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Geschichte

Geschichte der Airbag-Steuergeräte

Vier Jahrzehnte im Dienst der Sicherheit

Crashtest Dummy und Airbag-Steuergerät

Eine Art Luftkissen als Aufprallschutz in Fahrzeugen – die ersten Ideen für den Airbag lassen sich in Europa und den USA bis in die frühen 1950er Jahre zurückverfolgen. Mit der zunehmenden Verkehrsdichte auf den Straßen und der parallel dazu ansteigenden Zahl an schweren Verkehrsunfällen wurde der Ruf nach mehr Sicherheit im Auto immer dringlicher.

Im Jahr 1969 initiierte das US-amerikanische Verkehrsministerium ein erstes Gesetzespaket mit dem Ziel, Sicherheitsgurte und passive Insassenschutzsysteme für Neuwagen verbindlich einzuführen. Dieses Vorhaben gab der „Airbag-Idee“ neuen Vorschub, vor allem auch im Zusammenspiel mit den Möglichkeiten der Elektronik. Die anfänglichen Versuche mit dem Airbag waren allesamt an mangelhaften Sensoren und Auslöseverfahren gescheitert.

Neu entwickelte Sensoren und elektronische Schaltungen erwiesen sich in den folgenden Jahren schnell als sehr vielversprechend.
Der „Plastik-Luftsack“, der innerhalb von Millisekunden nach Beginn einer Kollision aufgeblasen wird, verbesserte den Schutz der Insassen eines Fahrzeugs erheblich. Im schlimmsten Fall eines Aufpralls können schwere Folgen mit Verletzungen abgemildert oder gar verhindert werden. Die entscheidende Rolle im Airbag-System kommt dabei dem Steuergerät zu.

Schutz zum richtigen Zeitpunkt

Die erste Generation des Bosch Airbag-Auslösegeräts, 1980.
Die erste Generation des Bosch Airbag-Auslösegeräts, 1980.

Eine „Auslösevorrichtung für einen Aufblasvorgang eines Balgs“, die von Bosch im Frühjahr 1976 zum Patent angemeldet wurde, markierte den ersten wichtigen Entwicklungsschritt im Unternehmen. Wesentlicher Bestandteil der Vorrichtung war ein Beschleunigungssensor, der die Aufprallverzögerung im Verhältnis zur Zeit erfasste, damit bei unterschiedlichen Unfallursachen der schützende Airbag zum richtigen Zeitpunkt aufgeblasen wurde. In gleicher Weise konnte der Sensor für die Auslösung von automatischen Gurtstraffern eingesetzt werden.

1980 begann die Serienfertigung des elektronischen Auslösegeräts für passive Rückhaltesysteme von Bosch. 1981 wurde es erstmals in der S-Klasse von Mercedes-Benz eingesetzt. Das Steuergerät verfügte über drei Zündausgänge zur Auslösung eines Fahrer-Airbags und optional eines zweistufigen Beifahrer-Airbags oder einer entsprechenden Anzahl von Gurtstraffern.

Die Aufgaben waren von Beginn an komplex: ein Unfall musste sicher erkannt und die Schwere des Unfalls festgestellt werden, danach erfolgte die zeitrichtige Auslösung von Airbag und Gurtstraffer. Darüber hinaus wurden die elektrischen und elektronischen Komponenten ständig überwacht, um Fehlauslösungen auszuschließen und die Information über die Systembereitschaft und -funktion anzuzeigen.

Zuverlässige Rückhaltesysteme

Zuverlässige Rückhaltesysteme

Schaltstelle Auslösegerät

Ab einer Aufprallgeschwindigkeit von 15-18 km/h löste das Bosch Steuergerät die Zündung von Airbag und Gurtstraffern aus. Für die zuverlässige Unterscheidung zwischen einem tatsächlichen Unfall, einem Schlagloch, einer Bordsteinkante oder einem starken Hammerschlag in der Werkstatt sorgten der Beschleunigungssensor und mehrere anwendungsspezifische Schaltkreise. Um die durch den Aufprall verursachte Verzögerung präzise zu erfassen, wurde das Auslösegerät im Innenraum des Fahrzeugs eingebaut. So konnte der Beschleunigungssensor dort messen, wo die Passagiere saßen und das Signal zum Auslösen im entscheidenden Sekundenbruchteil geben.

Seit der Einführung wurden die Airbag-Systeme und -Steuergeräte kontinuierlich weiterentwickelt. In Kombination mit Gurt und Gurtstraffer ist der Airbag das wirksamste passive Sicherheitssystem im Auto. Viele Länder schreiben heute den Einbau von Airbags vor, weltweit gibt es kaum noch Neuwagen ohne zumindest einen Fahrerairbag. Moderne Airbag-Steuergeräte erfassen Kollisionen über verschiedene Sensoren, lösen für alle Fahrzeuginsassen die jeweiligen Rückhaltesysteme aus und vernetzen die Airbag-Steuerung mit weiteren Sicherheitssystemen und Funktionen von Fahrerassistenz- und Kommunikationssystemen.

Das Bosch Airbag-Steuergerät der aktuellen 12. Generation wertet die Meldungen von bis zu 18 externen Beschleunigungs- und Drucksensoren aus und steuert bis zu 48 Rückhaltemittel an – und das bei dauerhaft höchsten Anforderungen. Dennoch gilt: bei ständiger Einsatzbereitschaft für die Sicherheit aller Fahrzeuginsassen sollte das Airbag-System während eines ganzen Autolebens besser nicht gebraucht werden.

Rückblick und Ausblick: Airbag-Steuergeräte von Bosch.

Bettina Simon

Seit 2006 arbeite ich in der Historischen Kommunikation bei Bosch, zunächst im Bereich der Schriftgutarchivierung, mittlerweile bin ich für die Technikgeschichte zuständig und kümmere mich um die Produktsammlung. Anfragen zu Bosch in Osteuropa gehören zu meinen Aufgaben, außerdem betreue ich Ausstellungsprojekte in verschiedensten Museen.
Bei gutem Wetter drehe ich gerne eine Runde mit meinem Fiat 500 (Baujahr 1970).

Aufnahme von Bettina Simon

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