Robert Bosch auf dem Balkon eines Krankenzimmer
Geschichte

Gestiftet vom Unternehmensgründer: Das Robert–Bosch-Krankenhaus

5 Minuten

Am 28. April 1940 ging für Robert Bosch ein Herzenswunsch in Erfüllung. Das von ihm gestiftete homöopathische Krankenhaus auf dem Pragsattel wurde feierlich eröffnet.

Bereits von seinem Elternhause her war Robert Bosch mit naturheilkundlichen und homöopathischen Heilmethoden vertraut. Dier Begegnung mit dem Naturheilkundler Professor Jäger an der Technischen Hochschule Stuttgart bestärkte Robert Bosch in der Hinwendung zu natürlichen Heilmethoden.

Um diese zu unterstützen gründete Robert Bosch 1915, gemeinsam mit homöopathischen Vereinen, die „Stuttgarter Homöopathische Krankenhaus GmbH“ Insgesamt etwa drei Millionen Mark spendete er für die Errichtung eines homöopathischen Krankenhauses, dessen Bau jedoch durch den Ersten Weltkrieg verhindert wurde.

Blick in die hauseigene Apotheke des Robert-Bosch-Krankenhauses, 1940
Blick in die hauseigene Apotheke des Robert-Bosch-Krankenhauses, 1940

Der Anlass

Robert Bosch im Labor des Robert-Bosch-Krankenhauses, 1940
Robert Bosch besichtigt das Labor des Robert-Bosch-Krankenhauses, 1940

Seinen 75. Geburtstag und das 50-jährige Bestehen seines Unternehmens nahm Robert Bosch 1936 zum Anlass, noch einmal ein homöopathisches Krankenhaus zu stiften Er erwarb noch im selben Jahr am Stuttgarter Pragsattel ein geeignetes Gelände und schon im Mai 1937 wurde mit dem Bau begonnen. Im April 1940 konnten die ersten Patienten aus einem Behelfskrankenhaus in der Stuttgarter Marienstraße in das Robert-Bosch-Krankenhaus verlegt werden.
Bei der feierlichen Eröffnung am 28. April verwies Robert Bosch nochmals auf die Ziele und Aufgaben des homöopathischen Krankenhauses: Einerseits sollte dort die homöopathische Heilweise zu der vollen Höhe ihrer Leistungsfähigkeit entwickelt werden, andererseits durfte die ärztliche Leitung auch andere erfolgversprechende Heilmethoden nicht aus dem Blick verlieren.

Das Robert-Bosch-Krankenhaus wird von der Robert-Bosch-Stiftung getragen, 2015
Das Robert-Bosch-Krankenhaus, kurz RBK, wird von der Robert-Bosch-Stiftung getragen, 2015

Das Krankenhaus

Das Krankenhaus verfügte mit 360 Betten über zwei innere, eine chirurgische, eine gynäkologische und eine geburtshilfliche Abteilung. Auf persönliche Initiative RBs übernahmen die Herrenberger Schwestern die Pflegeverantwortung im RBK. Über Jahrzehnte hinweg prägten sie dort das Bild der Schwesternschaft. Ihnen oblag nicht nur die Pflege der Patienten, sondern auch die Leitung der Schwesternschule, des gesamten Hauswesens einschließlich der Küche, und lange auch der Verwaltung.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten, machten Platzmangel und eine dringend notwendig gewordene Modernisierung einen Neubau erforderlich. Die Robert-Bosch-Stiftung, die zwischenzeitlich Trägerin des Krankenhauses geworden war, gab 1965 den Auftrag zur Planung für ein neues Krankenhaus. Nach dem Baubeginn 1969 konnte das neue Robert-Bosch-Krankenhaus, etwas oberhalb des alten Gebäudes gelegen, im März 1973 eröffnet werden.

Das neue Haus

Auch im neuen Haus blieb der Schwerpunkt im Bereich der Inneren Medizin. Anderes veränderte sich allerdings wesentlich: Die klinische Homöopathie hatte nicht die erwarteten wissenschaftlich nachprüfbaren Resultate gebracht und wurde nun zugunsten der Schulmedizin aufgegeben. Das neue RBK entwickelte sich rasant weiter: 1978 wurde das RBK Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen. Nach der ersten Herzoperation 1984 baute das RBK die Herzchirurgie zu einem Schwerpunkt des Krankenhauses aus.

Die Einrichtung einer Geriatrischen Reha 1998, die Eröffnung eines Notaufnahmezentrums 2007 und eines ambulanten OP-Zentrums im darauffolgenden Jahr stellen weitere Meilensteine in der Entwicklung des RBK dar, wie auch der Zusammenschluss mit der Klinik Schillerhöhe und der Klinik Charlottenhaus im Jahr 2006.

Das RBK heute

Das Herzzentrum am Robert-Bosch-Krankenhaus in Deutschland, 2015
Das Herzzentrum am Robert-Bosch-Krankenhaus ist eines der größten Herzzentren in Deutschland, 2015

Heute ist das Robert-Bosch-Krankenhaus mit rund 1.030 Betten im Klinikverbund nicht nur eines der größten, sondern auch bestausgestatteten Krankenhäuser der Region. Spitzentechnologie ist zwar unverzichtbar für viele erfolgreiche Behandlungen, aber der Mensch steht - ganz im Sinne Robert Boschs - im Vordergrund. Sein ganzheitliches Denken ist im RBK zur Selbstverständlichkeit geworden.

Angelika Merkle

Als Historikerin bin ich Ansprechpartner zu historischen Fragen für die Länder Südosteuropas, die Schweiz, Österreich und Afrika sowie die deutschen Standorte. Zudem biete ich Führungen durch unsere Ausstellung zur Bosch-Geschichte an und schreibe für verschiedene Publikationen.
Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Marburg und Tübingen und dem Großziehen zweier lebhafter Kinder, hält mich mein Greyhound auf Trab.

Aufnahme Angelika Merkle

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