Schalterraum der Bosch-BKK in Stuttgart, 1953
Geschichte

Eine Krankenkasse für Boschler

Vor 65 Jahren wird die Bosch-BKK gegründet

5 Minuten

29.06.2018

Wenn wir krank sind gehen wir zum Arzt und in Deutschland übernimmt unsere Krankenkasse die Kosten für die Behandlung. Eine Krankenversicherung ist für jeden hier Pflicht. Das war nicht immer so.

Mit diesem Wahlzettel konnten die Bosch-Mitarbeiter 1952 abstimmen.
Mit diesem Wahlzettel konnten die Bosch-Mitarbeiter 1952 abstimmen.

Erst in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland die Sozialversicherung eingeführt, deren Bestandteil auch die Krankenversicherung war. Die im Zuge der Industrialisierung rasch wachsende Arbeiterschaft bekam die soziale Härte bei Krankheit bzw. Arbeitsunfähigkeit voll zu spüren. Um den Vormarsch der sozialdemokratischen und sozialistischen Bewegungen, die die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter verbessern wollten, zu stoppen, führte das Deutsche Reich 1883 die Krankenversicherung ein. Die neue Versicherung funktionierte damals wie heute nach dem Solidaritätsprinzip. Jeder zahlt seinen Einkommensverhältnissen entsprechend ein und erhält im Krankheitsfall eine kostenlose medizinische Grundversorgung. Heute übernimmt auch der Arbeitgeber einen nicht geringen Anteil am Krankenversicherungsbeitrag.

Bosch-BKK-Flyer im Wandel der Zeit.
Bosch-BKK-Flyer im Wandel der Zeit.

Schon vor dem Gesetz von 1883 hatte es in Deutschland vereinzelt Krankenkassen gegeben, vor allem in den großen Fabriken. Dort waren dann nur die Arbeiter der jeweiligen Fabrik versichert. Bei Bosch wurde der Gedanke einer Betriebskrankenkasse für Mitarbeiter in Deutschland erst in den 1950er Jahren aufgenommen. Die Mitarbeiter waren aufgerufen, in einer Abstimmung für oder gegen die Einführung einer Bosch-Betriebskrankenkasse zu stimmen. Im Vorfeld gab es heiße Diskussionen über das Pro und Contra. Die Vorteile einer eigenen Kasse, in der im Gegensatz zur für alle zugänglichen Ortskrankenkasse nur Bosch-Mitarbeiter und ihre Familien versichert waren, lagen auf der Hand: Höhere Einkommen und niedrigere Krankenstände im Vergleich. Damit ließ sich entweder der Beitrag senken oder die Leistung für die Versicherten steigern. Allerdings lief dies dem Solidaritätsgedanken, der in der Krankenversicherung angelegt ist, zuwider. Denn in einer Versicherung für alle, zahlen die Jungen für die Alten und die Gesunden für die Kranken, die Besserverdienenden für die weniger Verdienenden. Man kann ja immer in die Position des anderen kommen.

Eine moderne Krankenkasse – die Bosch-BKK.
Eine moderne Krankenkasse – die Bosch-BKK.

Das Ergebnis der Abstimmung am 15. Februar 1952 war denn auch knapp. 56,4% der Bosch-Mitarbeiter entschieden sich für die Einführung einer Bosch-Betriebskrankenkasse. Diese ging am 1. Juli 1953 mit 12 668 Mitgliedern an den Start. Was als reine Versicherung für den Krankheitsfall begann, entwickelte sich in den letzten sechseinhalb Jahrzehnten zu einer modernen Krankenkasse, die außer betrieblicher Gesundheitsförderung auch die Intensivbetreuung von Versicherten sowie Unterstützung bei allen Pflegefragen zu ihren Schwerpunkten zählt. Bonusprogramme und Wahltarife runden das Leistungsprogramm ab. Das zeigt sich auch in der Entwicklung der Mitgliederzahlen. Zum 25-jährigen Jubiläum 1972 zählte die Bosch-BKK rund 25 500 Mitglieder, im Jahr 2002 bereits rund 120 000. Heute sind es rund 220 000.

Christine Siegel

Als Historikerin arbeite ich seit über 20 Jahren in der Historischen Kommunikation bei Bosch. Genauso lange bin ich für die historischen Printmedien verantwortlich, vor allem für das Magazin zur Bosch-Geschichte. Darüber hinaus betreue ich das historische Filmarchiv und bin Ansprechpartner für Fragen zur Geschichte von Bosch in Nord- und Südamerika und Großbritannien – für Letzteres besonders gerne, denn dort habe ich drei Jahre gelebt.

Aufnahme von Christine Siegel

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