Die Bosch-Zentrale in Buenos Aires
Geschichte

Casa Bosch

Bosch in Argentinien

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Bereits 1925 hatte sich Bosch in Südamerika einen guten Ruf geschaffen. Autofahrer in Buenos Aires, angesprochen auf die Produkte aus Stuttgart, sollen begeistert ausgerufen haben: „¡No hay como Bosch!“ – was übersetzt so viel bedeutet wie: „Nichts ist so gut wie Bosch!“

In der argentinischen Hauptstadt stellten die Bosch-Produkte ihre Qualität und Zuverlässigkeit im ungewöhnlich dichten Autoverkehr einer Millionenstadt unter Beweis. Allein in den Straßen der Stadt verkehrten schon mehr als 80 000 Kraftwagen. In ganz Deutschland waren zu der Zeit nur rund 130 000 Automobile insgesamt zugelassen.

Robert Bosch reist nach Südamerika

Briefkopf des Bosch-Vertreters Walter Stephan in Buenos Aires, 1920
Briefkopf des Bosch-Vertreters Walter Stephan in Buenos Aires, 1920

Bosch-Produkte waren nicht neu in Argentinien. Bereits 1908 hatte Carlos Pugni von Buenos Aires aus den Vertrieb der Bosch-Produkte für Südamerika übernommen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Unternehmer Walter Stephan neuer Vertreter.

Um sich ein Bild von den wirtschaftlichen Möglichkeiten in Südamerika zu machen, reiste Robert Bosch im Frühjahr 1921 persönlich dorthin. Er erkannte dort die enormen Entwicklungsmöglichkeiten des Kontinents und so eröffnete 1924 die neu gegründete Robert Bosch S.A. in Buenos Aires ein Verkaufshaus mit angeschlossener Einbau- und Reparaturwerkstatt in der Calle Rivadavia. Sie war zugleich auch für Paraguay zuständig.

Unter schwierigen Bedingungen

Bosch-Verkaufshaus in Buenos Aires, 1926
Bosch-Verkaufshaus in Buenos Aires, 1926

Mit dem Zweiten Weltkrieg brach das Geschäft ein. Nach Kriegsende versuchte Bosch, wieder einen geregelten Vertrieb seiner Produkte aus Deutschland in Südamerika aufzubauen und gründete dazu 1952 gemeinsam mit Partnern die Inyecto Magnet S.A. (IMASA). Infolge eines politischen Umsturzes 1955 stellte die neue Regierung die IMASA unter staatliche Verwaltung und erst mit der Gründung der Gesellschaft Aparatos y Accessorios S.R.L. (APAC) in Buenos Aires 1956 gelang es, das Argentinien-Geschäft auf eine stabile Grundlage zu stellen.

Erste Fertigung in Argentinien

1967 nahm die Robert Bosch Argentina S.R.L., wie die APAC 1962 hieß, frühere Pläne wieder auf und begann mit einer kleinen Fertigung von Zündkerzen und Glühstiftkerzen in Buenos Aires. 1969 entschloss sich Bosch, eine neue Fabrik zur Produktion von Kraftfahrzeugausrüstung im Norden Argentiniens zu bauen.
Mit der Eröffnung der Fabrikanlage in Tucumán im Jahr 1973 verlagerte Bosch die Fertigung aus Buenos Aires dorthin und begann zusätzlich mit der Montage von Reihenpumpen für den argentinischen Markt.

In der Folgezeit war Argentinien geprägt von einem häufigen Wechsel sowohl der politischen als auch der wirtschaftlichen Lage. Eine stabile geschäftliche Entwicklung war deshalb auch für Bosch lange nicht möglich. Vor diesem Hintergrund sah sich das Unternehmen gezwungen, sein Argentinien-Geschäft neu zu strukturieren und die Fabrik in Tucumán 1988 zu schließen.

Bosch-Dienst in Azul, um 1960
Bosch-Dienst in Azul, 300 Kilometer südwestlich von Buenos Aires, um 1960

Bosch in Argentinien heute

Heute produziert Bosch durch die Bosch Rexroth S.A.I.C. in Buenos Aires, und fertigt Winkelschleifer. Die neue, im April 2017 in Buenos Aires eröffnete Argentinien-Zentrale vertreibt ein großes Spektrum an Produkten aus den Bereichen Automotive Aftermarket, Power Tools, Security Systems und Thermotechnology.

Außerdem befindet sich hier ebenfalls die Zentrale für alle Aktivitäten im Süden Lateinamerikas mit den Ländern Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay und Bolivien.

Christine Siegel

Als Historikerin arbeite ich seit über 20 Jahren in der Historischen Kommunikation bei Bosch. Genauso lange bin ich für die historischen Printmedien verantwortlich, vor allem für das Magazin zur Bosch-Geschichte. Darüber hinaus betreue ich das historische Filmarchiv und bin Ansprechpartner für Fragen zur Geschichte von Bosch in Nord- und Südamerika und Großbritannien – für Letzteres besonders gerne, denn dort habe ich drei Jahre gelebt.

Aufnahme von Christine Siegel

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