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Geschichte

Bosch in Afrika – ein Rückblick

5 Minuten

Im Februar 2018 hat die Bosch Rexroth AG die Hytec Holdings (Pty.) Ltd., Johannesburg, Südafrika, vollständig übernommen, einen Spezialisten für den Vertrieb von Hydraulik- und Automationslösungen – Zeit für einen Blick zurück auf den Weg von Bosch dorthin.

„Die wachsende Mittelschicht, immer mehr gut ausgebildete junge Leute, der Rohstoffreichtum des Kontinents – all das sind Gründe, die eine positive wirtschaftliche Entwicklung vieler afrikanischer Staaten versprechen“ – so beschreibt der für Afrika zuständige Bosch-Geschäftsführer Uwe Raschke die Bedeutung des afrikanischen Markts für das Unternehmen.

Die Anfänge

Bosch-Vertretung in Südafrika, 1929
Bosch-Vertretung Friedrich Hoppert in Johannesburg, Südafrika, 1929

Seit über 110 Jahren ist Bosch in Afrika vertreten. 1906 war die Hamburger Firma Friedrich Hoppert & Co., die eine Niederlassung in Johannesburg unterhielt, mit dem Vertrieb der Bosch-Produkte beauftragt worden. Auch heute liegt ein Schwerpunkt der Aktivitäten in Südafrika mit zwei Fertigungsstandorten in Brits und Midrand. Dort werden hauptsächlich Kraftfahrzeugausrüstung produziert und Verpackungsmaschinen montiert.

Nashorn und Bosch-Horn

Messe mit Bosch Lichttechnik, Uganda, 1964
Messe mit Bosch Lichttechnik, Kampala, Uganda, 1964

Das Interesse an Afrika war schon immer groß, wie mehrere Reiseberichte in der Mitarbeiterzeitung „Bosch-Zünder“ zeigen. 1929 berichtete Ladislaus von Almafi von seiner abenteuerlichen Fahrt durch Ost-Afrika: „Hier hatte ich die einzige Kollision unserer Fahrt, wie sie wohl noch wenigen Automobilisten passiert ist. Beim langsamen Vordringen durch dichtes Gestrüpp wurde mein Fahrzeug von einem Nashorn attackiert und unsanft in die Seite gerammt. Der Angriff kam so überraschend, dass ich zur Verteidigung kein anderes Mittel hatte, als das Bosch-Horn, dessen gellender Ton das wütende Nashorn denn doch abhielt, den Wagen umzuwerfen.“
Erlebnisreich – wenn auch ohne Nashornattacke – war die Reise auch für Martin Steins, der 1935 für eine Marktuntersuchung für die Bosch von Ägypten bis nach Kapstadt fuhr. „Es mutet einen ganz eigenartig an, wenn man in dieser orientalisch fremden Umgebung das wohlbekannte Bosch-Zeichen, den Anker im Kreis, zu Gesicht bekommt.“
Allerdings war Bosch damals schon mit mehreren Vertretungen in Afrika vor Ort. Steins berichtete weiter: „Der Bedarf an Automobilzubehör ist in der Union in den letzten Jahren ständig gestiegen, unsere Bosch-Einspritzpumpen haben auch schon ihren Einzug gehalten und finden allerseits Beachtung und Bewunderung. Sie haben unserem Namen neue Geltung verschafft.“

Qualität und Lebensqualität

Der bald folgende Zweite Weltkrieg blieb allerdings auch für Bosch in Afrika nicht ohne Folgen. In Südafrika ging das Bosch-Geschäft zurück, konnte jedoch in den 1950er Jahren verstärkt wieder aufgenommen werden. Um mögliche Fertigungskapazitäten vor Ort auszuloten und den Vertrieb in die Hand zu nehmen, gründete Bosch 1965 die Robert Bosch (Pty) Ltd., die heute ihren Sitz in Brits hat. Das Kundendienstnetz wurde systematisch erweitert. Dabei mussten und müssen die ausgewählten Betriebe strengen Kriterien gerecht werden, denn der technische Standard in der Kraftfahrzeugbranche ist sehr hoch.

Das Erschließen des afrikanischen Marktes birgt viele Herausforderungen. Neben unglaublicher Armut gibt es eine zum Teil stürmisch verlaufende wirtschaftliche Entwicklung. Dieses Potenzial zu nutzen und es für die Bevölkerung zu erschließen hat sich Bosch zur Aufgabe gemacht. Bosch-Geschäftsführer Uwe Raschke betont: „Mit unseren Produkten und Lösungen können wir dazu beitragen, die Lebensqualität der Menschen vor Ort zu erhöhen. Dabei fokussieren wir uns auf die Anforderungen und Bedürfnisse der jeweiligen Märkte und unserer lokalen Kunden“,

Bosch-Dienst in Douala, Kamerun, 1960
Bosch-Dienst in Douala, Kamerun, 1960

Der Ausblick

Hydraulische Ausrüstung des Roseires Damms im Sudan.
Bosch und Hytec haben in einem Großprojekt die gesamte hydraulische Ausrüstung des Roseires Damms im Sudan erneuert. Dazu gehören auch sieben Zylinder für Schleusentore. Jeder Zylinder wiegt 13 Tonnen.

Einschließlich der Hytec-Mitarbeiter beschäftigt Bosch aktuell mehr als 1 500 Mitarbeiter auf dem afrikanischen Kontinent. Bosch ist heute in zehn afrikanischen Ländern vertreten. Dazu gehören auch Ausbildungsangebote, beispielsweise für Handwerker in Kenia oder Kraftfahrzeugmechaniker in Nigeria. Das Unternehmen hat 2017 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von nahezu 460 Millionen Euro in Afrika erzielt und ist mit allen vier Unternehmensbereichen dort vertreten: Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods und Energy and Building Technology. Bosch setzt sich auch für die Förderung junger Talente in Subsahara-Afrika ein und ist Initiator von „Afrika kommt!“, einem Programm der Deutschen Wirtschaft für Führungsnachwuchs aus Subsahara-Afrika.

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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