Robert Bosch und seine Mitarbeiter feiern Magnetzünder Nummer 1000 mit einem Ausflug und Mittagessen, 1896
Geschichte

Der Erste Magnetzünder von Bosch – mehr als nur ein Auftrag

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Der junge Robert Bosch kümmerte sich um jeden erdenklichen Auftrag, um seine Firma in den ersten Jahren über Wasser zu halten.

Er installierte Schwachstromanlagen, Telefonstationen, elektrische Klingeln, Türkontakte und Wasserstandsfernmelder, später auch Rohrpostanlagen und elektrisches Licht.

Trotz dieses breiten Angebotes hatte Bosch in den ersten Jahren nicht immer genügend Aufträge, um seine Mitarbeiter ausreichend zu beschäftigen und zu bezahlen. Trotzdem wollte er ihnen nichts schuldig bleiben.

Geld für die Arbeiter

Arbeiter in Robert Boschs Werkstatt, um 1900
Arbeiter bei der handwerklichen Fertigung von Magnetzündern in Robert Boschs Werkstatt, um 1901

Manchmal musste er sich sogar Geld von einem wohlhabenden Nachbarn leihen, um seine Mitarbeiter am Freitag Nachmittag für die abgelaufene Woche zu bezahlen. Zudem benötigte er weiteres Kapital, um in eine moderne Ausstattung der Werkstatt zu investieren. Deshalb lieh er sich Geld bei seiner Mutter und nahm mit Bürgschaften der Familie einen Kredit auf. Später bezeichnete Robert Bosch die ersten Jahre der Selbstständigkeit einmal als „böses Gewürge“. Besonders schwer war das Jahr 1892, als er wegen Auftragsmangels gezwungen war, 22 von insgesamt 24 Mitarbeitern zu entlassen.

Ein Standbein

In diesen Höhen und Tiefen war es die Magnetzündung für Standmotoren, die dem jungen Unternehmen erste Stabilität bot. Sie erzeugte einen elektrischen Funken, der das Gasgemisch im Zylinder eines stationären Verbrennungsmotors entzündete.

Robert Bosch war eher zufällig darauf aufmerksam geworden, als ein Maschinenbauer ihn 1887 fragte, ob er ihm nicht so einen Magnetzünder nachbauen könne. Bosch nahm den Auftrag an, fuhr zu einem Betrieb, in dem ein solche Zünder stand und studierte die Konstruktion dort sehr genau

Erste Lieferung

Erster Magnetzünder von Robert Bosch, 1887
Erster Magnetzünder von Robert Bosch, 1887

An dem Motor war ein Apparat der Kölner Gasmotorenfabrik Deutz angebaut. Nachdem sich Robert Bosch beim Hersteller vergewissert hatte, dass der Magnetzünder nicht patentrechtlich geschützt war, baute er ihn nach. Am 8. Oktober 1887 lieferte er das erste Exemplar eines Bosch-Zünders an den Maschinenbauer Schmehl & Hespelt im württembergischen Städtchen Möckmühl. Robert Bosch hatte den Magnetzünder aber nicht einfach nur nachgebaut, sondern bereits weiterentwickelt – ganz im Sinne seines späteren Leitgedankens der ständigen Verbesserung. Er verwendete keine stabförmigen, sondern u-förmige Magneten. Die neue Lösung war leichter und weniger anfällig – und sie sorgte vor allem für eine höhere Leistung.

Ungeahnter Durchbruch

In den folgenden Jahren stellte Bosch die Magnetzünder in steigender, aber immer noch kleiner Stückzahl her: 1888 lieferte er insgesamt neun Stück aus, 1891 wurden bereits mehr als 100 bei Bosch gefertigt - damit machte der Magnetzünder schon über 50 Prozent des Umsatzes aus.

Doch erst die geniale Idee, ihn für den Einsatz in Automobilmotoren weiterzuentwickeln, brache Bosch den Durchbruch vom Werkstattbesitzer zum Fabrikanten.

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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