Kartoffelfeld und Darstellung des Bosch field monitoring
Geschichte

Vom Boschhof zum Smart Farming

5 Minuten

Technikunternehmen und Agrarwirtschaft, wie passt das zusammen?

Vom Internet der Dinge, mit dem Bosch helfen will, die Landwirtschaft zu revolutionieren, kann man auf verschiedene Episoden der Agrartechnik zurückblicken, in der sich das Unternehmen engagierte, bis zurück auf die interessanten Nebenbeschäftigungen des Unternehmensgründers Robert Bosch.

Robert Bosch und die Landwirtschaft

Kälberaufzucht auf dem Boschhof, Mooseurach (Deutschland), 1927
Kälberaufzucht auf dem Boschhof, Mooseurach (Deutschland), 1927

„Die Landwirtschaft als solche ist einer der interessantesten Erwerbszweige, die es gibt. Er ist so mannigfaltig wie kaum ein anderer; denn er ist verhängt mit Zoologie, Botanik, Geologie, Chemie, Meteorologie in den verschiedensten Auswirkungen.“
Diese Worte Robert Boschs zeigen seine Verbundenheit zur Landwirtschaft. Kein Wunder, betrieben doch seine Eltern in der Nähe von Ulm einen Gasthof mit Viehwirtschaft – und einer Bierbrauerei.
Und so ist es einleuchtend, dass Bosch bereits um 1900 damit liebäugelte, die Domäne „Klein-Hohenheim“ bei Stuttgart zu kaufen und sich in der Landwirtschaft zu betätigen. Seine Frau Anna wollte allerdings nichts davon wissen. Sicherlich fürchtete sie, dass sich ihr bereits viel beschäftigter Mann damit zu viel zumuten würde.

Industrialisierung der Landwirtschaft? Ein Experiment

Lanz Motorpflug zur Bearbeitung der Äcker auf dem Boschhof, 1927
Lanz Motorpflug zur Bearbeitung der Äcker auf dem Boschhof, 1927

Nach dem Ersten Weltkrieg stieg Robert Bosch dennoch in die Landwirtschaft ein. Dies geschah allerdings weniger aus reinem Interesse, sondern war vielmehr die Folge einer Fehleinschätzung. Er hatte um 1912 Anteile einer Moorverwertungsgesellschaft in Beuerberg in Bayern erworben, die mit der elektrolytischen Torfhydrierung nach Ekenberg Torf für die Brennstoffherstellung gewinnen wollte. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Verfahren unrentabel war. Nach diesem Rückschlag war allerdings erst recht der Ehrgeiz des Unternehmers geweckt. Er wollte die schlechten Böden in Oberbayern in ein landwirtschaftliches Mustergut verwandeln. Aus sieben ehemals selbstständigen Bauernhöfen entstand der Boschhof. „Damals schien es mir eine Großtat, aus einem Sumpfe ein Land zu machen, auf dem Milch und Honig flösse.“

Ökonomie und Ökologie

Die Prinzipien seiner industriellen Tätigkeit sollten auch in der Landwirtschaft umgesetzt werden. Boschs Plan war es, mit dem Einsatz modernster Techniken qualitativ hochwertige Produkte zu erzeugen und regional zu vermarkten. Spezielle Maschinen wurden eingesetzt, die neu entwickelte Silofütterung wurde eingeführt. Gleichzeitig bediente man sich schon ökologischer Verfahren: Bosch schuf ein wahres Vogelparadies – eine natürliche Methode zur Schädlingsbekämpfung.

Auf dem Hof Mooseurach baute Robert Bosch ein Haus für die Familie und errichtete Wohnhäuser für seine bald über 300 Beschäftigten. Doch trotz aller Bemühungen blieb das Projekt Boschhof ein Zuschussgeschäft. Wie er selbst später sagen sollte, war er zum Boschhof „wie der Blinde zur Ohrfeige“ gekommen. Fortan war sein Credo, dass sich nur Leute mit der Landwirtschaft beschäftigen sollten, die auch wirklich etwas davon verstünden.

Vom Hof zur Hydraulik

Ganz unabhängig davon begab sich das Unternehmen rund zehn Jahre nach dem Tode des Unternehmensgründers 1942 in das Neuland der Ausrüstung für Agrarmaschinen.
Damals, in den frühen 1950er Jahren, lag die Technisierung der Landwirtschaft in Deutschland gegenüber den westlichen Nachbarländern weit zurück. Mehr als es sinnvoll gewesen wäre, beherrschte die Handarbeit das Geschehen von der Aussaat bis zur Ernte. An diesem Punkt setzten die Bestrebungen bei Bosch an: Die Arbeit auf den Äckern sollte durch klug eingesetzte Technik erleichtert werden.

Den Anfang machte ein Kraftheber, der es ermöglichte, das beschwerliche Heben und Senken des Pfluges mit Hilfe des Motors am Traktor zu bewerkstelligen. Die findige Idee: Man schloss ein hydraulisches System aus Pumpe, Ölbehälter, Steuergerät, Zylinder und Druckleitungen an den Motor an, und schon ließ sich die sonst so schweißtreibende Arbeit kinderleicht bewältigen. Ein leichter Zug am Hebel des Steuergerätes reichte.

Bäuerin auf einem Traktor mit Bosch-Pflugheber, 1953
Bäuerin auf einem Traktor mit Bosch-Pflugheber, 1953

Statt Muskelkraft Hydraulik

Die Pumpe nutzte die Kraft des Motors und übertrug diese auf den Arbeitszylinder, der über Druckleitungen die Stellung des Pfluges bestimmte. Zur Kraftübertragung in den Druckleitungen diente Motoröl.
Der Einsatz dieser kompakten Technik in der Landwirtschaft trug Früchte und ebnete den Weg auf vielen Feldern, die man grob in Industriehydraulik und Mobilhydraulik trennen kann: Hydraulik für Fahrzeuge und für stationäre Objekte - wie etwa Fertigungsmaschinen. Schon 1958 dehnte Bosch die Produktion von Hydraulik-Erzeugnissen systematisch aus. Um technologisch vorn zu bleiben, wurde 1969 am neuen Bosch-Standort Schwieberdingen das "Technische Zentrum Hydraulik" eingerichtet.

Mit der Übernahme der Rexroth AG und Neuformierung der Bosch-Rexroth AG, heute Geschäftsbereich Drive & Control, sortierte Bosch die Sparte neu. Hydraulik von Bosch ist heute daher auch ganz woanders zu finden als in Traktoren: Am Panama-Kanal und der Bühne des Moskauer Bolschoi-Theaters ebenso wie an der Londoner Tower Bridge oder dem Maeslantkering, einem 220 Meter breiten schließbaren Sturmflutwehr an der niederländischen Nordseeküste bei Rotterdam.

Auf dem Prüfstand: elektronisch-hydraulische Pflugtiefenregelung „Hitchtronic“, 1982
Auf dem Prüfstand: elektronisch-hydraulische Pflugtiefenregelung „Hitchtronic“, 1982

Von der Hydraulik zum Internet der Dinge

Doch es ist heute nicht mehr die Hydraulik, die die Verbindung von Bosch zur Landwirtschaft markiert, sondern Sensorik und Vernetzung. Sensorik, viel erprobte Technik, die Bosch sonst für Autos und Smartphones liefert, eignet sich, in Spargeläcker gepflanzt, auch für die Erfassung von Wetterbedingungen, um per App den richtigen Zeitpunkt für die Ernte, das Wässern, oder das Abdecken der Pflanzen gemeldet zu bekommen.

Aber es geht noch mehr. Von der Vernetzung des Felds bis hin zum Fuhrpark: Die Lösungen von Bosch entlasten den Landwirt im Arbeitsalltag und helfen dabei, die Ernte zu optimieren oder Betriebsabläufe effizienter zu machen. Dabei macht sich Bosch auch sogenannte MEMS-Sensoren, die für Pkw entwickelt wurden, für die Landwirtschaft zunutze: Sie messen relevante Werte wie Temperatur und Feuchtigkeit und übertragen diese via Cloud auf das Smartphone des Landwirts. Mithilfe einer App hat dieser seine Pflanzen jederzeit und überall im Blick, ohne dass er selbst auf dem Feld nach dem Rechten sehen muss. Der Landwirt spart so Zeit und steigert Qualität und Ertrag seiner Produkte.

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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