Robert Bosch und andere Personen
Geschichte

Reisen von Robert Bosch

„Zur Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten ...“

7 Minuten

Robert Bosch war schon in frühen Jahren ein wissbegieriger und reiselustiger Mensch. Die ersten Jahre nach der Gründung seiner Werkstatt hatte er weder das Geld noch den Kopf frei genug, um andere Länder zu besuchen. Mit der zunehmenden Internationalisierung seines wachsenden Unternehmens machte er sich trotz der damals wesentlich mühseligeren Reisebedingungen regelmäßig auf den Weg, um mit seinen Geschäftspartner und Mitarbeitern persönlichen Kontakt zu halten, neue Geschäftsideen zu sondieren, Probleme zu lösen und sich fachlich auf dem Laufenden zu halten.

Erste Geschäftsreisen ins Ausland

Szene eines Pariser Autorennens 1901. So dürfte Robert Bosch die Metropole an der Seine erlebt haben.
Szene eines Pariser Autorennens 1901. So dürfte Robert Bosch die Metropole an der Seine erlebt haben.

Als junger Mann fuhr er 1884 mit dem Schiff nach Amerika, um dort zu arbeiten. Im Anschluss bildete er sich in England fort. Mit der Eröffnung seiner Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik am 15. November 1886 in Stuttgart verwirklichte er sich seinen Traum. Dies und die Gründung einer Familie bedeutete reisetechnisch aber erst einmal Verzicht: „In den ersten 6-8 Jahren hatte ich nicht gewagt, mich länger von meinem Geschäft zu entfernen.“

Nachdem sich sein beruflicher Erfolg gefestigt hatte, fuhr er regelmäßig ins Ausland, um sich dort selbst ein Bild von den Geschäftsmöglichkeiten zu machen, seine Mitbewerber in Augenschein zu nehmen, und stets über den neuesten Stand der Technik informiert zu sein. So besuchte er im Dezember 1901 zusammen mit dem Flugzeug-Pionier Alberth Hirth als Reisebegleiter die Pariser Automobil-Ausstellung. Ein dort ausgestellter französischer Hochspannungs-Zündapparat war zwar auf den klangvollen Namen „La Comète“ getauft, konnte jedoch bei näherer Betrachtung nicht mit der Bosch Hochspannungsmagnetzündung mithalten.

Geschäftspartner Frederick R. Simms, um 1897
Geschäftspartner Frederick R. Simms, um 1897

Vom Januar 1903 bis Februar 1904 war Robert Bosch insgesamt drei Mal in London. Angesichts der damaligen Reisewege war das sehr mühsam, denn es bedeutete per Kutsche 750 km Landweg bis Calais (ca. 7 Tage), die Kanalpassage, plus 1 Tag Dover – London. Anlass für die Besuche waren Verhandlungen mit dem Vertreter in England. Im April 1898 hatte Robert Bosch Frederick R. Simms die Alleinvertretung für Bosch-Erzeugnisse in Großbritannien übertragen. Er war jedoch unzufrieden mit dessen unternehmerischer Strategie und dürfte in dieser Zeit versucht haben, in persönlichen Gesprächen wieder auf einen gemeinsamen Kurs zu kommen. Seine Bemühungen blieben erfolglos, 1907 trennte er sich von Simms und vertrieb die Erzeugnisse selbst in Großbritannien.

Als arrivierter Unternehmer über den Ozean

Werkzeugabteilung im neuen Werk Springfield, 1911
Werkzeugabteilung im neuen Werk Springfield, 1911

Vier Jahre später, im März 1911, startete Bosch im Alter von 50 Jahren zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn erneut in die Vereinigten Staaten. Inzwischen war er vom Handwerker zum Fabrikanten aufgestiegen und reiste bequemer. Er wurde nun wahrscheinlich vom Chauffeur im eigenen Auto nach Rotterdam ans Schiff gebracht. Von dort brauchte es 10-14 Tage, um den Ozean zu überqueren. Kein Wunder also, dass zwei Monate für die ganze Reise eingeplant waren. Anlass war der Besuch seines ersten US-amerikanischen Werkes in Springfield, das seit 1910 in Bau war. Zudem besichtigte er die Vertriebsgesellschaft in New York. Seine Frau Anna, aus dem kleinen beschaulichen Stuttgart kommend, war wenig angetan von der Stadt: „Ich kam noch nie in eine Großstadt, die mir so widerwärtig war beim ersten Eindruck. Das war so, daß ich am Liebsten gleich wieder heimgereist wäre. […] Der Verkehr ist ungeheuer.“ Ihrem Mann dürfte gerade das sehr gefallen haben, bedeutete es doch gute Geschäftsaussichten.

Reisen in Zeiten des Ersten Weltkrieges

Robert Bosch beim Angeln in Schweden, 1917
Robert Bosch beim Angeln in Schweden, 1917

Mit Ausbruch des Krieges brach der größte Teil des Umsatzes ein, zudem war reisen nur noch eingeschränkt möglich. Robert Bosch war wegen eines beschädigten Trommelfells nicht wehrtauglich und konnte deshalb weiterhin die Geschicke seines Unternehmens lenken und in befreundete und neutrale Länder reisen. Einen Reiseantrag ins neutrale Schweden zu seinem Vertreter Fritz Egnell begründete er wie folgt: „Diese Firma, die bisher meine geschäftlichen Interessen in Schweden vertreten hat, hat sich neuerdings bei mir auch um die Vertretungen in Norwegen und Dänemark beworben. Da ich als Ausfuhr-Firma künftig dem neutralen Ausland meine besondere Aufmerksamkeit werde widmen müssen, […] ist eine eingehende mündliche Aussprache vor Ort und Stelle nötig.“ Auch ins verbündete Österreich fuhr Robert Bosch im Spätherbst 1917 selbst zur „Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten.“ Diese persönlichen Kontakte erleichterten nach dem Krieg die erneute Anknüpfung. Aus Stockholm schrieb er Ende September 1919 an seine Frau Anna: „Hier in Schweden behauptet das Bosch-Erzeugnis den Markt mehr als je. In dieser Beziehung feiern wir geradezu Triumphe.“

Die große Südamerikareise

Außenansicht des Bosch-Verkaufshauses Buenos Aires in der Calle Rivadavia, 1926
Außenansicht des Bosch-Verkaufshauses Buenos Aires in der Calle Rivadavia, 1926

Robert Bosch stand in seinem 60. Lebensjahr, als er die Beschwerlichkeit einer Südamerikareise im Frühjahr 1921 auf sich nahm, um sich einen eigenen Eindruck von den Absatzmöglichkeiten und Entwicklungskräften dort zu bilden. Als erfolgreicher und weltweit tätiger Unternehmer leistete er sich eine Luxuskabine für 3840 holländische Gulden auf dem in Amsterdam startenden Schiff Brabantia. Am 16. März fuhr er nach Buenos Aires, wollte dort 12 Tage bleiben, von dort sollte es mit dem Schiff nach Rio weitergehen, um am 10. Mai zurückzufahren und am 26. Mai wieder in Amsterdam zu sein.

Beruflich war die Reise ein Erfolg. Bosch schrieb aus Santiago de Chile: „[…] es ist im Ganzen gut, dass wir die Reise machten, wir wissen jetzt, wie man hier vorgehen muss, die Leute halten auch selbst die Steigerung des Umsatzes für möglich […].“ Daraus erwuchs der Entschluss eines eigenen Verkaufshauses in Buenos Aires, das im Frühjahr 1924 eröffnete.

Anna Bosch und Sohn Robert Junior, um 1912
Anna Bosch und Sohn Robert Junior, um 1912

Während der Reise, am 7. April erreichte ihn aber die niederschmetternde Nachricht vom Tod seines Sohnes. Trotz mehrjährigem Leiden an Multipler Sklerose kam sein Tod unerwartet. Aus der Ferne versuchte Bosch seine Frau zu trösten: „So sehr man sich auch einen solchen friedlichen Ausgang seines Daseins erwünschen musste, hat mich doch die Tatsache, dass er nun verschieden ist, aufs tiefste bewegt. […] Aber der Schmerz, dass das früher so hoffnungsvolle Leben nun dahin ist, ist bitter […] Wie oft fragte ich mich, warum muss ich das Leben weiter haben und er, der junge, muss dahinsiechen?“

Schwierige Verhandlungen auf dem amerikanischen Kontinent

Robert Bosch war im Laufe des Jahres 1924 unruhig geworden, da „die Bemühungen m. eigenen Leute zu keinem Ergebnis führten“ beim Zukunftsprojekt Dieseleinspritzpumpe, das das Geschäft mit neuen Produkten beleben sollte. Er erklärte das Projekt kurzerhand zur Chefsache. Ziel von Robert Bosch war es, das Patent für die Einspritzpumpe eines Motors der American Crude Oil Company (Acro) nutzen zu dürfen. Die Annäherungen fingen harmonisch mit einer gemeinsamen Bären- und Elchjagd in Kanada im August des gleichen Jahres an, bei der er den Leiter der Acro, Albert Wielich, kennenlernte. Es stellte sich dann jedoch heraus, dass Wielich ihn an allen Patenten beteiligen wollte. Die leitenden Direktoren und Techniker von Bosch waren skeptisch und rieten ab.

Es folgte ein langes Hin und Her. Bosch war von Kanada aus in die USA gefahren und blieb dort mehrere Wochen, um vor Ort zu sein. Im Oktober fuhr er nach Deutschland zurück. Da die endgültigen Beschlüsse jedoch in Amerika getroffen werden mussten, fuhr Bosch erneut los. An seine Frau schrieb er: „Wenn ich in New York Glück hätte, könnte wol ziemlich viel besser werden. Das Geschäft geht ja immer ganz gut, aber wie die Zukunft sein wird, das ist schwer zu sagen. Immerhin, wir sind vorangekommen u. es ist Aussicht, daß es nicht schlechter wird.“ Schlussendlich wurde man sich teuer einig. Glücklich wurde man mit der Geschichte allerdings nicht. Man musste erkennen, dass man getäuscht worden war. Das Ende vom Lied war, dass man dabei so viel Expertise gesammelt hatte, dass nun das eigene Produkt herausgebracht werden konnte, das sehr erfolgreich wurde.

Robert Bosch (3.v.l.) und seine zweite Frau Margarete (1.v.r.) bei der Überfahrt nach Amerika, 1928
Robert Bosch (3.v.l.) und seine zweite Frau Margarete (1.v.r.) bei der Überfahrt nach Amerika, 1928
Robert und Margarete Bosch in Beechhurst bei New York, 1928
Robert und Margarete Bosch in Beechhurst bei New York, 1928

Damit aber nicht genug mit den Vereinigten Staaten. Eine weitere und letzte Reise nach Amerika unternahm Robert Bosch im November 1928 zusammen mit seiner zweiten Frau Margarete. Dieses Mal musste er zum Prozess mit der American Bosch Magneto Co in New York und Washington vor Gericht erscheinen. Es ging um die Markenrechte. Durch die Beschlagnahmung im 1. Weltkrieg war die Konkurrenzgesellschaft American Bosch Magneto Company entstanden. Dieser sollte verboten werden, den Namen Robert Bosch oder die Bezeichnung Bosch zu verwenden. Die Rückreise erfolgte über Paris. Am 1. Weihnachtstag waren Robert und Margarete Bosch zurück in Stuttgart. Ihren knapp einjährigen Sohn Robert „trafen wir gesund und munter und lustig wie immer an“.

Robert Bosch reiste auch danach noch durch die Welt, allerdings nicht mehr so weit und in erster Linie, um Urlaub zu machen.

Kathrin Fastnacht

Seit 2007 bin ich Leiterin der Historischen Kommunikation bei Bosch und beschäftige mich mit der Bewahrung und Vermittlung unserer Unternehmensgeschichte. Zuvor war ich über 10 Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Selbstständige in verschiedenen Museen tätig. Als promovierte Historikerin und Kulturwissenschaftlerin will ich zeigen, dass Geschichte nicht verstaubt sondern aktuell und spannend ist - denn Zukunft braucht Herkunft.

Aufnahme Kathrin Fastnacht

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