Elektrisch Fahren: Zukunftsprojekt mit Geschichte
Geschichte

Elektrisch Fahren: Zukunftsprojekt mit Geschichte

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Um 1900 lagen Elektromotor und Verbrennungsmotor beim Automobil noch gleichauf.

Im Stadtverkehr dominierte vor allem in den USA der komfortable Elektroantrieb, während auf dem Land der Verbrennungsmotor mit seiner höheren Reichweite bevorzugt wurde. Auch die 100 Stundenkilometer wurden zuerst von einem Fahrzeug mit Elektromotor gefahren: am 29. April 1899 erreichte Camille Jenatzy mit der „La Jamais Contente“ eine Geschwindigkeit von 105,882 Stundenkilometern.

Leistungselektronik eingebaut in ein Serienfahrzeug, 1967
Leistungselektronik aus dem Forschungsprojekt Elektromobil, eingebaut in ein Serienfahrzeug, 1967

Forschungsprojekt Elektromobil

Fahrzeug der weltweit ersten batterie-elektrischen Buslinie, 1974
Fahrzeug der weltweit ersten batterie-elektrischen Buslinie in Mönchengladbach, 1974

Bei Bosch begann die Geschichte des elektrischen Antriebs für das Auto in den 1960er Jahren. Schon damals ging es um eine Alternative, die gegenüber dem Verbrennungsmotor die Emissionen reduzieren konnte. Vor allem neue Vorschläge für Hochleistungsbatterien, die weit mehr Energie speichern könnten als die damals vorherrschenden Bleibatterien, hatten intensive Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet angestoßen.
In ihrem ersten Projekt ersetzten die Entwickler in einem Serienfahrzeug den Ottomotor samt Getriebe durch ein elektrisches Bosch-Antriebsaggregat. Damit war die Rücklieferung von Bremsenergie möglich, wobei der Motor als Generator mit elektronischer Regelung betrieben wurde.
Für einen Großversuch gingen im Oktober 1974 sieben Elektrobusse im Mönchengladbacher Liniendienst an den Start. Elektromotor, elektronische Steuerung und Hilfsaggregate kamen von Bosch. Die Batterie war sechs Tonnen schwer, so dass sie auf einem speziellen Einachs-Anhänger mitgeführt werden musste. Sie hatte eine Reichweite von 80 Kilometern und wurde turnusmäßig alle zwei Stunden vollautomatisch in knapp fünf Minuten an einer Spezialstation gewechselt

Hybridsysteme

Bosch-Studie Glasauto: der elektrifizierte Sportwagen
Bosch-Studie Glasauto: der elektrifizierte Sportwagen

Ein Jahr zuvor, zur IAA 1973, hatte Bosch die Entwicklungsstudie eines PKW-Hybrid-Antriebs mit Verbrennungs- und Elektromotor präsentiert. Bei den bis dahin üblichen Hybridfahrzeugen lud ein vom Verbrennungsmotor angetriebener Generator die Batterien, das Besondere der Bosch-Studie: Der Verbrennungsmotor diente nicht nur zum Laden, sondern auch zum Fahren, so dass er insgesamt deutlich weniger Energie verbrauchte.
Trotz richtungsweisender Forschungsergebnisse kamen diese Entwicklungen noch nicht über das Projektstadium hinaus. Größtes Hindernis blieb die unzureichende Batterieleistung. Dennoch ging die Forschungstätigkeit weiter. Bosch arbeitete in den 1980er und 1990er Jahren gemeinsam mit Automobilherstellern an zahlreichen Studien und Prototypen zu Hybrid- und Elektroantrieben.

Serienprojekte

2010 kamen mit dem VW Touareg und dem Porsche Cayenne die ersten Serienautos mit Hybridtechnik von Bosch auf den Markt. Dies waren zugleich die weltweit ersten Parallel-Vollhybriden. Das sind Fahrzeuge mit einer für die Hersteller flexiblen und modularen Elektrifizierungslösung, die ohne Spezialgetriebe auskommen.

Sie managen das Zusammenspiel von Verbrennungsmotor und E-Maschine im Wesentlichen durch eine moderne Steuerungstechnik. Insgesamt hat Bosch bis 2015 bereits 30 Serienprojekte für die Elektrifizierung des Antriebs realisiert.

Bettina Simon

Seit 2006 arbeite ich in der Historischen Kommunikation bei Bosch, zunächst im Bereich der Schriftgutarchivierung, mittlerweile bin ich für die Technikgeschichte zuständig und kümmere mich um die Produktsammlung. Anfragen zu Bosch in Osteuropa gehören zu meinen Aufgaben, außerdem betreue ich Ausstellungsprojekte in verschiedensten Museen.
Bei gutem Wetter drehe ich gerne eine Runde mit meinem Fiat 500 (Baujahr 1970).

Aufnahme von Bettina Simon

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