Vom Flugzeug zum Flügeltürer: Bosch-Benzineinspritzung
Geschichte

Vom Flugzeug zum Flügeltürer: Bosch-Benzineinspritzung

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Als Erstes im Flugzeug, als zweites im Kleinwagen, als drittes im Luxuscoupé und heute Standard. Gegensätzlicher kann man es sich kaum vorstellen: Die Benzineinspritzung war kein gewöhnliches Produkt von Bosch.

Der Transfer zum Auto

Diese wechselhafte Existenz hatte ihren guten Grund. Zuerst war das Verfahren der Benzineinspritzung von Bosch Anfang der 1930er Jahre für Flugzeuge entwickelt worden, um die Leistung der Motoren zu steigern. Dem Ende des seit 1933 herrschenden Nazi-Regimes in Deutschland folgte 1945 auch das vorläufige Aus für die militärisch geprägte Luftfahrtindustrie.

Aber wo, so stand bei Bosch die Frage im Raum, konnte die teure Technologie anderswo erfolgreich sein? Das Auto war durchaus einen Versuch wert. Dort hatten Bosch-Entwickler schon in den 1920er Jahren erste Versuche gemacht – ohne Erfolg.

Erste Benzineinspritzpumpe für Gutbrod Superior, 1951
Erste Benzineinspritzpumpe für Gutbrod Superior, 1951

Immerhin fast 30 PS

Mercedes-Benz 300 SL mit Bosch Benzineinspritzung, 1954
Mercedes-Benz 300 SL mit Bosch Benzineinspritzung, 1954

Einige Motorenentwickler, die das Thema gut kannten, gingen zu Autoherstellern, so wie zu Gutbrod. Und damit blieben für Bosch bewährte Kontakte, die nun an anderer Stelle halfen. Leistung war bei der Einspritzung im Auto durchaus ein interessantes Thema. Sie wuchs beim Gutbrod Superior 700, einem Zweisitzer mit Sonnenverdeck, von 26 auf 30 PS. Aber eigentlich ging es darum, dem simplen Zweitaktmotor das übermäßige Trinken abzugewöhnen. Der Kleinwagen, der 1951 auf der Frankfurter Automobilausstellung vorgestellt wurde, verbrauchte nämlich in der Vergaserversion gut und gern 8 Liter auf 100 Kilometern.

Vom Vortasten zum Standard

Doch der erste Einsatz im Auto blieb eine erfolglose Episode. Damals im Jahr 1952, zog Benzinverbrauch noch nicht wirklich als Argument, erst die Anwendung in der Luxusklasse vermochte Kundschaft anzuziehen – mit wesentlich mehr Motorleistung. Und so war es der legendäre „Flügeltürer“ Mercedes-Benz 300 SL, der ab 1954 betuchten Käufern mit 215 PS zügiges Vorankommen ermöglichte. Die Machbarkeit war jetzt erwiesen, aber es sollte noch über 30 Jahre dauern, bis sich die Benzineinspritzung gegenüber ihren Vorläufern, den Vergasern, endgültig durchsetzte. Der 300 SL war mit rund 1400 gebauten Exemplaren kein Massenprodukt. Nur allmählich fassten in der Oberklasse Benzineinspritzungen Fuß, meist aber keine direkt, sondern indirekt wirkende. Die Motoren liefen dann ruhiger, waren aber weniger kräftig.

Selbst gut ein Jahrzehnt später, als die elektronisch gesteuerten Nachfolgesysteme 1967 auf den Markt kamen, war es noch ein Nischenmarkt. Den wirklichen Durchbruch brachten erst die zunehmend strengen Abgasgesetze der späten 1960er und 1970er Jahre.
Jetzt kam ein entscheidender Vorteil der Benzineinspritzung zum Zug, der sie unverzichtbar machte: Sie konnte perfekt auf den Einsatz von Abgaskatalysatoren abgestimmt werden, die Emissionen um bis zu 90 Prozent reduzieren und ohne die ein neues Auto heute nicht mehr denkbar ist.

Benzineinspritzpumpe, Mercedes-Benz 300SL
Benzineinspritzpumpe, Mercedes-Benz 300SL

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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