Die Platform 12 bei Bosch Renningen
Nachhaltigkeit

Querdenken erwünscht

Kreative Räume für innovative Köpfe bei Bosch in Renningen

Mit der Platform 12 hat Bosch auf dem Campus für Forschung und Vorausentwicklung in Renningen einen Freiraum geschaffen, in dem sich Forscher und Künstler gegenseitig inspirieren. Das Prinzip: gewohnte Strukturen aufbrechen und so Kreativität fördern.

Raum für Ideen

Kreative Räume für innovative Ideen

Eine Gummiente auf der Werkbank, Möbel aus den 1930er Jahren und Menschengruppen, die angeregt an Tafeln mit bunten Post-its diskutieren – bereits auf den ersten Blick wird klar: Die zwölfte Etage des Bosch-Forschungszentrum in Renningen ist keine gewöhnliche Arbeitsumgebung. Die Platform 12 genannte Fläche dient als Kreativbereich, in dem Mitarbeiter abseits von bekannten Organisationsstrukturen ihren Ideen freien Lauf lassen können.

Das Raumensemble ist dafür bewusst als Gegenstück zum Arbeitsumfeld in den Büros und Laboren angelegt. Künstlerische Elemente sollen die Alltagswahrnehmung verändern und zur Reflexion anregen. Das Ziel: Wissen austauschen, neue Impulse entwickeln und disziplinübergreifend innovative Lösungen erarbeiten.

Kreativ im Team

Kreative Teamarbeit

Das Künstlerduo „Wimmelforschung“, Maren Geers und Thomas Drescher, hat die Platform 12 gemeinsam mit Bosch gestaltet und eingerichtet. Das Besondere am Konzept ist die kontinuierliche Anwesenheit eines Künstlers. Dieser erhält in Kooperation mit der Stuttgarter Akademie Schloss Solitude für jeweils drei Monate ein Stipendium, um als Impulsgeber vor Ort mit Bosch-Forschern an eigenen und gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Der wichtigste Unterschied zu herkömmlichen Artist-in-Residence-Programmen: Die Künstler müssen keine Werke entwickeln, die sich auf konkrete Forschungsinhalte des Unternehmens beziehen. Im Fokus stehen vielmehr die ergebnisoffene Begegnung und der Dialog mit den Forschern.

„Platform 12 ist ein Rückzugsort für Mitarbeiter, wo sie sich wohlfühlen und im Dialog miteinander und mit dem anwesenden Künstler Ideen entwickeln können.“

Lisa Przioda, Projektverantwortliche für die Platform 12 bei Bosch
Kreatives Meeting auf der Platform12

Gestatten, Künstler

Für Isabel Zintl stand schnell fest, dass sie sich auf den Experimentierraum Platform 12 einlassen wollte. „Ich fand die Ausschreibung als Artist in Residence spannend, weil das Projekt so viel Potenzial für Neues bietet“, sagt die 31-jährige Architektin. „Normalerweise sitze ich täglich im Atelier, arbeite an Modellen oder am Computer und unterrichte Studenten. Die Plattform ist dagegen wie eine Theaterbühne, auf der ich gleichzeitig Zuschauer und Teilnehmer bin.“

Auch für Klaus Meyer, Senior Expert for Tribology and Future Innovation, war der erste Austausch auf Platform 12 eine besondere Erfahrung.

„Alle dort hatten unterschiedlichen Werdegänge, Ausbildungsschwerpunkte und Blickwinkel“, erzählt der 59-Jährige. „Deshalb haben wir zunächst überlegen müssen, wie wir am besten miteinander kommunizieren. Für mich war das sehr konstruktiv, weil es zum weiteren Nachdenken angeregt hat.“

Kann der Dialog zwischen Forschern und Künstlern nicht auch herausfordernd sein? Isabel Zintl sieht es als Bereicherung an, ihre Vorstellungen als Architektin mit den Bosch-Mitarbeitern zu diskutieren: „Seine komplexen Ideen plötzlich fachfremden Menschen in einfachen Worten erklären zu müssen, ist enorm aufschlussreich. Dabei habe ich viel über meine eigene Arbeit gelernt.“

Stadtoasen aus dem 3D-Drucker

DIe Stadt der Zukunft gestalten

Gemeinsam haben sich Isabel Zintl und Klaus Meyer damit beschäftigt, wie sich in der Stadt von morgen neue Freiräume erschließen und nachhaltig gestalten lassen. In dicht besiedelten Stadtteilen wird der Platz für grüne Rückzugsorte immer knapper. Eine mögliche Lösung: vertikale Räume besser nutzen, um beispielsweise auf Gerüsten kleine Oasen inmitten der Stadt anzulegen.

Die Themen Begrünung und Bewässerung spielen dabei eine wichtige Rolle. „Wir haben bei Bosch bereits 2014 Innovationsteams aufgebaut, die erforschen, wie sich die Luft- und Wasserqualität in urbanen Räumen verbessern lässt“, sagt Klaus Meyer. „Für mich war sofort klar, dass sie auf der Platform 12 arbeiten müssen, um einen neuen Blick auf Zukunftstrends zu bekommen und so Impulse für innovative Bosch-Lösungen zu entwickeln.“ Im Gespräch mit Isabel Zintl entstand zum Beispiel die Idee, mit 3D-Druck grüne Infrastruktur herzustellen. Der Vorteil: Sie schont natürliche Ressourcen, verschönert das Stadtbild und wirkt positiv auf das Mikroklima.

Ein Projekt – viele Ideen

15 Stipendiaten aus unterschiedlichen Kunstdisziplinen waren seit 2015 bereits auf der Platform 12 bei Bosch zu Gast. Allein mit Blick auf die Wasseraufbereitung hat das Team um Klaus Meyer dort mehr als 60 innovative Ansätze entwickelt. „Nicht aus jedem Impuls wird eine serienreife Lösung“, so Lisa Przioda. „Es geht im ersten Schritt darum, einen Denkprozess in Gang zu setzen. Da wäre es kontraproduktiv, alles sofort messbar machen zu wollen.“

Vielversprechende Einfälle verfolgen die Teilnehmer in ihren Fachbereichen weiter. Bei der Umsetzung kommen dann auch ausgereifte Methoden und Technologien zum Einsatz. So viel kreativer Freiraum kommt bei den Bosch-Mitarbeitern in Renningen gut an. „Viele haben sich beim ersten Anblick der Platform 12 vermutlich gedacht: Was ist das denn?“, erzählt Lisa Przioda. „Inzwischen ist die Plattform etwas, dass die Teams nicht nur selbst nutzen, sondern auch stolz Kollegen und Besuchern zeigen.

Künstler und Architekten denken oft, dass sie besonders kreativ, innovativ und frei arbeiten. Auf der Platform 12 habe ich erkannt, dass ich eher auf Bestehendem aufbaue. Bei Bosch entwickeln die Forscher etwas komplett Neues, das es vorher noch nicht gab.

Isabel Zintl, Architektin und Artist in Residence auf der Platform 12

Fazit

Auf der Platform 12 des Bosch Forschungscampus in Renningen entwickeln Mitarbeiter gemeinsam mit einem anwesenden Künstler neue Ideen. Die außergewöhnliche Arbeitsatmosphäre fördert kreative Lösungen, die anschließend in den Fachbereichen weiterverfolgt werden.

Teile diese Seite auf