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Unsere Forschungsexperten

Dr. rer. nat. Urs Ruth

Die Welt steht vor unglaublichen Veränderungen. Der Kampf gegen den Klimawandel wird unser aller Leben verändern.

“Vision without action is merely a dream. Action without vision is merely passing time. But vision with action can change the world.” - Nelson Mandela
Dr. rer. nat. Urs Ruth

Nach dem Physikstudium habe ich acht Jahre lang erfolgreich in der Klima- und Polarforschung gearbeitet und dort wertvolles Wissen über das Klimasystem und den Klimawandel erworben. Es folgte der Wechsel zu Bosch, wo ich zunächst im Geschäftsbereich Automotive Electronics in Reutlingen und Plymouth (USA) als Projekt- und später als Gruppenleiter in der Steuergeräteentwicklung für z. B. ABS und ESP tätig war. 2015 wechselte ich dann in den Zentralbereich Forschung und Vorausentwicklung als Experte zu den Themen Klimawandel und Energiewende. In dieser Funktion berate ich bei strategischen Fragen auf allen Ebenen vom Entwicklungsprojekt bis zu CEO und Aufsichtsrat. Seit 2020 bin ich zusätzlich stellvertretender Leiter unseres Forschungsportfolios zu Nachhaltigkeitsthemen.

Lebenslauf

  1. Bosch, Konzernforschung: Megatrends und Zukunftsforschung, Experte zu Klima und Energie; stellv. Leiter des Forschungsportfolios Nachhaltigkeit
  2. Bosch, Geschäftsbereich Automotive Electronics: Projektleiter Steuergeräteentwicklung für ABS & ESP, Gruppenleiter Layout Leiterplatte und Keramik (Reutlingen und Plymouth, USA)
  3. Klima- und Polarforschung: Klimarekonstruktion aus Eisbohrkernen; Promotion über Konzentration und Größenverteilung von Mikropartikeln im NGRIP-Eisbohrkern, Zentralgrönland; Uni Heidelberg und Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven
  4. Studium der Physik; Uni Marburg und University of Alberta in Edmonton (Kanada)

Ausgewählte Publikationen

  • Publikationen

    U. Ruth et al. (2003)

    Continuous record of microparticle concentration and size distribution in the central Greenland NGRIP ice core during the last glacial period
    • U.R. et al. …
    • Journal of Geophysical Research, 108 (D3), 2002JD002376
  • Publikationen

    NGRIP Project Members (2004)

    High-resolution record of the Northern Hemisphere climate extending into the last interglacial period
    • K.K.A. et al. …
    • Nature, 431, 147-151, 2004
  • Publikationen

    E. W Wolff. et al. (2006)

    Southern Ocean sea-ice extent, productivity and iron flux over the past eight glacial cycles
    • E.W.W. et al. …
    • Nature, 440, 491-496, 2006
  • Publikationen

    EPICA Community Members (2006)

    One-to-one coupling of glacial climate variability in Greenland and Antarctica
    • C.B. et al. …
    • Nature, 444, 195-198

Interview mit Dr. rer. nat. Urs Ruth

Dr. rer. nat. Urs Ruth

Chief Expert Energie und Klimawandel

Erzählen Sie doch mal: was fasziniert Sie an der Forschung?

Das besondere an der Forschung ist, dass man den Auftrag hat, neugierig zu sein. Natürlich ist bloßes Wissen auch sehr wichtig; aber das wichtigste in Wissenschaft und Forschung ist es, neugierig zu sein! Wenn man etwas Neues sieht, und man reagiert mit: „Aha, ich weiß, warum das so ist …“, dann ist man sicherlich schlau und gebildet. Aber wenn man etwas Neues sieht, und man reagiert mit: „Oh, das ist aber merkwürdig! Warum ist das so?“… dann weiß man, dass man Forschergeist in sich trägt.

Was macht die Forschung bei Bosch besonders?

Die Interdisziplinarität an unserem Forschungscampus ist beeindruckend: Ingenieure, Physiker, Chemiker, Biologen, Informatiker und viele weitere Disziplinen sind an einem Standort vertreten. Das ist außerordentlich anregend. Ein weiterer Aspekt ist die Eigenverantwortung. Ein Forscher liefert dann die besten Arbeitsergebnisse, wenn er intrinsisch motiviert ist und seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Natürlich unterscheidet sich unsere angewandtsorientierte Konzernforschung von der öffentlich finanzierten Grundlagenforschung. Aber gerade das hat auch seinen Reiz: Viele Innovationen, die bei uns erforscht und entwickelt werden, finden sich später in unseren Produkten wieder.

Woran forschen Sie bei Bosch?

Der Klimawandel, die Energiewende sowie weitere Themen wie z. B. Luftverschmutzung und Atmosphärenchemie sind ein sehr weites Feld. Und ganz offen gesagt, gibt es hier wenig, das ich selbst erforsche. Aber ich bewerte all diese Themen mit dem Anspruch, so nahe wie möglich an den wissenschaftlichen Kern heran zu kommen. Dies betrifft Themen wie die physikalischen Gründe des Klimawandels, Projektionen des zukünftigen Klimas sowie nachhaltige Zukunftsszenarien. Weiterhin ist die Einordnung öffentlicher und politischer Entwicklungen in diesem Kontext sehr wichtig. Wir müssen all dies verstehen und die richtigen Schlussfolgerungen für uns als Firma und für unsere Produkte ziehen.

Was sind die größten wissenschaftlichen Herausforderungen in Ihrem Forschungsfeld?

Wenn man sich Szenarien ohne Treibhausgasemissionen anschaut, dann gibt es zwei archetypische Lösungen: Die eine verbraucht keine Energie mehr, das heißt Energiesuffizienz und –effizienz werden maximiert. Diese Lösung wird aber nicht funktionieren, weil „die Leute“ die damit einhergehende Veränderung des Lebensstils nicht mittragen. Die andere archetypische Lösung stellt alle gewünschte Energie auf eine nachhaltige und erneuerbare Weise bereit. Dies aufzubauen, würde aber lange dauern und prohibitiv teuer werden. Die Herausforderung ist nun, zwischen diesen zwei Extremen die umsetzbaren Lösungen zu finden und hierbei schnell genug zu sein, um noch innerhalb der Grenzen einer Erwärmung von +1,5°C oder zumindest deutlich unter 2°C zu bleiben. – Das ist jetzt vielleicht eine recht abstrakte Antwort, aber meiner Ansicht nach beschreibt sie den Kern der Herausforderung.

Wie werden Ihre Forschungsergebnisse zu "Technik fürs Leben"?

Viele unserer Produkte haben gegenwärtig einen großen fossilen Fußabdruck. Denken Sie etwa an Diesel- und Benzinantriebe im Automobilsektor oder an Gasfeuerungen für Gebäudewärme und Industrieprozesse. Hier arbeiten wir auf vielen verschiedenen Weisen daran, unser Produktportfolio zu transformieren. Dies beinhaltet zum Beispiel die Entwicklung von batterie- oder brennstoffzellenelektrischen Antrieben sowie strom- oder wasserstoffbetriebenen Heizungen. Dazu gehören aber auch die Entwicklung von Verfahren, um die Umweltwirkung von Produkten über ihren gesamten Lebenszyklus zu bewerten, fortschrittliche Recyclingkonzepte oder auch sogenannte „Eco-engineering“-Strategien.

Ihr Kontakt zu mir

Dr. rer. nat. Urs Ruth
Chief Expert Energie und Klimawandel