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Geschichte

Eine Geschichte der Bosch-Expertise, die externe Ideen serienreif macht

Gemeinsam zum Ziel kommen

Drei Männer, davon Robert Bosch in der Mitte

Um ein neues Produkt zu entwickeln, reicht eine gute Idee allein oft nicht aus. Die Kunst besteht darin es robust und leistungsfähig zu machen, um es in Serie produzieren zu können. Manchmal braucht es dazu auch einen Partner, der den entsprechenden Impuls liefert. Bosch hat im Lauf der Unternehmensgeschichte immer wieder Ideen aufgegriffen und ihnen zum Erfolg verholfen.

Mitarbeiterin und Mitarbeiter im Frisörladen, Forfex-Werbeschild im Hintergrund
Die „Forfex“ wurde schnell zum begehrten Haarschneidewerkzeug in Frisörsalons um 1930.

Die Idee war genial. Ernst Eisemann hatte in seiner Versuchswerkstatt ein neuartiges Elektrowerkzeug entwickelt, das keinen externen Hängemotor mehr brauchte, der Antrieb war im Griff verschwunden. Allerdings war das Gerät brandgefährlich, denn die Isolation ließ zu wünschen übrig und es lief schnell heiß. Ein Fall für den Bosch-Ingenieur Hermann Steinhart. Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit entwickelte er eine sichere Isolierung für die als Forfex bekannt gewordene Haarschneidemaschine. Klug vermarktet wurde sie 1928 zum Bestseller. Ohne die Hilfe von Steinhart wäre Eisemanns Gerät vielleicht in der Schublade verschwunden.

Es war Teamwork – wie so oft in der Bosch-Geschichte.

Schon 1897 konstruierte Robert Boschs Werkstattmeister Arnold Zähringer auf Wunsch eines Kunden einen Magnetzünder so um, dass er erfolgreich in Autos eingesetzt werden konnte. Die grundlegende Technologie des Produkts stammte nicht von Bosch, doch die Verbesserung brachte den Durchbruch für eine sichere Zündung im jungen Automobilsektor. Der Anstoß dazu war also von außen gekommen, doch der Kunde wusste genau, an wen er sich wenden musste. Bei Bosch erwartete ihn Qualitätsarbeit und ein Team, das große technische Expertise aufwies und sich nicht durch anfängliche Misserfolge entmutigen ließ.

Hinzu kam noch, dass Bosch eine große Fertigungskompetenz besaß. Zwar fertigten die Mitarbeiter um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert noch in Einzelproduktion, aber sie arbeiteten dabei mit modernem Werkzeug und nach neuesten Standards. Dafür sorgte Robert Bosch persönlich.

„Ich hatte nie den Ehrgeiz, etwas selber gemacht haben zu wollen. Ich ließ gern andere konstruieren und ließ sie auch gut verdienen. Ich hatte nur den Ehrgeiz sagen zu können, was bei mir gemacht wird, muss erstklassig sein und einwandfrei.“
Robert Bosch, 1921

Das Zusammenspiel mit einem starken Partner gab es auch in die andere Richtung. Für uns ist es heute nichts Besonderes mehr, beim Autofahren Musik oder Nachrichten zu hören, um 1930 herum war es das schon. Bosch hatte darum begonnen ein Autoradio zu entwickeln, konnte offene Fragen in der Radiotechnik aber nicht lösen. Also ging man auf die Ideal-Werke, ab 1938 als Blaupunkt bekannt, zu, die bereits große Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt hatten. Bosch selbst steuerte sein spezifisches Wissen in der Kraftfahrzeugelektrik und vor allem die Expertise in der Produktion bei. Aus der Zusammenarbeit entstand das erste in Serie gefertigte Autoradio Europas.

Autoradio mit Bedienteil
Eines der ersten Autoradios von Bosch und Blaupunkt, 1936
Ein Mann steckt eine geriffelte Elektronikplatte in einen Speicher.
Bei der Herstellung der ABS-Komponenten wurden elektronisch gesteuerte Schrauber verwendet. Die Elektronik brauchte 1982 noch einen großen Speicher.

Rund 40 Jahre später veranlasste Boschs Erfahrung im Bereich Elektronik, den Kunden Daimler-Benz AG, auf den Automobilzulieferer zuzugehen. Autos konnten immer schneller fahren, doch blockierende Reifen führten bei Vollbremsungen immer wieder zu schweren Unfällen. Deshalb interessierte sich Daimler für den „Blockierschutz für Fahrzeuge“, den die Firma Teldix GmbH entwickelt hatte. Das Produkt funktionierte an sich, die benötigte Elektronik hielt jedoch nicht lange durch. Doch damit kannte sich Bosch gut aus. Daimler stellte den Kontakt her und Bosch beteiligte sich an Teldix, um gemeinsam den Blockierschutz weiterzuentwickeln. Als Ergebnis kam 1978 schließlich das Antiblockiersystem ABS auf den Markt, das sich nach und nach als Standard durchsetzte und heute nicht mehr aus Fahrzeugen wegzudenken ist.

Im Werk Bamberg werden Zellen und Stacks der stationären Brennstoffzelle gefertigt.
Im Werk Bamberg werden Zellen und Stacks der stationären Brennstoffzelle gefertigt.

Es finden sich noch viele solcher Beispiele in der Bosch-Geschichte. Nehmen wir nur die Entwicklung des zündsicheren Gasschalters gemeinsam mit Junkers um 1930 oder die Weiterentwicklung der Common-Rail-Technik mit dem italienischen Partner Elasis 1997.

2018 wurde Ceres Power, ein Entwickler von stationären Brennstoffzellen auf die Produktionsexpertise von Bosch aufmerksam. Wichtig war sicher auch, dass Bosch nachhaltig und ressourcenschonend wirtschaftet. Denn die Idee von Ceres trägt zum Umweltschutz bei und passt deshalb ins Portfolio. Die stationäre Brennstoffzelle kann umweltschonend dazu beitragen, den steigenden Energiebedarf vor allem in großen Städten zu decken. Die Vorteile der Zusammenarbeit fasst Ceres-CEO Phil Caldwell so zusammen: „Die Kombination aus innovativer Ceres-Technologie und dem Fertigungs-Know-how von Bosch hat zukunftsweisende stationäre Brennstoffzellensysteme möglich gemacht. Diese werden zur Lösung der globalen Herausforderungen bei der Energiewende beitragen.“

Eines der jüngsten Beispiele ist die Kooperation bei der mobilen Brennstoffzelle mit Qingling in China 2021.

Sie mögen heute anders heißen, aber eine Zusammenarbeit wie die von Ernst Eisemann und Hermann Steinhart gab und gibt es immer wieder. Doch lässt sich der Erfolg nicht immer an einzelnen festmachen. Manchmal ist es auch die kreative Lösung einer Abteilung oder eines ganzen Unternehmens, das im Zusammenspiel mit Bosch innovative Technik für einen großen Kundenkreis auf den Markt bringt.

Christine Siegel

Aufnahme von Christine Siegel

Als Historikerin arbeite ich seit über 20 Jahren in der Historischen Kommunikation bei Bosch. Genauso lange bin ich für die historischen Printmedien verantwortlich und bin nun auch Teil der Online-Redaktion. Darüber hinaus bin ich Ansprechpartner für Fragen zur Geschichte von Bosch in Nord- und Südamerika, auf der Iberischen Halbinsel und Großbritannien – für Letzteres besonders gerne, denn dort habe ich drei Jahre lang gelebt.

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