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Geschichte

Vor Ort für Kunden am Kap

Bosch startet 1976 erste regionale Fertigung in Brits/Südafrika

Fabrikbau mit Bosch-Schriftzug und Autos davor

In Südafrika war Bosch bereits seit 1906 mit einem Handelspartner aktiv. In Kapstadt war damit neben New York erstmals außerhalb Europas Bosch-Technik erhältlich. 70 Jahre später setzte Bosch mit der Fertigung in Brits, nördlich von Johannesburg, einen weiteren bis heute markanten Meilenstein: die erste Fertigung auf dem afrikanischen Kontinent.

An einem beschaulichen Ort

Nächtliche Straßenszene mit beleuchteter Uhr hoch an einem Gebäude
Die riesige beleuchtete Uhr, die Bosch an einem Hochhaus in Johannesburg anbringen ließ, war schon bald nach ihrer Installation als „Bosch-Clock“ stadtbekannt. Foto von 1972

Brits ist eine Kleinstadt. Erst seit 1901 existierte auf der heutigen Eisenbahnroute von Thabazimbi nach Pretoria ein Bahnhof dieses Namens, die kleine Stadt entstand erst später. Sie war zunächst durch Landwirtschaft geprägt, später kamen Metallverarbeitungs- und Metallabbauindustrie dazu. Als Bosch hier zu fertigen begann, hatte Brits noch beschauliche 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner, eine Zahl, die sich bis heute mehr als verdreifacht hat. Mit dem neuen Bosch-Fertigungsstandort wurde Brits ab 1976 zum Zentrum für alle Erstausrüstungsprodukte für die Autoproduzenten in Südafrika, und warb mit dem selbstbewussten Slogan: „Bosch is best!”

Vor 1976 war Bosch durch mehrere Gesellschaften in Südafrika vertreten. Sie vertrieben verschiedene Produktsegmente, etwa die Diesel-Electric Holdings (Pty.) Ltd., oder die Auto Electrical & Engineering Co (Pty.) Ltd., um nur die wichtigsten zu nennen. Die Gründung der Robert Bosch South Africa (Pty.) Ltd. 1965 war ein erster Schritt, die Konsolidierung der Vertriebsstruktur voranzutreiben. Was parallel dazu erfolgte, war der Plan einer eigenen Fertigung, der den organisatorischen Abschluss für eine vollwertige Regionalgesellschaft bilden sollte.

Rennen um den ersten Platz

Mit dieser Planung nutzte Bosch die Gelegenheit der sichtbaren Marktentwicklung, bevor andere Unternehmen den dynamisch wachsenden Erstausrüstungsmarkt in Südafrika übernahmen. Der Automarkt in Südafrika hatte dabei zunächst lange Zeit ein Randdasein geführt: Bereits seit 1922 ließ Ford Fahrzeuge in Lizenz herstellen, General Motors folgte ein Jahr später, doch das waren bis in die 1970er Jahre kleine Stückzahlen. Bosch selbst machte nur bescheidene Umsätze, weil britische und US-Zulieferer wie Lucas oder Bendix fest bei Ford und GM im Sattel saßen. Erst durch neue Akteure wie Toyota mit dem Massenmodell Corolla, das ab 1975 in Südafrika vom Band lief, die BMW AG, die eine Fertigung 1975 gründete, die Daimler-Benz AG, die seit 1973 Motoren in Südafrika fertigen ließen, und auch der Volkswagenkonzern und Alfa Romeo als Hersteller vor Ort ließen eine Bosch-eigene Fertigung immer dringlicher werden.

Mitarbeitende in Kleidung mit Bosch-Logo in einer Produktionshalle
Im Juli 1976 lief in Brits die Fertigung an. Hier stellen Mitarbeitende Komponenten für Kraftfahrzeugtechnik her, Foto von 1981

Doch es gab zwei Hindernisse: Zum einen wollte der langjährige Bosch-Handelspartner Diesel Electric die Fertigung selbst in die Hand nehmen. Zum anderen bot der größte Konkurrent vor Ort, der britische Kraftfahrzeugtechnik-Zulieferer Lucas eine Lizenzfertigung von Bosch-Technik an. Doch Bosch entschied sich letztlich für die Eigenfertigung. Und das aus gutem Grund. Nach hohen Investitionen zu Anfang konnte Bosch das Heft in der Hand halten und die Ernte der Aufwendungen selbst einfahren.

Aufbruchstimmung

Blick auf einen Industriebau mit davor geparkten Fahrzeugen
Der erste Fabrikbau von Bosch wurde als Shedbau mit wechselnd schräg ansteigenden Dächern und senkrechten Fensterpartien für besseres Naturlicht in der Fertigung ausgelegt. Foto von 1981

Günstig dabei erwies sich, dass die Electrical Equipment (AEE), Autoausrüster mit italienischen Wurzeln, den Bau eines Fertigungsstandort in Brits schon im Wesentlichen fertiggestellt hatte und Bosch diese Firma übernehmen konnte. Bosch übernahm diese Bauten kurzerhand und rüstete sie mit den Fertigungsanlagen nach eigenen Wünschen aus. Bosch konnte schon am 1. Juli 1976 die Fertigung anlaufen lassen und im Rennen um die Kunden mit ihren steigenden Bedarfen den Weg deutlich abkürzen.

Wie sehr der Bedarf gestiegen war, zeigen die Zahlen sehr deutlich. Lag die Zahl der gefertigten Personenwagen Anfang der 1950er Jahre noch unter 40 000, waren es um 1960 schon fast 100 000, und Mitte der 1970er Jahre über 200 000. Der Vorteil für einen erfolgreichen Abschluss von Verträgen lag für Bosch auf der Hand: Mit Alfa Romeo, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen hatte Bosch jahrzehntelange vertrauensvolle Kundenbeziehungen. Und Toyota war seit Anfang der 1970er Jahre ein verlässlicher Partner im 1973 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen Japanese Electronic Control Systems (JECS).

Elektronik als neues Produktfeld

Der Anstieg der Autoverkaufszahlen ab den 1970er Jahren bescherte Bosch bedeutende Umsatzsteigerungen und bestätigte damit, dass die Entscheidung für die Fertigung in Brits richtig gewesen war: Allein zwischen 1980er und frühen 2000er Jahren verdreifachte sich der Umsatz von Bosch Südafrika. Das Gelände von Brits bot dankenswerterweise noch Platz, so dass zur klassischen Kraftfahrzeugelektrik, mit Startern, Generatoren und dem bis heute zentralen Produktfeld der Zündsysteme noch elektronische Steuergeräte für den südafrikanischen Markt hinzukamen. In der 1989 fertiggestellten rund 3.000 Quadratmeter großen Halle entstanden Steuergeräte sowohl für digitale Motorsteuerungen als auch für das Antiblockiersystem ABS.

Luftbild auf einen Fabrikstandort, mit einigen Freiflächen dazwischen
Der Standort Brits im Luftbild um 1985: Noch sind einige Bereiche auf der Bebauungsfläche frei, die Bosch nach und nach bebaute, um den steigenden Kundenabrufen gerecht zu werden.

Autor: Dietrich Kuhlgatz

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