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Edenhofer_Denner
Nachhaltigkeit

Nachhaltige Städte

Eine Herausforderung, zwei Perspektiven

Clock 6 Minuten

Hoher Energieverbrauch, dichter Verkehr, eine Vielzahl von Menschen auf engem Raum: In Städten konzentrieren sich die Klimabelastungen. Im Umkehrschluss gibt es dort zahlreiche Chancen, eine nachhaltige Entwicklung zu stärken. Denn Städte sind Beschleuniger des gesellschaftlichen und technischen Fortschritts. Welche Schritte die effektivsten sind für die urbane Transformation, diskutieren Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und der Klimaforscher Prof. Dr. Ottmar Edenhofer.

Herr Edenhofer, auf der Klimakonferenz COP 17 hat sich erstmals ein Bündnis aus 1 000 Metropolen weltweit formiert, um gemeinsam dem Klimawandel zu begegnen. Welche Rolle spielen Städte auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung?

Edenhofer: Eine ganz entscheidende – und das enorme Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Es ist gut, dass viele Städte nicht mehr nur auf nationale Vorgaben warten, sondern selbst vorangehen. Der heutige Bau von Transportsystemen, Gebäuden und anderen Elementen der Infrastruktur wird über die CO2-Emissionen von morgen entscheiden. Wenn wir die städtische Infrastruktur klimafreundlicher gestalten, lässt sich etwa die Hälfte des zukünftigen Kohlendioxidausstoßes einsparen.

Wo können die Städte im Hinblick auf die CO₂-Reduktion schon heute ansetzen?

Denner: Ein Schlüssel zu mehr Klimaschutz ist die Vernetzung. Nehmen wir das Beispiel Energieversorgung: In intelligenten Gebäuden kommunizieren die Geräte miteinander, passen sich so automatisch den wechselnden Bedingungen an und senken damit den Energieverbrauch. Virtuelle Kraftwerke bündeln die saubere Energie dezentraler Anlagen und verteilen sie bedarfsgerecht. Und Straßenlaternen leuchten dank intelligenter Steuerung nur dann, wenn tatsächlich Licht gebraucht wird. Je intelligenter die Stadt, desto nachhaltiger. Wie das in der Realität aussieht, erprobt Bosch derzeit in 14 verschiedenen Metropolen – von Berlin über Stuttgart bis hin zum jüngsten Projekt in der nordchinesischen Stadt Tianjin.

Edenhofer: Wenn wir die Klimaziele von Paris erreichen wollen, müssen auch die Verkehrsemissionen in den Städten deutlich sinken. Es ist nicht besonders klimafreundlich, jeden Morgen mit dem Auto ins Zentrum zur Arbeit zu pendeln.

„Wenn wir die städtische Infrastruktur klimafreundlicher gestalten, lässt sich etwa die Hälfte des zukünftigen Kohlendioxidausstoßes einsparen."

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer

Welche Lösungen gibt es, die Mobilität in Städten nachhaltiger zu gestalten?

Edenhofer: Zunächst muss der Strom für Elektrofahrzeuge auch regenerativ erzeugt werden. Dafür brauchen wir eine CO2-Bepreisung von mindestens 30 Euro pro Tonne – und nicht wie derzeit etwa 7 Euro im Europäischen Emissionshandel. Außerdem ist es wichtig, das Aufladenetz auszubauen und den öffentlichen Nahverkehr zu elektrifizieren. Zudem muss die Politik die alten, fossil getriebenen Technologien ersetzen – und nicht neben ihnen herfahren. Die Dieseldebatte zeigt, dass Emissionsstandards nicht ausreichen, um die Klimaschutzziele und eine verbesserte Luftqualität zu erreichen. Statt eines Verbots sollten vor allem die Steuervorteile des Diesels innerhalb der EU gestrichen werden. Die eingesparte Summe könnte dann in den öffentlichen Nahverkehr oder die Forschung und Entwicklung von sauberen Antriebstechnologien fließen.

Herr Denner, teilen Sie diese Einschätzung?

Denner: Ich teile die Einschätzung, dass insbesondere neue Technologien gefragt sind. Doch allein auf Elektromobilität zu setzen, finde ich angesichts des drängenden Klimawandels nicht angemessen. Der Übergang benötigt Zeit. Um die gesteckten Klimaziele erreichen zu können, müssen wir daher alle Register der Technik ziehen. Wir bearbeiten das Thema Elektromobilität so breit wie kein anderes Unternehmen. Gleichzeitig investieren wir in den Diesel- und Benzinmotor. Hierbei setzen Emissionsstandards nach wie vor den richtigen Rahmen. Ab 2020 dürfen Emissionen im realen Fahrbetrieb auf der Straße nur noch um einen für Messungsungenauigkeiten bestimmten Faktor vom Testzyklus abweichen. Unsere Dieseltestfahrzeuge erreichen diese Grenzwerte bereits heute. Und wir entwickeln bereits Systeme, die die Vorgaben deutlich unterschreiten werden.

Fahrzeugtechnologien sind nur ein Baustein auf dem Weg zur emissionsfreien Mobilität …

Denner: In der Tat. Wir müssen mehr Menschen dazu motivieren, Verkehrsmittel zu kombinieren, Fahrzeuge zu teilen und Alternativen zum eigenen Auto wie beispielsweise den E-Scooter zu entdecken. Außerdem können neue digitale Services wie Parking Apps Umwege und damit Emissionen sparen. Sensoren, Software, Services – diese drei S entsprechen den Kernkompetenzen von Bosch und bilden das Fundament intelligenter Städte.

„Um die gesteckten Klimaziele erreichen zu können, müssen wir alle Register der Technik ziehen."

Dr. Volkmar Denner

Herr Edenhofer, wie schätzen Sie die Rolle von Bosch für nachhaltigere Metropolen ein?

Edenhofer: Als weltgrößter Autozulieferer hat Bosch eine enorme Verantwortung. Ich sehe Bosch mit Blick auf das Engagement bei der Entwicklung innovativer Elektroantriebe generell auf einem guten Weg. Doch es bedarf noch intensiverer Anstrengungen.

Denner: Wir werden auch 2018 wieder rund 400 Millionen Euro für die Elektromobilität aufwenden. Gleichzeitig forschen wir intensiv am CO2-neutralen Verbrenner. Wir sind davon überzeugt: Möglich machen es synthetische Kraftstoffe – sogenannte E-Fuels auf Basis regenerativer Energien. Erste Projekte zur Industrialisierung sind bereits angelaufen. Darüber hinaus arbeiten wir an Lösungen, die Feinstaub reduzieren, der vom Abrieb der Bremsen und Reifen kommt. Dieses Jahr bringen wir die iDisc in Serie. Die neuartige Bremsscheibe erzeugt bis zu 90 Prozent weniger Bremsstaub.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Wie sieht für Sie die Stadt 2050 aus?

Edenhofer: Ich wünsche mir, dass die Städte bis zur Mitte des Jahrhunderts nur noch einen Bruchteil der heutigen Emissionen ausstoßen. Ich bin optimistisch, dass das gelingen kann. Wir brauchen einen Mix aus intelligenter, effizienter Stadtplanung mit kurzen Wegen und einem attraktiven öffentlichen Nahverkehr sowie eine Transformation des Automobilsektors hin zu CO2-neutralen Antrieben. Wenn uns das gelingt, wären wir beim Klimaschutz einen großen Schritt weiter.

Denner: Die Stadt 2050 nutzt erneuerbare Energien, kombiniert Verkehrsmittel klug und schont Ressourcen. Sie hilft, unsere Gesundheit zu schützen, und erleichtert unseren Alltag. Kurz: Die Stadt von morgen ist vernetzt, nachhaltig und lebenswert. Unser Anspruch ist, mit „Technik fürs Leben“ dafür zu sorgen, dass diese Vision keine Vision bleibt.

Edenhofer

Über Prof. Dr. Ottmar Edenhofer

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (geb. 1961) ist Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Er ist stellvertretender Direktor sowie Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Lehrstuhlinhaber für die Ökonomie des Klimawandels an der Technischen Universität Berlin.

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