Stage-Bild mit autonomen Fahrzeugen im Stadtverkehr und Susan Shaheen.
Dr. Susan Shaheen

Shuttle-Express in die Zukunft

Im Gespräch mit der Professorin für Bau- und Umweltingenieurwesen und Co-Direktorin des Transportation Sustainability Research Centers an der Universität von Kalifornien, Berkeley

7 Minuten

14.06.2019

Liegt in selbstfahrenden Shuttlebussen die Zukunft unserer Alltagsmobilität? Die Professorin Susan Shaheen beschäftigt sich mit der Frage, wie diese neue Form der Fortbewegung für alle fair gestaltet werden kann. Sie sagt: Der Wandel auf unseren Straßen hat längst begonnen.

Eine Frau reserviert ein automatisiertes Shuttlefahrzeug mit ihrem Tablet-Computer.

Ein Smartphone – mehr braucht man in der Stadt der Zukunft nicht, um mobil zu sein. Per App lassen sich rund um die Uhr automatisierte Shuttlefahrzeuge buchen, die einen entweder von Tür zu Tür oder doch zumindest bis zur nächsten U-Bahnstation bringen.
„In Großstädten werden die meisten Menschen kein eigenes Auto mehr benötigen – vorausgesetzt, wir gestalten die Mobilität der Zukunft so, dass sie für alle zugänglich und damit fair ist“, sagt die Professorin Susan Shaheen von der kalifornischen Universität Berkeley.

Shaheen forscht bereits seit mehreren Jahren zur Shared Mobility und ihrem Einfluss auf unseren Alltag. Bis zum Jahr 2025, so ihre Prognose, wird es in vielen größeren Städten Europas, Nordamerikas und Teilen Asiens automatisierte Shuttleservices geben. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt, das dann allein in Europa, USA und China rund 2,5 Millionen Shuttlebusse unterwegs sind. Doch bis es soweit ist, muss noch einiges getan werden – nicht nur bei der Technik, sondern auch, was die sozialen Rahmenbedingungen angeht.

2,5 Millionen

Shuttlebusse werden laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger ab 2025 in Europa,
USA und China unterwegs sein.

Mehr Mobilität

Shaheen glaubt, dass die Shuttles viele Vorteile mit sich bringen: „Momentan ist die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel in manchen Gegenden schlecht. Das gilt zum Beispiel für dünn besiedelte Regionen. Durch selbstfahrende Shuttles könnten die dortigen Bewohnern mehr Zugang zu Mobilität erhalten. Außerdem werden die Shuttles flexibler sein und mit höheren Taktzeiten fahren als herkömmliche Busse oder Bahnen. Durch die Einsparung des Fahrpersonals könnten sie außerdem relativ günstige Fahrpreise anbieten.“

In bestimmten Gegenden, in denen Busse und Bahnen kaum verkehren, könnten die Shuttles den bisherigen öffentlichen Nahverkehr sogar komplett ersetzen und dadurch Gelder sparen. Viele gesellschaftliche Gruppen, die beim öffentlichen Nahverkehr bislang benachteiligt waren, könnten laut Shaheen besonders von den Shuttles profitieren. Dazu gehören Rollstuhlfahrer, aber auch Nachtschichtarbeiter, die zu später Stunde schnell und bequem ein Robo-Taxi rufen könnten, anstatt lange an der Bushaltestelle auf den Nachtbus zu warten.

Bereits im Umbruch

Laut Shaheen hat die automobile Zukunft in vielen Städten längst begonnen. Zwar seien Fahrten in Robo-Taxis, wie sie das Unternehmen Lyft in Las Vegas anbietet, derzeit noch in einer frühen Testphase. Doch Shared Mobility Services, wie Uber oder SPLT gehören inzwischen zum Alltag vieler Menschen. „Wir können schon jetzt einen Wandel im städtischen Mobilitätsverhalten beobachten“, so Shaheen. „Vielen Stadtbewohnern ist es nicht mehr wichtig, ein eigenes Auto zu besitzen. Stattdessen sind immer mehr Menschen bereit, Fahrzeuge mit Fremden zu teilen.“ Die Nutzung der On-Demand-Mobilität wird laut Shaheen weiter zunehmen, wenn selbstfahrende Shuttles flächendeckend in den Städten unterwegs sind.
Dann ändern sich auch die Fahrgewohnheiten: „In selbstfahrenden Shuttles müssen sich die Passagiere beispielsweise nicht auf den Straßenverkehr konzentrieren, sondern können während der Fahrt im Internet surfen, E-Mails lesen, mit Kollegen an einer Präsentation arbeiten oder Filme und Serien schauen“, sagt Shaheen.

„Es darf nicht sein, dass sich Diskriminierung in Algorithmen verfestigt und Menschen von Mobilität und automatisierten Fahrservices ausgeschlossen werden.“

Susan Shaheen

Fair Mobility

Eine Stadtszene mit Passanten und selbstfahrenden Autos.

Bei den Shuttlebussen spielen für Susan Shaheen neben den technischen auch die sozialen Fragen eine wichtige Rolle. Deshalb hat die Verkehrswissenschaftlerin einen Rahmenplan namens STEPS erarbeitet. Die Abkürzung steht für die englischen Begriffe spatial (räumlich), temporal (zeitlich), economic (wirtschaftlich), physiological (physiologisch) und social (sozial). Der Plan enthält Leitlinien, mit denen sich soziale Ungerechtigkeit identifizieren lässt und soll unter anderem dazu beitragen, dass alle Bevölkerungsschichten gleichberechtigten Zugang zum automatisierten Fahren erhalten.

STEPS soll dabei in erster Linie soziale Barrieren sichtbar machen, die bei der Mobilitätsplanung eventuell übersehen werden könnten. „Zum Beispiel fühlen sich manche Menschen aus bestimmten Kulturen nicht wohl dabei, wenn sie ein Fahrzeug mit einem Fremden teilen müssen“, sagt Shaheen. „Und es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass manche der heute schon verfügbaren Mitfahrdienste ärmere Stadtviertel meiden, was die dortigen Bewohner benachteiligt.

Es darf nicht sein, dass sich Diskriminierung in Algorithmen verfestigt und Menschen von Mobilität und automatisierten Fahrservices ausgeschlossen werden. Aufgrund ethnischer Aspekte, des Alters oder der körperliche Verfassung dürfen keine Nachteile entstehen.“ Senioren oder Menschen mit Behinderung könnten beispielsweise Schwierigkeiten haben, ein autonomes Shuttle per App zu buchen. Anderen Menschen wiederum fehle das Geld, sich ein Smartphone zu kaufen, das die neuesten Apps wiedergibt. „Die jeweiligen Services müssen deshalb so barrierefrei wie möglich ausgelegt sein,“ fordert Shaheen.

Ein Portraitbild von Susan Shaheen.

Dr. Susan Shaheen

Professorin für Bau- und Umweltingenieurwesen  und Co-Direktorin des Transportation Sustainability Research Centers an der Universität von Kalifornien, Berkeley

Susan Shaheen gilt als Pionierin und Vordenkerin im Bereich der Zukunftsmobilität. Bereits sehr früh untersuchte sie die gesellschaftlichen Veränderungen der Shared Mobility und anderer Szenarien, durch die das automatisierte Fahren an Bedeutung gewinnt. Als eine der ersten Wissenschaftlerinnen erforschte sie die gesellschaftlichen Auswirkungen des Carsharings und entwickelte die Typologie eines Ökosystem zur Shared Mobility. Deshalb wird sie auch als „Mutter der Shared Mobility“  bezeichnet.

Blick in die Zukunft

Das Bosch IoT-Shuttle an einem Messestand.

Auf der CES 2019 in Las Vegas gab Bosch mit dem elektrisch angetriebenen IoT-Shuttle einen Ausblick darauf, wie die Mobilität der Zukunft aussehen könnte. Vorgestellt wurde ein Shuttle-Konzeptfahrzeug mit einem Ökosystem an dazugehörigen Services. Diese können genutzt werden, um das Shuttle zu buchen, es mit anderen Fahrgästen zu teilen und die Bezahlung über ePayment abzuwickeln. Das IoT-Shuttle ist mit seinem Umfeld vernetzt. Es kommuniziert mit anderen Fahrzeugen, lokalisiert seine Position auf der Straße zentimetergenau und passt seine Fahrweise an die Umgebungsbedingungen an.

Für das Infotainment gibt es Bildschirme, die jeder Fahrgast entweder für sich oder mit anderen Passagieren nutzen kann. Familien können während der Fahrt gemeinsam einen Film anschauen und Arbeitskollegen teilen eine Präsentation auf dem großen Hauptbildschirm in der Mitte. Der Service endet aber nicht beim Verlassen des Fahrzeugs.

Hat einer der Passagiere seine Tasche oder seinen Laptop vergessen, wird dies von einem kamerabasierte System zur Innenraumerkennung erfasst. Das Shuttle informiert den Passagier dann direkt, indem es ihm eine Benachrichtigung auf sein Handy schickt. Die Kameras erfassen auch, ob Kaffee verschüttet wurde und das Shuttle eine Reinigung braucht, sodass es seine Fahrten stets in sauberem Zustand antritt.

Zwei Personen nutzen ein Bosch IoT-Shuttle.

Bosch IoT-Shuttle — Die Mobilität von morgen

Das Bosch IoT-Shuttle ist eine Vision für die Mobilität von morgen. Selbstfahrend, elektrisch und mit einem großen Infotainment-Angebot an Bord.

Fazit

Automatisierte Shuttles werden die Mobilität vieler Menschen verbessern. Laut Susan Shaheen sollte soziale Gerechtigkeit bei der Entwicklung von innovativen Transportdienstleistungen eine wichtige Rolle spielen. Bosch hat mit dem IoT-Shuttle gezeigt, wie ein automatisiertes und vernetztes Elektrofahrzeug mit den dazugehörigen Services aussehen könnte.

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