Stuttgarter Premiere – Robert Bosch führt 1906 den 8-Stundentag ein
Anlässlich des 100 000sten Magnetzünders führte Robert Bosch am 23. Juni 1906 den 8-Stunden-Tag ein.
Der Zeit einen Schritt voraus
Anlässlich des 100 000sten Magnetzünders führte Robert Bosch am 23. Juni 1906 den 8-Stunden-Tag ein. In keinem anderen Industriebetrieb der schwäbischen Metropole durften die Arbeiter so früh die Werkbänke verlassen. Robert Bosch gehörte zu den ersten Industriellen in Deutschland, die diesen Schritt wagten. Die neue Arbeitsordnung legte fest, dass von acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends gearbeitet werden musste, einschließlich einer zweistündigen Mittagspause. Dies war gleichbedeutend mit einer 48-Stunden-Woche, weil der Samstag noch ein ganz normaler Arbeitstag war. Wie außergewöhnlich dies damals war, zeigt ein Blick auf die Arbeitszeiten in der Stuttgarter Eisen- und Metallindustrie: in mehr als der Hälfte der Betriebe wurde zwischen 57 und 60 Stunden in der Woche gearbeitet, in gut einem Drittel sogar noch länger.
Soziale und betriebswirtschaftliche Überlegungen
Neben sozialen veranlassten vor allem auch betriebswirtschaftliche Überlegungen Robert Bosch dazu, den Achtstundentag einzuführen. Der Bosch-Magnetzünder war weltweit ein Riesenerfolg. In den Jahren 1904 und 1905 wurde man der Nachfrage kaum Herr, obwohl die Zahl der Mitarbeiter stieg und die Fabrikanlage im Stuttgarter Westen stetig erweitert wurde. Deshalb wagte Robert Bosch eine Umstellung der Arbeitszeit und ließ in Doppelschichten zu je acht Stunden arbeiten.
Die positiven Erfahrungen aus diesem Experiment ermunterten Robert Bosch dazu, die Firma generell auf den Achtstundentag umzustellen. Denn obwohl nun jeweils eine Stunde weniger gearbeitet wurde, sank entgegen aller Erwartungen die produzierte Menge pro Schicht nicht. Im Gegenteil, die Stückzahl stieg sogar leicht an.
Der 8-Stundentag war nicht die einzige Besonderheit, die Robert Bosch als Arbeitgeber zu bieten hatte.
Autor: Dietrich Kuhlgatz