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Geschichte

Robert Bosch, der Naturschutz und die Ressourcenschonung

Mülltrennung, Vogelparadies, Wolle

Robert Bosch, der Naturschutz und die Ressourcenschonung

Robert Bosch war ein überzeugter Naturliebhaber. Der Tier- und Pflanzenwelt galt von Kindheit an sein größtes Interesse und deshalb setzte er sich für ihren Schutz ein. Die Natur blieb Zeit seines Lebens ein Ort des Rückzugs und der Erholung für Robert Bosch, die er auch gerne und oft erwanderte. Daneben war ihm als Unternehmer ressourcenschonendes Handeln sowohl aus finanziellen als auch ethisch-moralischen Gründen wichtig. Er legte damit den Grundstein für ein verantwortungsvolles und ressourcenschonendes Handeln, das bis heute in seinem Unternehmen immer weiter ausgebaut wurde.

Verbindungen zum Naturschutz

Lina Hähnle um 1890, © NABU/Archiv/Magda & Wilfried Knöringer
Lina Hähnle um 1890, © NABU/Archiv/Magda & Wilfried Knöringer

Zur Zeit Robert Boschs sprach noch keiner von Umweltschutz im heutigen Sinn, auch wenn bereits die ersten Folgen der industriellen Revolution für die Umwelt sichtbar wurden. Der Gedanke des Naturschutzes war in Deutschland ungefähr um 1820 entstanden. In erster Linie ging es darum, beeindruckende Landschaften zu erhalten. Während in den USA schon 1872 das Yellowstone-Gebiet zum ersten Nationalpark der Welt erklärt wurde, dauerte es in Deutschland bis 1920: mit der "Lüneburger Heide" entstand das erste deutsche Naturschutzgebiet. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Menschen erstmals als Schützer einzelner Tier- und Pflanzenarten in Aktion getreten. Zu den Pionieren des Vogelschutzes gehörte Lina Hähnle (1851-1941), die Gattin eines einflussreichen Filzfabrikanten. Sie gründete 1899 in Stuttgart den "Bund für Vogelschutz", die Keimzelle des heutigen Naturschutzbundes, in dem Robert Bosch bald Mitglied wurde. Er kannte die Gründerin und ihren Mann persönlich und stand hinter ihren Ideen des Naturschutzes.

Ein eigener Hof

Moderne Futtersilos auf dem Boschhof, um 1930
Moderne Futtersilos auf dem Boschhof, um 1930

Nicht primär um Naturschutz ging es Robert Bosch beim Boschhof, sondern vor allem um wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Er hatte 1912 zum Zweck der Moorverwertung Gelände in Oberbayern gekauft. Das geplante Verfahren erwies sich allerdings nicht als erfolgreich. Daraufhin beschloss er, die schlechten Böden in ein landwirtschaftliches Mustergut umzuwandeln. Aus sieben ehemals selbstständigen Bauernhöfen entstand der Boschhof. Er kehrte damit zu seinen Wurzeln und Interessen der Kindheit zurück: „Die Landwirtschaft als solche ist einer der interessantesten Erwerbszweige, die es gibt. Er ist so mannigfaltig wie kaum ein anderer; denn er ist verhängt mit Zoologie, Botanik, Geologie, Chemie, Meteorologie in den verschiedensten Auswirkungen.“

Er wollte die Prinzipien seiner industriellen Tätigkeit auch in der Landwirtschaft umsetzen. Dabei war nicht eine landwirtschaftliche Massenproduktion sein Ziel, sondern der Einsatz modernster Techniken, um qualitativ hochwertige Produkte zu erzeugen. Spezielle Maschinen wurden eingesetzt, die damals neu entwickelte Silofütterung eingeführt. Dass dabei auch der Naturschutz nicht zu kurz kam zeigt eine natürliche Methode zur Schädlingsbekämpfung, die dort zum Einsatz kam. Indem er auf dem Boschhof ein wahres Vogelparadies schuf, brauchte er keine Pestizide gegen Insekten. Diese Idee entstand wahrscheinlich in Diskussionen im Bund für Vogelschutz.

Zurück zur Natur
Robert Bosch in Gustav-Jäger-Wollkleidung, 1886

Homöopathie und Wolle

Die Verbindung einer modernen mit einer natürlichen Landwirtschaft war ein zentrales Anliegen der Lebensreformbewegung, die im 19.Jahrhundert entstanden war und deren Leitspruch zurück zur Natur lautete. Mit dieser Bewegung war Robert Bosch als junger Mann durch Gustav Jäger in Berührung gekommen. Jäger propagierte Reformkleider, die aus reiner Wolle waren und so die Körperfeuchtigkeit besser regulieren und die Gesundheit schützen sollten. An den eigenen Leib ließ Robert Bosch fortan fast nur noch Wolle. Zudem ließ er sich in erster Linie homöopathisch behandeln. Die Überzeugung, dass die Homöopathie über eine große Heilkraft verfüge, veranlasste ihn auch zur Stiftung des Robert-Bosch-Krankenhauses, das neben homöopathischen Grundsätzen auch für nachhaltiges Wirtschaften stand.

Ressourcenschonung

Ressourcenschonendes Heizkraftwerk im Feuerbacher Werk, 1937
Ressourcenschonendes Heizkraftwerk im Feuerbacher Werk, 1937

Nachhaltiges Wirtschaften spiegelte sich auch im Unternehmertum von Robert Bosch wider, so war auch die Ressourcenschonung von Anfang an ein Grundsatz von Robert Bosch. „Lasst keine Lampen unnötig brennen!“ – immer wieder erinnerte er seine Mitarbeiter daran. Neben den wirtschaftlichen Erwägungen ging es ihm durchaus auch um ethische Motive: weder „Kräfte“ noch „Naturschätze“ sollten verschwendet werden. In der Arbeitsordnung von 1920 wurde sogar schon aufgeführt: „Abfälle sind – nach Arten getrennt – in die dafür vorgesehenen, besonders bezeichneten Behälter zu bringen. […] Im Verbrauch von Licht, Kraft, Gas, Wasser und Druckluft und sonstigen Betriebsstoffen ist größte Sparsamkeit zu üben.“ Aus den vielen kleinen Errungenschaften der Anfangsjahre, die dazu geführt hatten, die Wirtschaftlichkeit des Betriebs zu erhöhen, wurden im Laufe der Unternehmensentwicklung gezielte Maßnahmen. Bereits 1935 führte Bosch ausgeklügelte Einrichtungen zum Sammeln, Verwerten und zur Abfuhr der anfallenden Abfälle ein. Auch die Wärmeerzeugung zeigt beispielhaft die beachtlichen Anstrengungen in ihrem zeitlichen Kontext: Der Standort Feuerbach setzte in den 1930er Jahren mit dem neuen Heizkraftwerk Maßstäbe bei der Energieeinsparung.

Robert Bosch starb 1942. Er erlebte den Wandel vom Naturschutz hin zum Umweltschutz in den 1970er Jahren nicht mehr. Die von ihm angestoßene Ressourcenschonung jedoch wurde ein Teil der „DNA“ seines Unternehmens.

Kathrin Fastnacht

Seit 2007 bin ich Leiterin der Historischen Kommunikation bei Bosch und beschäftige mich mit der Bewahrung und Vermittlung unserer Unternehmensgeschichte. Zuvor war ich über 10 Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Selbstständige in verschiedenen Museen tätig. Als promovierte Historikerin und Kulturwissenschaftlerin will ich zeigen, dass Geschichte nicht verstaubt sondern aktuell und spannend ist - denn Zukunft braucht Herkunft.

Aufnahme Kathrin Fastnacht

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