Löschübung am Standort Feuerbach (Stuttgart), 1917
Geschichte

100 Jahre Bosch Werkfeuerwehr

5 Minuten

06.02.2017

Der schmale Gang ist völlig verraucht, die Hitze nimmt stetig zu. Die Feuerwehrmänner, die sich in ihrer schweren Montur vorwärts kämpfen, können in der Dunkelheit kaum etwas erkennen.

Wendelin Mayr, der erste Bosch Feuerwehrkommandant, 1924
Wendelin Mayr, der erste Bosch Feuerwehrkommandant, 1924

Glücklicherweise handelt es sich nur um eine Übung in der neuen Atemschutzstrecke, die im Sommer 2016 im Bosch-Werk Feuerbach in Stuttgart eröffnet wurde. Das anspruchsvolle Training in diesem High-Tech-Käfig gilt als Königsdisziplin in der Feuerwehr-Ausbildung und ist bei Bosch in Deutschland nur an diesem ganz besonderen Standort möglich: Feuerbach ist mit über 100 Jahren der älteste noch bestehende Bosch-Standort und noch immer der weltgrößte.

Löschübung am Standort Feuerbach (Stuttgart), 1917
Löschübung am Standort Feuerbach (Stuttgart), 1917

Vor hundert Jahren wurde die Bosch-Fabrikfeuerwehr gegründet: Am 10. Februar 1917 wurde Brandmeister Wendelin Mayr von der Stuttgarter Berufsfeuerwehr zu Bosch abkommandiert. Sein Auftrag lautete, eine Feuerwehr für das Stuttgarter und Feuerbacher Bosch-Werk zu gründen und auszubilden. Nun sollte nicht mehr die Brandbekämpfung, sondern vorbeugender Brandschutz an erster Stelle stehen.

Die erste Mannschaft der Bosch-Fabrikfeuerwehr bestand aus 40 Feuerwehrleuten und Rettern. Die Ausstattung: eine ausfahrbare Leiter, zwei Atemschutzgeräte, ein Spritzenwagen und einige Handfeuerlöschern, nebst einigen Tragen und einem Erste-Hilfe-Koffer.

Fahrrad-Anhänger mit Löschmitteln, 1960
Fahrrad-Anhänger mit Löschmitteln, 1960
Löschfahrzeug im Feuerbacher Werk, 2016
Löschfahrzeug im Feuerbacher Werk, 2016

Neue technische Errungenschaften wie Motorspritze oder motorisierte Fahrzeuge erleichterten etwas später die gefährliche und schwere Arbeit der Bosch-Feuerwehr, die 1959 das erste Trockenpulver-Tanklöschfahrzeug in der Bundesrepublik erhielt.

Stolz kann die Werkfeuerwehr in ihrer Chronik vermerken, dass sie bis zum Zweiten Weltkrieg bei ihren Einsätzen keine Hilfe von außen in Anspruch nehmen musste. Im Gegenteil, bei Bränden und Katastrophen in der Umgebung rückte auch schon damals die Bosch-Feuerwehr an. Und das tut sie auch noch heute.

Herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten!

Werkfeuerwehr-Treffen am Standort Abstatt, 2006
Werkfeuerwehr-Treffen am Standort Abstatt, 2006

Angelika Merkle

Als Historikerin bin ich Ansprechpartner zu historischen Fragen für die Länder Südosteuropas, die Schweiz, Österreich und Afrika sowie die deutschen Standorte. Zudem biete ich Führungen durch unsere Ausstellung zur Bosch-Geschichte an und schreibe für verschiedene Publikationen.
Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Marburg und Tübingen und dem Großziehen zweier lebhafter Kinder, hält mich mein Greyhound auf Trab.

Aufnahme Angelika Merkle

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