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Nachhaltigkeit

Bosch Climate Solutions: Antworten auf den Klimawandel

Donya Amer steht vor einer großen Glaswand und schaut seitlich aus dem Fenster.

Die Gefahr einer unumkehrbaren Erderwärmung ist akut. Immer mehr Unternehmen möchten deshalb ihren CO₂-Ausstoß reduzieren. Bosch Climate Solutions (BCS) berät sie dabei. Ein Gespräch mit CEO Donya Amer.

Donya Amer, wie hat es Bosch geschafft, mit seinen weltweit mehr als 400 Standorten seit 2020 CO₂-neutral zu produzieren?
Klima- und Ressourcenschutz sind fest im Unternehmen Bosch und seiner Geschichte verankert. Schon 2007 hatte Bosch das Ziel einer schrittweisen CO₂-Reduzierung im Blick und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Wir haben dadurch eine lange Vorgeschichte und tiefes technisches Wissen im Unternehmen mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Grundlage für unseren Weg in die klimaneutrale Produktion ist ein Mechanismus aus vier Hebeln: Erstens fokussieren wir uns auf Energieeffizienz – wir sparen also Energie. Zweitens setzen wir auf erneuerbare Energien in Form von selbst generiertem Grünstrom. Der dritte Hebel ist der Zukauf von Ökostrom.

Alle restlichen, unvermeidbaren CO₂-Emissionen gleichen wir durch Kompensationsmaßnahmen aus, wie zum Beispiel Aufforstungsprojekte. Unsere Maßnahmen zum Klimaschutz haben wir in einem umfassenden Programm gebündelt – dazu gehören auch die sogenannten Transformation Enabler: Mit Green Controlling bilden wir alles, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat, auch in unseren Finanzkennzahlen ab. Außerdem nutzen wir Energy Monitoring-Plattformen, um unseren eigenen Verbrauch transparent zu machen und effizienter zu gestalten. Und wir zählen auf starke Kommunikationskonzepte. Dadurch wollen wir sowohl intern als auch extern ein klares Zeichen setzen und Verantwortung übernehmen.

Blick über die Schulter von Donya Amer, die ein Bild auf einem Tablet-Computer antippt.
Das Team von BCS kann auf globale Erfahrung und länderspezifisches Wissen beim Thema Klimaneutralität zurückgreifen.

Bei Bosch kommt viel Erfahrung aus zahlreichen Nachhaltigkeitsprojekten zusammen, umgesetzt von mehr als 1 000 Expertinnen und Experten. Welche Beispiele gibt es dafür?
Wir versuchen, so viele Mitarbeitende wie möglich auf unserer Reise mitzunehmen – jeder Kollege und jede Kollegin kann ein Projekt einreichen, das unsere Energieeffizienz erhöht. So kommt dieses umfassende Expertenwissen zu Stande. Ein gutes Beispiel ist das Projekt an unserem chinesischen Standort in Suzhou. Dort hat sich ein kleines Team das Ziel gesetzt, den Energieverbrauch der Lötanlagen zu reduzieren.

Die hohen Temperaturen der Anlagen von mehr als 220 Grad Celsius sollten außerhalb der Produktionszeiten auf null heruntergefahren werden – und zwar automatisch. Digitale Lösungen, die den Energieverbrauch überwachen, helfen nun dabei, mehr als 1,1 Gigawattstunden im Jahr einzusparen. Das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von 275 Vierpersonenhaushalten in Deutschland.

„Wir wollen Verantwortung übernehmen und durch unser Know-how die Entwicklung zur CO₂-Neutralität unserer Kunden deutlich beschleunigen.“
Donya Amer, CEO Bosch Climate Solutions

Bosch hat sich dann im Zuge seiner eigenen CO₂-Neutralstellung dazu entschieden, das Tochterunternehmen Bosch Climate Solutions zu gründen. Warum?
Als Bosch im Frühjahr 2019 angekündigt hat, bald klimaneutral zu sein, war das ein klares Signal an die Industrie. Das hat viele Unternehmen aufhorchen lassen. Wir haben festgestellt, dass ein hoher Informationsbedarf im Markt herrschte: „Wie macht Bosch das?“ Daraus entstand die Idee zu Bosch Climate Solutions. Wir sahen in diesem Bedarf an Wissen, Aufklärung, Orientierung und Lösungen hohes Potenzial für ein neues Geschäftsmodell. Und einen weiteren wirkungsvollen Beitrag für den Kampf gegen den Klimawandel.

Donya Amer sitzend im Gespräch mit einer Kundin.
Die Kundenberatung zu tief verankerten Nachhaltigkeitsstrategien zählt zu den Hauptaufgaben von Donya Amer und ihrem Team.

Welchen Auftrag hat Bosch Climate Solutions?
Wir wollen das Wissen von Bosch zum Thema CO₂-Neutralstellung in den Markt bringen. Lösungs- und kundenorientiert. Die Verantwortung teile ich mir dabei mit unserem CTO Torsten Kallweit. Er ist ein absoluter Nachhaltigkeitsexperte und verantwortet bei Bosch die Zentralstelle Arbeits-, Brand-, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ich bin froh, ihn an Bord zu haben. Wir profitieren sehr von seiner Expertise – ebenso wie unsere Kunden. Einige von ihnen stehen noch ganz am Anfang ihrer CO₂-Transformationen. Andere haben bereits Einzelmaßnahmen auf den Weg gebracht und wollen nun die CO₂-Reduktion verstärkt angehen – inklusive der Steuerungsmaßnahmen wie den richtigen Kennzahlen oder dem notwendigen Controllingkonzept.

Dazu gehen wir ihr Unternehmen gemeinsam mit ihnen Schritt für Schritt durch, um herauszufinden, wie die aktuelle CO₂-Bilanz aussieht und wieviel Potenzial die genannten Hebel haben. Am Ende steht eine gemeinsam entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie. Diese tief in der Unternehmensstrategie zu verankern, ist für uns der wichtigste Punkt und die Klammer um alle Empfehlungen. Dafür muss das gesamte Team durch gezielte Kommunikationsmaßnahmen informiert, motiviert und so auf die Reise zur Klimaneutralität mitgenommen werden.

Blick über die Schulter von Donya Amer, die sich gerade im Gespräch mit Torsten Kallweit befindet.
Donya Amer im Gespräch mit BCS Chief Technology Officer Torsten Kallweit: Durch die enge Zusammenarbeit mit den Nachhaltigkeitsexperten von Bosch ist man immer auf dem aktuellen Stand der international gesammelten Erfahrungen im Unternehmen.
„Bei unserer Kundenberatung zur CO₂-Neutralstellung profitieren wir von der Erfahrung, die Bosch in den eigenen Werken gemacht hat.“
Donya Amer, CEO Bosch Climate Solutions

Wie läuft die CO₂-Beratung bei BCS konkret ab?
Das kommt immer auf den Kunden an. Am Anfang steht grundsätzlich die Frage nach der aktuellen CO₂-Bilanz und einer bereits vorhandenen Klimaschutzstrategie. Anschließend analysieren unsere Experten die Klima-Infrastruktur des Kundenunternehmens. Dafür betrachten sie die energieintensiven Prozesse, gehen durch die Fertigung und schauen auf grundlegende Themen wie Licht, Belüftung oder Heizung. Darüber hinaus betrachten wir bestimmte Kennzahlen, die helfen, die Energieverbräuche pro Werk oder pro Gebäude zu identifizieren. Daraufhin berechnen wir den CO₂-Fußabdruck des Unternehmens. Das ist der Ausgangspunkt für alle Maßnahmen, denn wir wissen jetzt, was die Treiber sind – wie zum Beispiel bei uns damals die Lötanlage in Suzhou.

Und dann kommen wieder die vier Hebel zum Einsatz?

Ganz genau. In Schritt zwei arbeiten wir an Konzepten zur CO₂-Reduktion. Dafür betrachten wir in den folgenden Wochen differenziert, wo und wofür die meiste Energie verbraucht wird und was sich daran ändern lässt. Auch hier profitieren wir von der Erfahrung, die Bosch in seinen eigenen Werken gemacht hat. Im nächsten Schritt prüfen wir, ob es die Möglichkeit gibt, selbst Grünstrom zu erzeugen. Wenn Wind- und Wasserkraft oder Solarstrom eine Option ist, ziehen wir oft Bosch-Projekte als Vorlage heran. Zum Beispiel unsere Photovoltaik-Initiative am Standort Nashik in Indien oder das Wasserkraftwerk im Bosch-Werk Blaichach, das rund die Hälfte des dortigen Energiebedarfs abdeckt.

Blick durch ein Fenster auf Donya Amer mit verschränkten Armen und lehnend an einer Säule.
Nach dem Start in Europa will Donya Amer mit BCS in Zukunft auch weltweit aktiv werden.

Dann schauen wir uns die Stromverträge an und bewerten diese hinsichtlich Qualität und Grünstrom. Und natürlich spielt das Thema CO₂-Kompensation durch Zertifikate eine Rolle. Zuletzt gehen wir die Lieferketten des Unternehmens, den sogenannten Scope 3, an. Flankiert wird das Ganze immer von weiteren Maßnahmen wie beispielsweise Green Controlling. Ein Kundenprojekt erstreckt sich am Anfang in der Regel über etwa vier Wochen. Im Anschluss stellen wir verschiedene Szenarien vor: Wie ist der Weg, um bereits in diesem, in zwei, fünf oder x Jahren CO₂-neutral zu produzieren und welche Maßnahmen müssen dabei im Fokus stehen. Dazu zeigen wir auf, welche Investitionen notwendig sind und wie sich der Return on Investment verhält. Sprich: Ab wann sind die Maßnahmen wirtschaftlich?.

Welche Pläne hat BCS für die Zukunft?

Wir wollen unser Portfolio weiter ausbauen. Angefangen haben wir mit strategischen Beratungen zum Corporate Carbon Footprint – also den Emissionen, die durch die eigenen Tätigkeiten eines Unternehmens erzeugt werden. Jetzt erweitern wir den Beratungsansatz zum Product Carbon Footprint, sprich, wir beraten bezüglich der hergestellten Produkte, Logistikketten oder Zulieferer. Wir merken zudem, dass das Interesse an unserem Know-how auch außerhalb Europas groß ist. Uns hier zu verbreitern, wird sicherlich ein zeitnaher Schritt sein. Klimaschutz ist ein Thema, das uns global über die nächsten Jahrzehnte beschäftigen wird. Ja, Klimaschutz kostet, aber nichts zu tun ist deutlich teurer: Die Preise für Energie und CO₂-Zertifikate zur Kompensation steigen. Das Investment in eine Nachhaltigkeitsstrategie rechnet sich absolut. Daher: #LetsTakeThisChallengeTogether

Gesprächsrunde zwischen Donya Amer und zwei weiteren Personen an einem weißen Tisch.
Wie wird ein Unternehmen in wenigen Jahren klimaneutral? Donya Amer findet mit BCS den richtigen Weg.

 

Porträit von Donya Amer, die mit verschränkten Armen vor einem Wald-Motiv steht.

Donya Amer

CEO Bosch Climate Solutions

„Beim Thema Klimaschutz kommen für mich privates und berufliches Engagement zusammen.“

Donya Amers Karriere begann mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau in Köln. Ihr anschließendes Studium der Betriebswirtschaftslehre führte sie von der Kölner Universität auch an die University of California in Berkley. Nach dem Abschluss in Business Administration mit den Schwerpunkten Finanzen und Personal stieg sie bei IBM in Frankfurt ein und übernahm dort 17 Jahre lang kunden- und beratungsnahe Positionen in Bereichen der digitalen Transformation. 2017 wechselte sie zu Bosch. Rund drei Jahre verantwortete sie als Teil der Bosch IT-Geschäftsleitung das Business Interface der internen IT, bevor sie 2020 den Vorsitz der Geschäftsführung der neuen Bosch Climate Solutions GmbH übernahm. In Ihrer Freizeit taucht sie gerne – und begegnet dabei oft Plastik im Wasser. Nicht nur deshalb beschäftigt sich Donya Amer auch in ihrer Freizeit mit dem Thema Umwelt und Plastikkonsum.

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