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Nachhaltigkeit

Hilfe zur Selbsthilfe

Interview mit Yao Qin

Clock 10 Minuten

Yao Qin

Yao Qin ist Vorsitzende des Bosch China Charity Centers (BCCC) und berichtet über die Bildungssituation in den westlichen Regionen Chinas und Strategien, um die Lernbedingungen für Schüler und Studenten langfristig zu verbessern.

Yao Qin, Vorsitzende des Bosch China Charity Centers (BCCC)
Yao Qin: „Unser Ziel ist es, mittellosen Schülern und Studenten Zuschüsse zur Berufsausbildung zu gewähren und ihnen bei herausragenden Leistungen Stipendien zu finanzieren.“

Das Bosch China Charity Center verfolgt das Ziel, benachteiligten Teilen der Bevölkerung durch Bildung neue Chancen zu eröffnen.

Wie ist die aktuelle Lage in China, insbesondere im mittleren Westen des Landes?

Qin: Landesweit ist die Armutsquote in China von 2010 bis 2012 von 17,2 Prozent auf 10,2 Prozent gesunken. In fast allen westchinesischen Provinzen liegt die Quote jedoch noch über 20 Prozent. Von den 100 Millionen Menschen, die Ende 2012 in China in ärmlichen Verhältnissen lebten, kommen zwei Drittel aus den westlichen Regionen. Aber wir sehen einige Verbesserungen. So ist zum Beispiel der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln auf 92,8 Prozent gestiegen, was einem Anstieg um 4,7 Prozent gegenüber 2010 entspricht. Der Anteil der Haushalte mit Stromanschluss hat sich um 0,8 Prozent auf 98,8 Prozent erhöht.

Wie sieht es mit den Bildungschancen in dieser Region aus? Gibt es ausreichend Schulen, Universitäten und qualifizierte Lehrkräfte?

Qin: Die Einschulungsquote für Vorschulkinder ist bis Ende 2012 in den Landkreisen, die Teil des staatlich geförderten Programms zur Armutsbekämpfung sind, auf 97 Prozent gestiegen. Doch die Bildungsinfrastruktur in der westlichen Region ist immer noch ungenügend. Die Mehrzahl der Schulgebäude ist nicht sicher, zudem haben über 90 Prozent keine Mensa. Außerdem ist die Anzahl qualifizierter Lehrkräfte recht begrenzt. Nehmen wir zum Beispiel die Gajia-Grundschule im Kreis Hualong, eines der von uns unterstützten Projekte: In dieser Schule mit 235 Schülern gibt es gerade einmal zehn Lehrer. Nur die Hälfte von ihnen hat eine Ausbildung erhalten, die sie ausreichend für ihre Tätigkeit qualifiziert.

Wie hilft das Bosch China Charity Center? Welche Schritte ergreifen Sie in der Praxis, um die gerade beschriebenen Probleme zu bekämpfen?

Qin: Zum einen bieten wir „Hardware“-Unterstützung, indem wir helfen, die Infrastruktur im Bildungsbereich zu verbessern. Die Programme „Bosch Caring School“, „Bosch Caring Canteen“, „Bosch Caring Library“ und „Bosch Solar Heating Poverty-Relief“ sollen zum Beispiel mit neuen Schulgebäuden, Mensen, Bibliotheken und Solarheizungsanlagen zu einem besseren Lernumfeld beitragen. Die oben genannten Programme helfen uns dabei, ein solides Fundament für unsere gemeinnützige Arbeit zu schaffen. Zum anderen bieten wir „Software“-Unterstützung in Form von Schulungsprogrammen und ehrenamtlichen Aktivitäten an. Die Programme „Bosch Inspiration Class“, „Bosch Summer Camp“ und „Bosch Bursary“ sollen mithilfe von Berufsausbildungen, Sommercamps und Stipendien sowohl die Fähigkeiten der Schüler und Studenten als auch die Kompetenzen der Lehrkräfte weiterentwickeln. Damit tragen sie langfristig zur Armutsbekämpfung im westlichen China bei. Wir handeln gemäß dem westlichen Sprichwort: „Gib einem Mann einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen, und du ernährst ihn ein Leben lang.“

Wie hat sich die Tätigkeit des BCCC seit seiner Gründung 2011 entwickelt?

Qin: Wir haben einen Drei-Jahres-Plan mit insgesamt 40 Projekten aufgestellt. Fünf davon sind bereits abgeschlossen, und sieben weitere Projekte befinden sich derzeit in der Umsetzung. Eines davon ist die so genannte „Bosch Inspiration Class“. Ziel dieses Projekts ist es, mittellosen Schülern und Studenten Zuschüsse zur Berufsausbildung zu gewähren und ihnen bei herausragenden Leistungen Stipendien zu finanzieren. Ende 2013 belief sich die Gesamtsumme der vom BCCC zugesagten Gelder auf über 31 Mio. CNY (umgerechnet ca. 3,7 Mio. EUR). Insgesamt werden 6.000 Schüler, Studenten und Lehrer davon profitieren.

Nach dem Erdbeben in der Provinz Sichuan im April 2013 hat das BCCC 5 Mio. CNY (ca. 600 000 EUR) für den Wiederaufbau von Bildungseinrichtungen bereitgestellt. Was ist seitdem passiert?

Qin: Es ist uns gelungen, direkt nach dem Erdbeben Spendengüter im Wert von 0,6 Mio. CNY in das Katastrophengebiet zu schicken. Außerdem haben wir einen Vertrag mit der Schulbehörde des Kreises Qionglai unterzeichnet, um den Wiederaufbau einer zerstörten Grundschule zu unterstützen. Der erste Spatenstich ist im März 2014 erfolgt. Bis Ende August soll ein neues Schulgebäude mit 1 980 m² entstehen, in dem 450 Schüler unterrichtet werden können. Anschließend erhält diese Schule noch 0,4 Mio. CNY, um Stipendien im Rahmen von „Bosch Bursary“ zu finanzieren.

Welchen Nutzen zieht Bosch China aus dem Engagement der Stiftung?

Qin: Vor der Gründung des Bosch China Charity Center war die Marke Bosch in den ländlichen Gegenden der Provinz Gansu kaum bekannt. Das hat sich inzwischen geändert. Von den Beamten der Provinz- und Gemeindeverwaltungen bis hin zu den Bauern. Sie alle haben jetzt ein gutes Verständnis davon, was unser Unternehmen macht, um die Lebensbedingungen zu verbessern. Wir haben auch bereits einige prestigeträchtige Auszeichnungen erhalten, zum Beispiel den „Preis für herausragende unternehmerische Sozialverantwortung 2013“ vom Executive Committee of Foreign Investment Companies (ECFIC) und der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. Im gleichen Jahr wurde uns auch der Titel „Vorbildliches CSR-Unternehmen in China“ von einer chinesischen Unternehmerzeitschrift verliehen.

Beschreiben Sie bitte ein aktuelles Stiftungsprojekt, das Ihnen persönlich sehr wichtig ist, und erläutern Sie bitte kurz Ihre Gründe.

Qin: Ich fühle mich dem Projekt „Bosch Caring Canteen“ in Ningxia sehr stark verbunden. Ningxia ist das einzige autonome Gebiet der Hui-Minderheit in China, daher geht es bei diesem Projekt neben der Bekämpfung der Armut auch darum, die Gemeinschaft dieser Minderheit in unserem Land zu bewahren. Im Lauf der letzten zwei Jahre habe ich mit meinem Team Feldforschung betrieben und über 20 Schulen in ganz Ningxia besucht. Wir haben dabei nicht nur erfahren, dass viele arme Menschen in den Bergen noch immer in sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Wir haben auch Tausende von Kindern gesehen, die in heruntergekommenen, unsicheren Schulhäusern gelernt und im Schulhof Mittag gegessen haben. Das alles hat einen unvergesslichen Eindruck bei uns hinterlassen.

Doch es besteht Hoffnung auf Besserung. Ningxia ist eine der ersten Provinzen, die ein so genanntes „karitatives Gewerbegebiet“ gegründet hat, was zeigt, dass das Konzept der Gemeinnützigkeit auch in der Politik seine Befürworter findet. Die örtliche Regierung in Ningxia hat bereits zusätzliche Mittel für unser Pilotprojekt zur Verfügung gestellt und finanzielle Unterstützung für die anderen 21 Mensen zugesagt, die im Rahmen von „Bosch Caring Canteen“ entstehen sollen. Im letzten Oktober wurde die erste Mensa, die Platz für 1 000 Schüler bietet, in einer der Schulen von Ningxia fertiggestellt. Es war wirklich schön, die lächelnden Kinder zu sehen, die in dem hellen Speisesaal beim Mittagessen saßen. Ich hoffe, dass auch die folgenden 21 Projekte erfolgreich umgesetzt werden und wir es schaffen, hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche nachhaltig zu fördern.

(Die Fragen beantwortete Yao Qin im Februar 2014)

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