Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber

Hans Joachim Schellnhuber ist Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), seit er das Institut im Jahr 1992 gegründet hat. Er ist Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam und External Professor am Santa Fe Institute, USA. Darüber hinaus hat er gemeinsam mit Professor Dirk Messner (DIE, Bonn) den Vorsitz des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) inne.

Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber: „Entscheidend ist, wie Unternehmen ihr Kerngeschäft gestalten.“
Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber: „Entscheidend ist, wie Unternehmen ihr Kerngeschäft gestalten.“

2015 war das Jahr der globalen Nachhaltigkeitsabkommen. Was heißt das für die Wirtschaft? Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, im Gespräch mit Klimaforscher Professor Dr. Hans Joachim Schellnhuber.

Im Dezember 2015 verständigte sich die Weltgemeinschaft beim UN-Klimagipfel in Paris auf ein neues Klimaabkommen. Wie bewerten Sie diese Einigung?

Schellnhuber: Es ist ein historisches Abkommen, das ein starkes Signal sendet: Innerhalb weniger Jahrzehnte müssen wir aussteigen aus der fossilen Wirtschaftsweise und die Treibhausgas-Emissionen auf netto Null bringen. Diesem Ziel werden die bislang vorliegenden Pläne der allermeisten Staaten – und auch der allermeisten Unternehmen – nicht gerecht. Hier müssen alle nachbessern, und zwar sofort.

Denner: Auch wir begrüßen das Paris-Abkommen. Wir hoffen, dass die Anstrengungen zum Klimaschutz dadurch weltweit steigen und erwarten, dass die CO₂-Einsparziele nun zügig in nationalen Klimaprogrammen verankert werden. Ein verbindlicher Gesetzesrahmen, aber auch staatliche Anreize für klima- und energierelevante Projekte würden die finanziellen Risiken für innovationsbereite Unternehmen tragbarer gestalten.

Ein konkretes Beispiel: Seit 2014 testen wir in einem Bürgerwindpark in Norddeutschland eine von uns entwickelte Batterie, mit der sich der regenerativ erzeugte Strom speichern und versorgungssicher ins bestehende Netz einspeisen lässt. Genau das ist ein erfolgskritischer Aspekt für eine nachhaltige Energiewende. Dennoch fehlen in Deutschland anders als in den USA oder Italien bislang die gesetzlichen Rahmenbedingungen, um dieser Speichertechnologie zum Durchbruch zu verhelfen. Unternehmen, die hier investieren, tun das mit hohem finanziellem Risiko – und das, obwohl die entwickelten Technologien marktreif sind.

Dass die Länder ihre Klimaschutzmaßnahmen zügig verstärken, wäre auch im Sinne der im Herbst 2015 verabschiedeten Agenda 2030. Der globale Aktionsplan für eine nachhaltige Entwicklung stellt dabei erstmals einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Armutsbekämpfung und Klimaschutz her. Warum?

Schellnhuber: Armut zu bekämpfen ist nur möglich, wenn wir auch den Klimawandel begrenzen. So sieht das etwa die Weltbank, für die mein Institut eine Serie von großen Klima-Studien erarbeitet hat. Die schaut jetzt genau: Wo wird das Geld, das sie für Entwicklungsziele investieren, von Klimarisiken bedroht? Die menschengemachte Erderwärmung ist im Kern eine Frage der Gerechtigkeit. Wetterextreme, Meeresspiegelanstieg, Missernten, die Folgen des Klimawandels treffen vor allem jene Menschen in den armen Ländern der Tropen, die am wenigsten beigetragen haben zu den CO₂-Emissionen. Die also am wenigsten profitieren von der Ausbeutung der fossilen Ressourcen. Und die kaum Mittel haben, sich gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Wenn große Rahmenwerke wie die Agenda 2030 das Klimathema stärker berücksichtigen, ist das also gut und richtig. Allerdings kommt es auch hier auf die rasche Umsetzung an – wir sind gerade dabei, im Klimasystem innerhalb einer Generation Veränderungen anzustoßen, die dann über viele Generationen nicht mehr zu stoppen sind.

Wie schnell ist denn ein Technologiekonzern wie Bosch, wenn es um die geforderte drastische Reduktion von CO₂-Emissionen geht?

Denner: Wir waren schnell bei der Umsetzung unseres Klimaziels und haben unsere relativen, auf die Wertschöpfung bezogenen CO₂-Emissionen schon jetzt um fast 30 Prozent gegenüber 2007 gesenkt. Wir hatten uns 20 Prozent bis 2020 vorgenommen. Wir kommen also schneller voran als geplant und haben daher unsere Ziele neu justiert. Bis 2020 streben wir eine Reduktion von 35 Prozent an.

Noch wichtiger sind die indirekten Emissionen, die während der Nutzung unserer Produkte anfallen: Unser Design for Environment-Ansatz stellt sicher, dass unser Produktportfolio kontinuierlich umweltverträglicher wird. Gleichzeitig gestalten wir mit unseren technischen Lösungen den Wandel hin zu einer nachhaltigen, CO₂-ärmeren Gesellschaft. Das gilt insbesondere in Innovationsfeldern wie der Elektromobilität, der Speicherung von regenerativ erzeugter Energie oder der effizienten Steuerung komplexer Versorgungsnetze beispielsweise in der Logistik. Und natürlich ist unser Erfolg auch von der Schnelligkeit abhängig, mit der wir diese Lösungen bis zur Marktreife vorantreiben. Daher arbeiten wir kontinuierlich an neuen Entwicklungsmethoden und Organisationsmodellen, um die Produktentwicklungszeiten zu reduzieren.

Was sollte jedes Unternehmen tun, um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 zu verwirklichen?

Schellnhuber: Entscheidend ist, wie Unternehmen ihr Kerngeschäft gestalten. Ob sie auf den niedrigsten gerade noch legalen Standard setzen – oder ob sie bei ihren Zulieferern soziales Wirtschaften einfordern. Ob ihre Stoffströme an der Idee der Kreisläufe orientiert sind, ob sie möglichst wenig und erneuerbare Energie nutzen, und vor allem, ob ihre Produkte selbst nachhaltig sind. Bosch versucht das beispielsweise entlang seiner Lieferkette, soweit ich weiß, und das ist ausgesprochen erfreulich. Hier geht es um die gesellschaftliche Verantwortung von Wirtschaft, letztlich aber auch um ihr Eigeninteresse. Wer beispielsweise unbeeindruckt von den Forschungsfakten weiter auf das Produkt Verbrennungsmotor setzt, der wird wahrscheinlich nicht mehr lang erfolgreich am Markt sein.

Herr Denner, teilen Sie diese Einschätzung?

Denner: Ich stimme mit Herrn Schellnhuber überein, dass die Zukunft des Fahrens durch alternative Antriebskonzepte bestimmt wird. Allerdings sollten wir nicht ausblenden, dass die gemeinsamen Bemühungen von Autoindustrie und Wissenschaft Stand heute zwar eine Reihe von E-Autos, aber kein massentaugliches elektrisches Mobilitätskonzept hervorgebracht haben. Nicht zuletzt übrigens aufgrund eines gerade schon angeschnittenen Aspektes: Nachhaltigkeit muss auch politisch gestaltet werden. Das gilt auch für die Mobilitätsstrategie der Bundesregierung: In fünf Jahren sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen rollen. Aktuell sind es etwa 30 000. Politik darf sich insgesamt nicht darauf beschränken, Entwicklungen herbeizureden. Sie muss auch handeln.

Bei Bosch fahren wir zweigleisig: Wir investieren jährlich nahezu 400 Millionen Euro, um der Elektromobilität den Weg zu ebnen. Parallel und ebenso engagiert arbeiten wir daran, die Effizienz von Verbrennungsmotoren weiter zu steigern. Insbesondere bei Dieselfahrzeugen sehen wir in dieser Hinsicht noch ausreichend Potenzial. Mit Blick auf die globalen Klimaschutzziele halten wir den emissionsarmen Diesel aktuell für unverzichtbar. Ich sehe außerdem synthetische, aus erneuerbaren Energien erzeugte Kraftstoffe, sogenannte efuels, als eine interessante CO₂-neutrale Alternative zum elektrischen Fahren an.

Schellnhuber: Dennoch ziehen große Finanzmarktakteure ihre bisherigen Investitionen in fossile Energien ab. Und Bosch setzt mit der Fertigung von ganzen Antriebssträngen für Elektroautos die Kernkompetenz der traditionellen Fahrzeughersteller unter Druck. Das alles mobilisiert wirtschaftliche Innovation, und genau die brauchen wir. Bleibt sie aus, muss die Politik im Sinne des Allgemeinwohls strengere Regeln setzen, so wie zuletzt etwa US-Präsident Obama für die Kohlekraftwerke dort. Manchmal braucht es offenkundig solch klare Ansagen, damit Produzenten und Verbraucher merken, wo es langgeht – wenn sie nicht von selbst darauf kommen.

Welche Anforderungen lassen sich für Bosch aus den nachhaltigen Entwicklungszielen ableiten?

Schellnhuber: Wenn Bosch seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden will, sollte das Unternehmen einen noch größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten: Bis 2014 ist der absolute CO₂-Ausstoß des Konzerns gegenüber dem Referenzjahr 2007 um lediglich 3,3 Prozent gesunken – und das, obwohl der unternehmensweite Energiebedarf sogar um neun Prozent schrumpfte. Ich bin sicher: Hier kann Bosch noch sehr viel besser werden.

Genauso wichtig ist, dass Bosch noch konsequenter auf Produkte setzt, die bei der Wende zur Nachhaltigkeit nützlich sind, so wie Sie das jetzt schon etwa bei den Energiespeichern oder der vernetzten Stadt tun. Und ich würde empfehlen, dass das Unternehmen ganz entschieden seinen Einfluss in Deutschland und weltweit geltend macht, um anderen Firmen und der Politik zu zeigen: Wenn wir einfach weiterwirtschaften wie bisher, riskieren wir eine unbeherrschbare Zivilisationskrise. Wenn wir aber den Mut zur Wende haben, ist nachhaltiges Wachstum möglich. Bosch sollte sich hier nicht klein machen – das Unternehmen kann, wenn es sich traut, ein echter Pionier sein.

Denner: Mut ist ein wichtiges Stichwort. Der Mut zur Wende kommt bei Bosch nicht aus dem luftleeren Raum. Er ist das Ergebnis einer Wertekultur, die gute Ideen wertschätzt und vorantreibt. Und die auf den Willen zur Innovation setzt: Diese Kultur fördern wir bei Bosch. Im Kern heißt nachhaltiges Wirtschaften für uns, technische Antworten auf ökologische Fragen zu geben. Denn dann macht sich Klimaschutz bezahlt. Wir selbst beispielsweise setzen an unseren Standorten systematisch auf umweltschonende Bosch-Technologien und haben auf diese Weise allein zwischen 2007 und 2014 rund 530 Millionen Euro an Energiekosten eingespart. Hierin liegt dann vielleicht der Vorbildcharakter von Unternehmen wie Bosch – für uns ist Nachhaltigkeit nicht nur ein Abkommen, sondern eine Verpflichtung.

(Die Fragen beantworteten Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber und Dr. Volkmar Denner im März 2016)

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