Hongkong's Skyline bei Nacht
Geschichte

Eine Drehscheibe Asiens

Bosch in Hong Kong

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„Schauen Sie mal, was wir dort machen können“ sagte Bosch-Chef Marcus Bierich zu Klaus Dieter Schwantes, der damals als Vertriebsleiter bei Bosch arbeitete. Ein kurzer Satz, aber der hatte es in sich.

„Dort“, das war Hong Kong, damals im Jahr 1986 noch eine britische Kronkolonie, die 1997 an die Volksrepublik China übergeben wurde und heute eine Sonderwirtschaftszone innerhalb Chinas ist.

Wer damals in Hong Kong war, hatte die Hand am Puls des Reichs der Mitte. Nach dem Tod des mächtigen Gründers der Volksrepublik China, Mao Zedong, war 1982 mit Deng Xiaoping ein gemäßigter Politiker und Anhänger der wirtschaftlichen Öffnung Chinas an die Macht gekommen.

Klaus Dieter Schwantes in seinem Büro in Hong Kong, 1989
Klaus Dieter Schwantes in seinem Büro in Hong Kong, 1989

Die Hand am Puls

Die Skyline von Hong Kong, 2017
Die Skyline von Hong Kong, 2017

In der internationalen Handelsdrehscheibe Hong Kong konnte Bosch gute Geschäfte machen. Von Hong Kong ließ sich aber auch beobachten, wie sich das angrenzende China mit seiner Milliarde Bewohner wirtschaftlich entwickelte, und welche Chancen große internationale Unternehmen in diesem riesigen Land erwarten konnten. Bislang war Bosch, seit 1911 in China aktiv, dort nur über Vertriebspartner und Lizenznehmer präsent – Zeit für einen neuen Anlauf also. Die Wirtschaftsdaten in den chinesischen Zeitungen waren nicht immer zuverlässig, aber an den Veränderungen der Zahlen ließ sich ablesen, welche gewaltige wirtschaftliche Dynamik sich in China entfaltete.

Büroeröffnung und neue Gesellschaft

Der offizielle Auftrag der im Herbst 1986 eröffneten Repräsentanz in Hong Kong war es, das Geschäft im ostasiatischen Wirtschaftszentrum Hong Kong auszubauen, aber auch alle Chancen für Bosch in der Volksrepublik China auszuloten, zuerst das Handelsgeschäft mit Autozulieferteilen, vor allem aber den Aufbau von Bosch-Diensten.

Doch schon 1990 war die wirtschaftliche Öffnung Chinas so weit, dass Bosch ein eigenes Büro in Chinas Hauptstadt Beijing feierlich eröffnen konnte. Hong Kong blieb aber „Brückenkopf“ und wurde vor 25 Jahren in die Robert Bosch Hong Kong Co., Ltd. (RBHK) umgewandelt.

Globaler Einkauf als neue Option

Der Eingangsbereich von Bosch in Hong Kong, 2017
Der Eingangsbereich von Bosch in Hong Kong – mit Konterfei und Zitat des Gründers Robert Bosch, 2017

Dieser Schritt war bei Bosch nicht unumstritten gewesen, aber es war wiederum Unternehmenschef Bierich, der erneut Klaus Dieter Schwantes in knappen Worten einen neuen Auftrag gegeben hatte: „Sie machen eine Gesellschaft auf!“
Diese neue Gesellschaft hatte eine Aufgabe, der wiederum die Lage Honkongs in Asien zu Gute kam. Die Metropole war schon 25 Jahre zuvor ein gewaltiger Umschlagplatz für Produkte aus asiatischer Fertigung. Viele deutsche Industrieunternehmen kauften dort, Bosch bislang nicht. Das hatte man nun im Unternehmen erkannt – auch dank des Beobachters im Büro Hong Kong. So koordinierte die neue Gesellschaft nunmehr den Einkauf von Autozulieferteilen in Asien– wichtig für ein Unternehmen wie Bosch, das einen beträchtlichen Teil des Umsatzes für den Einkauf von Zulieferteilen ausgibt.

Neue Drehscheiben und Märkte

In China hat sich seitdem eine ungeahnt kraftvolle wirtschaftliche Dynamik entfaltet. Bosch-Geschäftsbereiche beschäftigen mittlerweile mehr als 55 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und es gibt seit 1999 eine eigene Landesgesellschaft, die Robert Bosch (China) Investment Co. Ltd. Aber die Präsenz in China wäre heute nicht so stark, hätten nicht kleine Schritte zur rechten Zeit den Weg bereitet.

Dazu gehörte auch der Aussichtpunkt und Horchposten, der sich zur Einkaufsdrehscheibe wandelte. Nach der Etablierung eigener Gesellschaften in China ist die RBHK, wie die Gesellschaft in Hong Kong im Unternehmen abgekürzt wird, heute mit anderen Aufgaben befasst.

Der Chef der Bosch-Landesgesellschaften Taiwan und Hong Kong, und die Personalchefin in Hong Kong, 2015
Bernd Barkey, Chef der Bosch-Landesgesellschaften Taiwan und Hong Kong, und Personalchefin in Hong Kong, Beatrice Schan, 2015

Die Zukunft aktiv gestalten

„Wir haben in der Vergangenheit wichtige Aufgaben zum Aufbau der Geschäfte von Bosch in ganz Süd- und Ostasien erledigt mit zuletzt großer Konzentration auf den Einkauf“, sagt Bernd Barkey, heutiger Chef der Regionalgesellschaften von Bosch in Taiwan und in Hong Kong. „Doch wir müssen nach vorne schauen und unser Aufgabenfeld stark erweitern. Hong Kong ist ein erstklassiger Standort für Services aller Art. Exzellent ausgebildete Fachkräfte, beste Infrastruktur, niedrige Steuern, weitest gehende Liberalisierung bei Finanz-, Waren-, und Dienstleistungsströmen bilden ein starkes Fundament.“

Doch Barkey legt Wert auf die Zukunft: „So wie China aus gutem Grund die Sonderstellung von Hong Kong beibehält, so müssen auch wir konsequent die Vorteile von Hong Kong für Bosch nutzen. Ich sehe zukünftig für Bosch in Hong Kong ein stark erweitertes Aufgabenfeld und will mit meinem Team entsprechende Chancen nutzen“ – so wie es Klaus Dieter Schwantes vor gut einem Vierteljahrhundert für Bosch getan tat.

Vielen Dank an Lao Gu, Rocky Leung und Cynthia Shun für die Fotos der Hong Kong-Skyline bei Tag und Nacht

Die Skyline von Hong Kong bei Nacht, 2017
Die Skyline von Hong Kong bei Nacht, 2017

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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