Unsere Forschungsexperten

Thomas Lich

Unfallforschung – Als Maßstab dient die Realität: Entwicklung von Sicherheitssystemen auf Basis von realen Verkehrsunfällen

"Wer auch nur eine Stunde seiner Zeit zu vergeuden wagt, hat den Wert des Lebens noch nicht erkannt" – Charles Darwin

Thomas Lich

Als Fachreferent und Teamleiter der Unfallforschung trage ich die weltweite Gesamtverantwortung für die Bosch Unfallforschung.

Aus Verkehrsunfällen leite ich die strategischen Ziele für Produkte der Geschäfts- und Regionaleinheiten von Bosch ab. Neben meinen internationalen Aktivitäten arbeite ich in Gremien und in öffentlich geförderten Projekten mit.

Mein derzeitiger Forschungsschwerpunkt liegt in der Konzeptionierung einer Simulationsumgebung zur Bewertung von automatisierten Fahrfunktionen. Dazu baue ich eine Brücke zwischen Daten aus Verkehrsbeobachtungen und am Unfallort erhobenen Daten.

Lebenslauf

Unfallforschung

2007
Analyse, Bewertung und Simulation von rekonstruierten Realunfällen aller Fahrzeugarten. Übernahme der Team- und Projektleitung in 2011.

Quergeschwindigkeitsschätzung

2004
Serienentwicklung eines Quergeschwindigkeitsschätzers zur verbesserten Auslösung von Rückhaltesystemen bei einem Seitenanprall oder einem Überrollvorgang in einem PKW.

Insassenklassifizierung

1999
Serienentwicklung zur weltweit ersten Insassenklassifizierung für die adaptive Auslösung passiver Rückhaltesysteme bei Bosch.

Reifendiagnose

1996
Forschung und Entwicklung zur Reifendiagnose von schweren Nutzfahrzeugen mittels neuronaler Netze bei der Daimler AG.

Ausgewählte Publikationen

  • Derived requirements for an Automatic Emergency Braking System for trams based on real-world crashes

    Sulzberger et al. (2019)

    Derived requirements for an Automatic Emergency Braking System for trams based on real-world crashes
    • Sulzberger L, Lich T., Schmidt D. Dr., Scheschko T.
    • VDI safe.tech
  • Benefit estimation of an Antilock-Braking System (ABS) for Pedelecs based on simulation of real-world accidents

    Moennich et al. (2018)

    Benefit estimation of an Antilock-Braking System (ABS) for Pedelecs based on simulation of real-world accidents
    • Moennich J., Lich T, Georgi A., Maier O. Dr.
  • How can vehicle safety contribute to improve road traffic safety in India?

    Lich et al. (2018)

    How can vehicle safety contribute to improve road traffic safety in India?
    • Lich T., Mönnich J., Georgi A., Kumaresh G.
    • 14th International Symposium and accompanying Exhibition on Sophisticated Car Safety Systems
  • Reliable pre-crash detection and decision making for accidents against oncoming traffic

    Freienstein et al. (2017)

    Reliable pre-crash detection and decision making for accidents against oncoming traffic
    • Freienstein H. Dr., Lich T., Höpfner H. Dr., Drews F. Dr., Österle F. Dr., Klier W. Dr.
    • VDI conference for vehicle safety
  • mpact on a test setup for the evaluation of Advanced Emergency Braking for cyclists in Japan using Event Drive Recorder data

    Lich, Sawaki (2017)

    mpact on a test setup for the evaluation of Advanced Emergency Braking for cyclists in Japan using Event Drive Recorder data
    • Lich T., Sawaki M.
    • FAST-zero 2017 No. 20174678 / 2019 Volume 10, Issue 2, Pages 167-174
  • Strategy for integrated safety systems (ISS) - Status and Outlook

    Klier et al. (2015)

    Strategy for integrated safety systems (ISS) - Status and Outlook
    • Klier W. Dr., Lich T., D'Addetta G. A. Dr., Freienstein H. Dr., Reckziegel B., Köhler A., Yu Z.,
    • VDI conference for vehicle safety
  • Benefit estimation of Antilock Braking System (ABS) for Powered Two Wheelers on Indian highways

    Lich et al. (2015)

    Benefit estimation of Antilock Braking System (ABS) for Powered Two Wheelers on Indian highways
    • Lich T., Moennich J., Georgi A., Kumaresh G.
    • SIAT 2015-26-0167
  • Motorcycle Stability Control - The next generation of motorcycle safety and riding dynamics

    Lich et al. (2015)

    Motorcycle Stability Control - The next generation of motorcycle safety and riding dynamics
    • Lich T., Block W.G., Prashanth S.N., Heiler B.
    • JSAE 20159834 / SAE 2015-32-0834
  • Benefit analysis of predictive rear end collision avoidance and mitigation systems for South Korea using video documented accident data

    Lich et. al (2012)

    Benefit analysis of predictive rear end collision avoidance and mitigation systems for South Korea using video documented accident data
    • Lich T., Mettler A., Georgi A., Danz C. Dr., Lee D, Lee S., Sul J.
    • AVEC'12
  • Combined Active and Passive Safety (CAPS) - Intelligent side and rear-crash systems for occupant safety

    Lich et. al (2006)

    Combined Active and Passive Safety (CAPS) - Intelligent side and rear-crash systems for occupant safety
    • Lich T., Marchthaler R., Sailer U. Dr.
    • FISITA 2006 / F2006V199

Interview

Thomas Lich

Thomas Lich

Fachreferent und Teamleiter der Bosch Unfallforschung

Erzählen Sie doch mal: was fasziniert Sie an der Forschung?

Die Faszination der Forschung liegt darin, neue zuvor nicht beschrittene Wege zu gehen.

Gerade als Querdenker liegt der Reiz darin, durch die Kombination verschiedener Wissensgebiete neue Ideen zu generieren und die Machbarkeit nachzuweisen.

Thomas Lich

Thomas Lich

Fachreferent und Teamleiter der Bosch Unfallforschung

Was macht die Forschung bei Bosch besonders?

Im Gegensatz zum Fahrzeughersteller kann ich bei Bosch die gesamte Wertschöpfungskette von der Idee über die Auslegung bis hin zur Produktentwicklung unterstützten.

Das erfordert Geduld und Ausdauer, aber dafür ist das Ergebnis umso zufriedenstellender, da man seinen Beitrag zum Endprodukt sehen kann.

Zudem ermöglicht mir die Bosch Forschung die Zusammenarbeit im internationalen Umfeld. Dies zwingt mich einen anderen Blickwinkel einzunehmen, um globale Lösungen zu entwickeln.

Thomas Lich

Thomas Lich

Fachreferent und Teamleiter der Bosch Unfallforschung

Woran forschen Sie bei Bosch?

Ich verantworte die weltweite Unfallforschung bei Bosch, und diese stellt die Grundlage für neue Sicherheitssysteme aller Arten der Mobilität dar. Dabei muss ich verschiedene Themengebiete abdecken:

Zum einen analysiere, simuliere und bewerte ich real erhobene Verkehrsunfälle. Ziel ist es, die regionale Produktstrategie und –entwicklung zu unterstützen. Beides kann aus dem Unfallgeschehen abgeleitet werden, und zwar vom Pedelec bis hin zum Schwerlaster.

Zum anderen geht es darum, die Auslegung des Produkts und dessen Wirksamkeit zu bewerten. Also, welche Eigenschaften muss z.B. ein Sensor haben oder worauf muss eine Funktion besonders achten, damit eine maximale Anzahl von z.B. Unfällen verhindert werden kann.

Voraussetzung dafür ist, eine entsprechende Datenquelle zur Verfügung zu haben. Da kann es schon mal sein, dass ich ein Projekt zur Unfallvororterhebung initiiere und in der Anfangsphase vorort begleite. So geschehen in Indien, China und Brasilien oder wie derzeit in der ASEAN Region.

Thomas Lich

Thomas Lich

Fachreferent und Teamleiter der Bosch Unfallforschung

Was sind die größten wissenschaftlichen Herausforderungen in Ihrem Forschungsfeld?

Die Auswirkungen des automatisierten Fahrens auf das Verkehrsgeschehen der Zukunft abzuschätzen.

Die Ursachen eines Unfalls sind sehr komplex, da treffen die verschiedensten Faktoren zusammen. Die Automatisierung führt zu einer Verschiebung von Unfallursachen, insbesondere wenn es zur Interaktion zwischen konventioneller Mobilität auf automatisiert fahrende Fahrzeuge kommt.

Die Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen der Zukunft gilt es zu erforschen und verlässlich zu prognostizieren.

Dabei ist es unabdingbar, neue Datenquellen beispielsweise aus Verkehrsbeobachtungen mit Realunfällen zu kombinieren. Die Bewertung der Auswirkungen erfolgt dann mittels Verkehrssimulationen. Dies ist erforderlich, da nur so die zeitlichen Wirkzusammenhänge verstanden werden können.

Thomas Lich

Thomas Lich

Fachreferent und Teamleiter der Bosch Unfallforschung

Wie werden Ihre Forschungsergebnisse zu "Technik fürs Leben"?

Beispielsweise reicht dies vom verbesserten Seitenaufprallschutz in einem PKW über die Motorradstabilitätskontrolle beim Zweirad bis hin zu einem System zur Kollisionsvermeidung in Begegnungsunfällen, an deren Entwicklung ich beteiligt war.

Darüber hinaus habe ich die Unfallforschung als Methodik zur Bewertung des Verkehrsgeschehens in Entwicklungsländern etabliert. Damit konnte ich nicht nur aufzeigen, wie viele Unfälle oder Verkehrstote in den Industrieländern, sondern auch in den sich entwickelnden Länder mit ihren spezifischen Bedarfen durch die Sicherheitssysteme von Bosch vermieden werden können. Damit unterstützt die Unfallforschung, dass "Technik fürs Leben" einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leistet.

Thomas Lich

Ihr Kontakt zu mir

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Fachreferent und Teamleiter der Bosch Unfallforschung
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