Messepavillon van Rijn, 1936
Geschichte

Startschuss Indonesien

100 Jahre Bosch in South East Asia

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Schon vor über einem Jahrhundert hatte sich Bosch auf allen fünf Kontinenten der Erde ein Handelsnetz aufgebaut. Überall dort, wo Menschen motorisierte Fahrzeuge kauften, sollte auch Bosch-Technik verfügbar sein. 1919 war es dann in Südostasien soweit: Die ersten Bosch Magnetzündsysteme waren beim Bosch-Vertreter auf Java erhältlich.

In den USA, Großbritannien und Frankreich war Bosch schon um 1900 präsent, weil sich hier der Automobilismus am frühesten entwickelte. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte der Einstieg in allen Ländern, in denen die Motorisierung erst jetzt an Dynamik gewann, um als Zulieferer vor Ort zu sein.

Zu den frühesten Beispielen dieser zweiten Internationalisierungswelle gehören die Staaten Südostasiens, in denen Bosch dieses Jahr das 100-Jahre-Jubiläum feiert. Das heutige Indonesien machte im Sommer 1919 den Anfang. Innerhalb weniger Jahre folgten die Staaten Malaysia, Singapur, Thailand und die Philippinen.

Die erste Präsenz von Bosch in Indonesien

Fernsehtechnik von Bosch bei einer Sport-Übertragung in Djakarta, Indonesien, 1986
Fernsehtechnik von Bosch bei einer Sport-Übertragung in Djakarta, Indonesien, 1986

Es war Willem van Rijn, der zum 1. Juli 1919 Bosch-Magnetzündungen für Automobile, Lastwagen und Motorräder in sein Verkaufsprogramm aufnahm. Van Rijn war für Bosch durchaus ein „alter Bekannter“. Sein Unternehmen war so alt wie Bosch, ebenfalls 1886 gegründet, und es unterhielt gute Kontakte nach Stuttgart. Schon seit 1903 vertrat van Rijn Bosch im Königreich Niederlande und war daher ein etablierter Partner.

In den 1920er Jahren konnten Automobilsten im heutigen Indonesien und anderen südostasiatischen Ländern all das kaufen, was Bosch für komfortableres und sicheres Fahren im Alltag anbot, wie etwa elektrische Starter und Hörner. In den 1930er Jahren kamen in Südostasien auch Vertretungen für Verkauf, Wartung und Reparatur von Dieseleinspritzpumpen hinzu, die Bosch Ende 1927 auf den Markt gebracht hatte.

Neue Vertreter im Wachstumsmarkt Indonesien

Bosch Rexroth-Technik steckt in diesen Schirmen, die Gläubige vor einer indonesischen Moschee vor der Sonne schützen.
Bosch Rexroth-Technik steckt in diesen Schirmen, die Gläubige vor einer indonesischen Moschee vor der Sonne schützen.

Aber oft trennen sich die Wege von Partnern, und so übernahm zum 1. Mai 1956, mehr als 35 Jahre später, die N.V. Fitrah mit Sitz in der indonesischen Hauptstadt Jakarta die Geschäfte mit der Robert Bosch GmbH. Indonesien war inzwischen ein unabhängiger Staat, bestehend aus über 17.000 Inseln.

Allerdings setzte Bosch auf verschiedene Partnerunternehmen, um einerseits ein ausreichend großes Geschäft im prosperierenden Inselstaat ohne Abhängigkeit von einem Einzelunternehmen garantiert zu wissen, andererseits um dieses Geschäft durch Wettbewerb zusätzlich zu stimulieren.

So vertraten ab 1961 auch die P.T. Diesel Electric Indonesia Ltd aus Djakarta und die Van Swaay International N.V., aus dem niederländischen Den Haag die Bosch-Bereiche Automobiltechnik, Hydraulikgeräte und Prüftechnik.

Joint Ventures - nach Handel auch gemeinsame Produktion in Indonesien

Bosch-Verpackungstechnik genießt auch in Südostasien einen guten Ruf. Das Bild zeigt eine Anlage in Indonesien im Jahr 2018.
Bosch-Verpackungstechnik genießt auch in Südostasien einen guten Ruf. Das Bild zeigt eine Anlage in Indonesien im Jahr 2018.

Zumeist hat Bosch in den Ländern, in denen das Unternehmen Verkaufsvertretungen einrichtete, auf lange Sicht auch mit der Fertigung begonnen, wenn die Größe des Marktes es als aussichtsreich erscheinen ließ. So war es auch in Indonesien. Am 2. Februar 1973 unterschrieb die Robert Bosch GmbH einen Vertrag mit der Indonesian Motor Company mit Sitz in Jakarta. Gegenstand des Vertrages war ein Gemeinschaftsunternehmen, das Zündkerzen für Automobil- und Motorradmotoren herstellt.

Dies blieb zunächst die einzige Zusammenarbeit, bis rund 20 Jahre später auch Joint Ventures in anderen Sparten entstanden, etwa der Industrietechnik 1994 mit der Wijaya Kusuma Contractors. Auch trat Bosch 1996 mit der Texmarco Perkasa Engineering in Verhandlungen über gemeinschaftliche Produktion von Startern, Generatoren und Motormanagementsystemen.

Die eigene Gesellschaft

Doch erst rund zehn Jahre später machte Bosch den ersten Schritt in Richtung einer Regionalgesellschaft vor Ort. 2006 öffnete die Repräsentanz in Djakarta ihre Türen, die zu der südostasiatischen Regionalvertretung in Singapur gehörte. Eine eigene Gesellschaft gründete Bosch rund zwei Jahre später, die PT (Limited) Robert Bosch. Ihr folgte der Aufbau einer Infrastruktur in Indonesien.

Für die Schulung von Autowerkstattbesitzern gründete Bosch das Service Training Center Automotive in Jakarta im Jahr 2010, für Automobilkunden mehrere Service Center in den Jahren bis 2013, in Jakarta, Bandung, Surabaya, Solo, Serang, South Tangerang and Banjarmasin, dazu 2012 eine Repräsentanz in Surabaya.

Im Folgejahr verkündete Bosch den Start einer eigenen Fertigung. Mit Wirkung vom 25. September 2013 wurde die PT Robert Bosch Automotive gegründet, deren Zweck die Herstellung und der Verkauf von Automobil-Komponenten für Benzineinspritzsysteme, Fahrwerksysteme und elektrische Antriebe ist.

Sie ist eine der vielen Gesellschaften, mit denen Bosch in den heutigen Staaten Südostasiens stetig wächst.

Erfahren Sie mehr darüber, wie Bosch zum Global Player wurde

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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