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Geschichte: Robert Bosch

Liberaler Demokrat mit sozialer Verantwortung

Robert Bosch und die Politik

8 Minuten Lesezeit

Sein liberales Elternhaus sowie die Lehr- und Wanderjahre ließen Robert Bosch zum sozialen Unternehmer werden. Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte er sich als Pazifist und Europäer vor allem in der Aussöhnung mit Frankreich. Als Gegner des Nationalsozialismus überschattete die Einbeziehung des Bosch-Konzerns in die Aufrüstungs- und Kriegspolitik des Dritten Reiches seine letzten Lebensjahre. Bosch und seine leitenden Mitarbeiter förderten den Widerstand gegen das Regime und beteiligten sich an der Rettung jüdischer Mitarbeiter und anderer Verfolgter.

 

1920

 

Die Zeit der Weimarer Republik

Robert Bosch war es wichtig, dass gerade in der politisch instabilen Zeit der Weimarer Republik die Menschen ein demokratisches Verständnis entwickelten. Deshalb unterstützte er finanziell die 1920 in Berlin neu gegründete Deutsche Hochschule für Politik. Das Ziel der Hochschule war es, unabhängig von Staat und Parteien in möglichst allen Bevölkerungsschichten wissenschaftlich fundierte, historisch-politische Bildung im Geist der Demokratie zu betreiben. Theodor Heuss, späterer deutscher Bundespräsident und Biograph Robert Boschs, war maßgeblich an der Errichtung beteiligt. Robert Bosch war zu keiner Zeit Mitglied einer Partei. Auch wenn er Zeit seines Lebens den Ideen der Sozialdemokratie nahe stand, wird man ihn insgesamt als Linksliberalen bezeichnen können.

Friedrich Naumann gründete 1918 in Berlin die Staatsbürgerschule, die Vorgängerin der Deutschen Hochschule für Politik. © ullsteinbild
Friedrich Naumann gründete 1918 in Berlin die Staatsbürgerschule, die Vorgängerin der Deutschen Hochschule für Politik. © ullsteinbild
Theodor Heuss im Kreis von Kollegen und Schülern der Deutschen Hochschule für Politik, 1922 (1. Reihe 2.v.l.). © Familienarchiv Heuss, Basel
Theodor Heuss im Kreis von Kollegen und Schülern der Deutschen Hochschule für Politik, 1922 (1. Reihe 2.v.l.). © Familienarchiv Heuss, Basel

Robert Bosch war nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs aus tiefstem Herzen Pazifist und so wurde er zum überzeugten Motor der Völkerverständigung. Er trat der Deutschen Sektion des Komitees für deutsch-französische Verständigung bei und lud 1935 deutsche und französische Kriegsveteranen unter dem Motto „Pioniere des Friedens“ nach Stuttgart ein. In die gleiche Richtung ging sein Engagement für einen paneuropäischen Staatenbund, der sich zum Ziel gesetzt hatte einen neuen Krieg zu verhindern. Bosch war fest davon überzeugt, dass Großmachtgehabe und militanter Nationalismus den Menschen schade, da sie Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich behindern.

Robert Bosch mit französischen Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg in Stuttgart, 1935. © Foto Kleiber
Robert Bosch mit französischen Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg in Stuttgart, 1935. © Foto Kleiber
Titelblatt der Zeitschrift „Paneuropa“, in der 1932 der Artikel „Die Verhütung künftiger Krisen in der Weltwirtschaft“ von Robert Bosch erschien, 1932.
Titelblatt der Zeitschrift „Paneuropa“, in der 1932 der Artikel „Die Verhütung künftiger Krisen in der Weltwirtschaft“ von Robert Bosch erschien, 1932.
Richard Coudenhove-Kalergi (links) und Robert Bosch beim Paneuropa-Kongress in Berlin, 1930. © Scherl / Süddeutsche Zeitung
Richard Coudenhove-Kalergi (links) und Robert Bosch beim Paneuropa-Kongress in Berlin, 1930. © Scherl / Süddeutsche Zeitung

 

1933

 

Die Zeit des Nationalsozialismus

Auch Robert Bosch, der den Nationalsozialisten ablehnend gegenüberstand, kam in den Zwiespalt, dass er – wenn er sein Lebenswerk, das Unternehmen, erhalten wollte – ein Mindestmaß an Kooperation aufbringen musste. Bosch wurde „rüstungswichtiger Betrieb“. 1934 unterschrieb man einen Vertrag mit dem Reichsluftfahrtministerium zum Aufbau eines neuen Standortes in Kleinmachnow bei Berlin. Nicht nur hier, sondern auch in den anderen Werken wurden Zwangsarbeiter beschäftigt, um die vorgeschriebenen Produktionszahlen zu erreichen.

Bosch-Werk Dreilinden in Kleinmachnow bei Berlin, 1940.
Bosch-Werk Dreilinden in Kleinmachnow bei Berlin, 1940.
Blick in einen Schlafsaal des so genannten Russenlagers in Weilimdorf bei Stuttgart-Feuerbach, 1944.
Blick in einen Schlafsaal des so genannten Russenlagers in Weilimdorf bei Stuttgart-Feuerbach, 1944.

Zur gleichen Zeit lief die Hilfe für Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes an, z.B. stellte man Juden an, um sie damit vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen. Darüber hinaus spendete Robert Bosch Geld, mit dem Juden emigrieren konnten. Bereits mit der Unterstützung von Juden leisteten Robert Bosch und seine Mitstreiter im oberen Management Widerstand gegen das nationalsozialistische System. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und unterstützt mit Carl Goerdeler den „zivilen Kopf“ des Widerstands, der das Attentat des 20. Juli 1944 gegen Hitler organisiert.

Links: Hans Walz, damaliger Betriebsführer bei Bosch, half mit Rückendeckung von Robert Bosch auch der Jüdin Martha Haarburger, 1933. Rechts: Durch ihre Beschäftigung bei Bosch wurde die Jüdin Martha Haarburger mehrmals von Deportationen freigestellt. © Stadtarchiv Stuttgart
Links: Hans Walz, damaliger Betriebsführer bei Bosch, half mit Rückendeckung von Robert Bosch auch der Jüdin Martha Haarburger, 1933. Rechts: Durch ihre Beschäftigung bei Bosch wurde die Jüdin Martha Haarburger mehrmals von Deportationen freigestellt. © Stadtarchiv Stuttgart
Links: Carl Goerdeler wurde 1937 „wirtschaftspolitischer Berater“ bei Bosch und unternahm unter diesem Deckmantel Auslandsreisen, um den Widerstand zu organisieren, 1943. Rechts: Willi Schloßstein, Leiter des Privatsekretariats war auch eine der zentralen Figuren der Stuttgarter Widerstandsgruppe.
Links: Carl Goerdeler wurde 1937 „wirtschaftspolitischer Berater“ bei Bosch und unternahm unter diesem Deckmantel Auslandsreisen, um den Widerstand zu organisieren, 1943. Rechts: Willi Schloßstein, Leiter des Privatsekretariats war auch eine der zentralen Figuren der Stuttgarter Widerstandsgruppe.

 

1941

 

Das letzte Lebensjahr

Zu seinem 80. Geburtstag am 23. September 1941 wurde Robert Bosch von den Nationalsozialisten zum „Pionier der Arbeit“ ernannt. Robert Bosch hatte extra seine Geburtstagsfeier nach Baden-Baden verlegt, um Ehrungen aus dem Weg zu gehen, jedoch vergeblich. Selbst im Tod konnte er der Vereinnahmung nicht entgehen, er bekam ein Staatsbegräbnis.

Robert Ley, ein hochrangiger Vertreter des Naziregimes, überreicht Robert Bosch die Urkunde und Medaille „Pionier der Arbeit“, 1941.
Robert Ley, ein hochrangiger Vertreter des Naziregimes, überreicht Robert Bosch die Urkunde und Medaille „Pionier der Arbeit“, 1941.
Trauerzug anlässlich der Beisetzung der Urne auf dem Waldfriedhof Stuttgart, 1942.
Trauerzug anlässlich der Beisetzung der Urne auf dem Waldfriedhof Stuttgart, 1942.

Sonderheft

Sonderheft 1: Robert Bosch – Leben und Werk

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