Test eines elektronischen Steuergerätes in einem Laboratorium des Technischen Zentrums, 1970.
Geschichte

Eine Wette auf die Zukunft – die Elektronik

5 Minuten

19.05.2017

Der Einstieg von Bosch in die Fertigung komplexer elektronischer Systeme ab Mitte der 1960er Jahre war ein Risiko.

Steuergerät der elektronischen Benzineinspritzung Jetronic von Bosch, aufgeklappt.
Steuergerät der elektronischen Benzineinspritzung Jetronic von Bosch, aufgeklappt. Beide Platinen sind sichtbar. Objekt von 1967

Die Marktperspektiven waren kaum einschätzbar, Kunden aus der Autoindustrie waren unentschlossen, desaströse Erfahrungen von US-Autoelektronikherstellern machten wenig Mut.

Trotzdem hat Bosch, überzeugt von der langfristig richtigen Entscheidung, den Einstieg gewagt. Die ersten Forscher arbeiteten noch sehr improvisiert in umgebauten Ladenlokalen oder Wohnungen nahe der Stuttgarter Innenstadt. Sie erforschten die zunächst die Grundlagen für den Einsatz im Auto. Mit dem wachsenden Wissen um die nötigen technischen Voraussetzungen, um Elektronik in harten Bedingungen im Auto einzusetzen und für einwandfreies Funktionieren ein ganzes Autoleben lang auszulegen, baute Bosch personelle und Kapazitäten und Infrastruktur für die Produktentwicklung und Erprobung aus und tastete sich an einen reibungslose Fertigung in hohen Stückzahlen heran.

Test eines elektronischen Steuergerätes in einem Laboratorium des Technischen Zentrums in Schwieberdingen, 1970.
Test eines elektronischen Steuergerätes in einem Laboratorium des Technischen Zentrums Autoelektrik in Schwieberdingen nahe Stuttgart, 1970.

Anfänglich ließen beängstigende Ausfallraten im Produktionsanlauf von bis zu 70 Prozent Zweifel an der Machbarkeit der Automobilelektronik aufkommen. Aber die Probleme konnten gelöst werden, auch wenn das Unternehmen dafür einen langen Atem brauchte.
Für heute bedeutet das: Bosch ist in der Elektronik führend, und wäre ohne den Mut, diesen Neueinstieg auch gegen Zweifel und Vorbehalte durchzusetzen, heute ein weitaus kleineres Unternehmen – oder ganz vom Markt verschwunden.

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

Teile diese Seite auf