Rober Bosch und Mitarbeter
Geschichte

Robert Bosch als Arbeitgeber

„Mit-Arbeiter“ statt Lohnempfänger

7 Minuten

Robert Bosch war es wichtig, seine Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen und Potenziale zu fördern. Als sozial denkender Unternehmer sorgte er nicht nur für eine optimale berufliche Förderung, sondern auch für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen seiner Beschäftigten. Dies brachte ihm den Namen „Vater Bosch“ ein.

Betriebsausflug 1896. Die Mitarbeiterschar war noch überschaubar.
Betriebsausflug 1896. Die Mitarbeiterschar war noch überschaubar.

Als Robert Bosch 1886 in seine erste kleine Werkstatt in der Rotebühlstraße in Stuttgart einzog, geschah dies unter den neugierigen Augen eines vierjährigen Jungen, der im selben Haus wohnte. Dem kleinen Otto Fischer entging nichts: Er beobachtete wie der junge Mann mit Vollbart zu seinen Kunden aufbrach und schaute den Mechanikern bei ihrer Arbeit zu. Später wurde er selbst Mechaniker und fing 1905 bei Bosch an zu arbeiten.

Da er an der Einstellung nicht persönlich beteiligt war, wusste Robert Bosch zunächst nichts von seinem neuen Mitarbeiter. Als er diesen zufällig traf und davon erfuhr, besuchte er Otto Fischer gleich am nächsten Tag an seinem Arbeitsplatz.

Robert Bosch setzte auf den direkten Kontakt zu seinen Mitarbeitern. Sie sollten nicht nur Lohnempfänger sein, sondern sich als Teil des Ganzen betrachten und in die Unternehmensabläufe eingebunden sein.

„Es war ferner bei mir ständiger Grundsatz, mir willige Mitarbeiter heranzuziehen, und zwar dadurch, dass ich jeden möglichst weit selbstständig arbeiten ließ, ihm dabei aber auch die entsprechende Verantwortung auferlegte.“

Robert Bosch, 1918

Verantwortung zahlt sich aus

Eine Bosch-Abteilung auf Betriebsausflug traf zufällig auf den Unternehmenschef. Das musste natürlich bildlich festgehalten werden.
Eine Bosch-Abteilung auf Betriebsausflug traf zufällig auf den Unternehmenschef. Das musste natürlich bildlich festgehalten werden.

Dieser Verantwortung mussten die Mitarbeiter aber auch in allen Bereichen gerecht werden. Robert Bosch konnte als ökonomisch wirtschaftender Unternehmer sehr empfindlich und lautstark auf Unordnung am Arbeitsplatz oder mangelnde Qualität der Erzeugnisse reagieren. In den ersten Jahren im neuen Fabrikgebäude machte das folgende geflügelte Wort die Runde: „Hast du den Vater heute schon gesehen?“ – „Nein, aber gehört.“ Doch in der Titulierung „Vater“ wird auch eine andere Facette des Unternehmers deutlich, nämlich die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, die Robert Bosch besonders ernst nahm. In seinem unternehmerischen Handeln war ihm stets bewusst, dass immer mehr Mitarbeiter vom Schicksal seines Unternehmens abhängig waren. Dies wurde vor allem in Krisenzeiten für den Menschen Robert Bosch zu einer Belastung.

Motivation und Identifikation

Für den jungen Lehrling im Verkaufshaus Frankfurt wahrscheinlich ein Herzschlagmoment. Der zu Besuch gekommene Unternehmenschef prüft akribisch seine Arbeit nach.
Für den jungen Lehrling im Verkaufshaus Frankfurt wahrscheinlich ein Herzschlagmoment. Der zu Besuch gekommene Unternehmenschef prüft akribisch seine Arbeit nach.

Als sich das Werk immer weiter zum industriellen Großbetrieb entwickelte und der persönliche Kontakt zum einzelnen Beschäftigten nicht mehr möglich war, traten an die Stelle der persönlichen Fürsorge des Unternehmensgründers umfassende innerbetriebliche soziale Leistungen. Vorbildliche Arbeitsbedingungen sowie ein gutes Arbeitsklima kennzeichneten das Unternehmen seit seinen Anfängen. Robert Bosch wusste genau, dass die Motivation seiner Mitarbeiter von diesen Faktoren abhängig war, die somit letztendlich auch Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens hatten. Als einer der ersten Unternehmer führte er bereits 1906 den Achtstundentag ein. Aber nicht nur aus sozialer Fürsorge heraus, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen: Die Mitarbeiter arbeiteten effektiver und motivierter und bewältigten dasselbe Arbeitspensum in kürzerer Zeit. Darüber hinaus konnte auch das Zweischichtsystem eingeführt werden.

Im Grunde findet sich vieles von Robert Boschs Einstellung zur Eigenverantwortung der Mitarbeiter auch heute noch in den Führungsgrundsätzen, wie sie in „We lead Bosch“ formuliert sind. Führung auf Grundlage von Vertrauen und Wertschätzung hat schon der Unternehmensgründer vorgelebt. Und so formte Robert Bosch vor mehr als 100 Jahren ein erfolgreiches Industrieunternehmen mit Mitarbeitern, die sich in der Tradition des Gründers auch heute noch als „Mit-Arbeiter“ und nicht nur als Lohnempfänger und Angestellte verstehen.

Bis ins hohe Alter interessierte sich Robert Bosch für die Abläufe und die Mitarbeiter in seinem Unternehmen. Bei einer Führung im Feuerbacher Werk lässt sich der 80-Jährige alles zeigen und genau erklären.
Bis ins hohe Alter interessierte sich Robert Bosch für die Abläufe und die Mitarbeiter in seinem Unternehmen. Bei einer Führung im Feuerbacher Werk lässt sich der 80-Jährige alles zeigen und genau erklären.

„Neben Verantwortung ist auch Vielfalt als einer der Bosch-Werte eine Voraussetzung für unseren heutigen Erfolg. So fließen die verschiedenen Perspektiven, Erfahrungen und Stärken der Mitarbeiter auf direktem Weg in das Geschäftsgeschehen und den Wandel mit ein. Ein Beispiel dafür sind die Mitarbeiter-Netzwerke bei Bosch. Ich bin beeindruckt, wie viele Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Bereichen hier gegenseitig voneinander lernen und gemeinsam ihre Visionen im Interesse des Unternehmens vorantreiben. Dieses Engagement ist einfach großartig.“

Filiz Albrecht, Executive Vice President Human Resources bei Bosch

Christine Siegel

Als Historikerin arbeite ich seit über 20 Jahren in der Historischen Kommunikation bei Bosch. Genauso lange bin ich für die historischen Printmedien verantwortlich, vor allem für das Magazin zur Bosch-Geschichte. Darüber hinaus betreue ich das historische Filmarchiv und bin Ansprechpartner für Fragen zur Geschichte von Bosch in Nord- und Südamerika und Großbritannien – für Letzteres besonders gerne, denn dort habe ich drei Jahre gelebt.

Aufnahme von Christine Siegel

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