Trevor Milton, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Nikola Motors vor einem grünen Hintergrund.
Trevor Milton

Wasserstoff-Lkw: Mit bis zu 1 000 PS in die Zukunft

Im Gespräch mit dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden von Nikola Motors

5 Minuten

25.08.2020

Ein Startup aus Arizona bereitet den Weg für einen lokal emissionsfreien Lieferverkehr: Mit Wasserstoff-Lkw will Nikola Motors die Zukunft des klimaneutralen Transportwesens einläuten. Bosch hilft dem Unternehmen, den Brennstoffzellenantrieb für Trucks massentauglich zu machen.

Trevor Milton, während einer Interviewsituation.

Ein Warentransport per 40-Tonner, bis zu 1 100 Kilometer weit und das ganz ohne Tankstopp und lokale Emissionen: Mit dem weltweit ersten Riesentruck mit Brennstoffzellenantrieb plant Trevor Milton den Lastentransport zu revolutionieren. 2015 hat er das Startup Nikola Motors gegründet – heute ein weltweit führendes Unternehmen für emissionsfreie Transport- und Infrastrukturlösungen – und sich auf die Herstellung von Batterie- und Wasserstoff-Lkw spezialisiert. In diesem Jahr 2020 testet Nikola die rein batteriebetriebene Variante des Truck-Modells Tre, die Lieferung an Kunden ist für 2021 geplant. 2023 folgt dann der Nikola Tre mit Brennstoffzellenantrieb.

1 000 PS Höchstleistung, null CO₂

„Der Brennstoffzellen-Truck wird unser fortschrittlichstes Fahrzeug“, sagt Milton. Mit 1 000 PS Höchstleistung und 1 100 Kilometer Reichweite soll er ungefähr doppelt so leistungsfähig wie bisherige Diesel-Modelle werden – und im Fahrbetrieb kein einziges Gramm CO₂ ausstoßen. Kernstück des Trucks ist ein Antriebsstrang mit zwei Elektromotoren und einer Gesamtleistung von 480 kW, der seine Energie aus einer Batterie und einer Brennstoffzelle zieht. Der Wasserstoff für die Brennstoffzelle wird in zwei großen Tanks gespeichert, die mit einem Druck von 700 bar innerhalb von 15 bis 20 Minuten komplett aufgefüllt werden können.

„Wir haben viele Innovationen entwickelt – und Bosch hilft uns als Partner, sie umzusetzen und auf die Straße zu bringen“, sagt Milton. „Bosch hat sich alle unsere Technologien und Systeme genau angeschaut. Sie haben uns dabei unterstützt, den Truck weiter zu verbessern und zur Marktreife zu bringen.“ Mit der weltweit ersten Elektro-Achse für Nutzfahrzeuge mit Doppelantrieb liefert Bosch die Basis für den Antrieb des Wasserstoff-Trucks. Die sogenannte eAchse vereint Motor, Antriebselektronik und Getriebe in einem Gehäuse.

„Für den Antrieb der Zukunft gibt es keine Universallösung. Ich glaube, dass es unterschiedliche Arten benötigt.“

Trevor Milton, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Nikola Motors

Sattelschlepper mit Superrechner

Der Antrieb ist aber nicht die einzige Innovation: Mit seiner vollvernetzten Steuerarchitektur gleicht er einem rollenden Supercomputer. „Statt vieler kleiner Steuerelemente haben wir wenige, dafür aber sehr leistungsstarke Bordcomputer verbaut. Sie verarbeiten Daten, die unter anderem für das autonome Fahren oder das Infotainmentsystem eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Milton. Die Rechenleistung für die zahlreichen Funktionen stellt die Vehicle Control Unit von Bosch bereit. Als zentrales Steuergerät koordiniert sie die verschiedenen Komponenten des Antriebsstrangs und ermöglicht beispielsweise Over-the-Air-Updates.

1 100 Kilometer

weit kommt der Nikola Truck mit einer Tankfüllung Wasserstoff.

Wasserstoff marsch!

Ein LKW mit Wasserstoffantrieb auf einer Straße inmitten der Natur.

Trevor Milton sieht im Wasserstoff die ideale Lösung für den Fernlastverkehr: „Der Brennstoffzellenantrieb ist in der Regel leichter als batterie-elektrische, außerdem ist der Tankvorgang schnell erledigt.“ Ein zusätzlicher Vorteil: Wenn der Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien produziert wird, ist er komplett emissionsfrei: „Von der Produktion bis zum Verbrauch entsteht null Kohlenstoffdioxid.“ Das Problem mangelnder Tankmöglichkeiten will Nikola mit dem Aufbau einer eigenen Infrastruktur lösen. „Wir entwickeln nicht nur die Lastwagen, sondern denken und planen die Tankmöglichkeiten obendrein gleich mit“, so Milton. Bis 2028 will er mit seinem Team ein flächendeckendes Netz von regenerativ betriebenen Wasserstofftankstellen in Nordamerika schaffen, bis 2030 in Europa.

Es gibt nicht „die eine Lösung“

Obwohl er vom Wasserstoffantrieb überzeugt ist, zeigt sich Trevor Milton auch offen für andere Technologien. „Für den Antrieb der Zukunft gibt es keine Universallösung“, sagt er. Ob Batterie, Brennstoffzelle oder die Kombination aus beiden Systemen die richtige Lösung ist, hängt vom Einsatzprofil des Fahrzeugs ab: „Der Vorteil beider Antriebsstränge liegt darin, dass sie lokal emissionsfrei sind. Batterieelektrische Lastwagen eignen sich dabei für Strecken von bis zu 500 Kilometern. Für längere Distanzen – oder für Anwendungen, bei denen das Gewicht zählt – macht ein Wasserstoffantrieb mehr Sinn. Nikola bietet beides an.“

Interview mit Trevor Milton, Gründer und Vorstandsvorsitzenden von Nikola Motors

Ein Portrait von Trevor Milton.

Trevor Milton, 38

Gründer und Vorstandsvorsitzender von Nikola Motors

So wie wir die Leute bereits für emissionsfreie Transportlösungen begeistert haben, werden wir es mit dem Nikola Pickup-Truck auch beim motorisierten Individualverkehr schaffen.

Seit er Sozialarbeiter in Brasiliens Favelas war, spielt der Umweltschutz für Trevor Milton eine wichtige Rolle. 2010 gründete er Hybrid Systems, einen Entwickler von Erdgas-Betankungssystemen für Lkw in Salt Lake City. Bereits fünf Jahre später, im Jahr 2014, gründete er mit Nikola Corporations sein zweites Start-Up. Der Nutzfahrzeughersteller mit Sitz in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona ist ein weltweit führendes Unternehmen für emissionsfreie Transport- und Infrastrukturlösungen und hat sich auf die Entwicklung von Brennstoffzellen-Lkw spezialisiert. Es plant den Aufbau eines flächendeckenden Wasserstofftankstellen-Netzes in Nordamerika und Europa. Außerdem hat das Unternehmen angekündigt, einen Pick-Up mit Batterie- und Brennstoffzelleantrieb mit fast 1 000 Kilometer Reichweite zu entwickeln.

Fazit

Das US-Unternehmen Nikola Motors will mit dem weltweit ersten 40-Tonnen-LKW mit Wasserstoffantrieb die Nutzfahrzeugbranche revolutionieren. Gründer und CEO Trevor Milton ist überzeugt, dass die Brennstoffzelle als Antriebstechnologie eine entscheidende Lösung für den Fernverkehr der Zukunft ist.

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