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Geschichte

100 Jahre Bosch Car Service

In guter Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern

Auto mit Bosch Werbung

Reparatur und Service von Madrid bis Stockholm, von Athen bis Glasgow: das erste gedruckte Bosch-Dienst-Verzeichnis für Europa aus dem Jahr 1926 führte bereits 68 Werkstätten auf, die „mit allen Maschinen und Sondereinrichtungen versehen sind, um die elektrische Ausrüstung eines Automobils, besonders der weltbekannten Bosch-Erzeugnisse, rasch nachsehen und jeden Schaden gründlich beheben zu können. Geschulte Fachleute gewährleisten fachgemäße Ausführung der Aufträge, reichhaltige Ersatzteillager ermöglichen schnelles Auswechseln. Zuvorkommende Bedienung und unverbindliche Beratung sind allen Boschdiensttstellen zur Pflicht gemacht.“

Werkstatt gesucht

Zu diesem Zeitpunkt, fünf Jahre nach der Einrichtung des ersten Bosch-Dienstes, hatte das Auto seine Pionierphase längst hinter sich gelassen. Die Zahl der Fahrzeuge nahm stetig zu, ebenso wurde die technische Ausstattung kontinuierlich weiterentwickelt.

Während im Jahr 1900 knapp 10 000 Autos weltweit gebaut wurden, waren es 1910 bereits über 250 000, bis 1920 stieg die Zahl auf annähernd 2,5 Millionen. Die frühen Automobilisten waren meist technisch versiert und legten bei Reparaturen selbst Hand an oder leisteten sich zusammen mit dem ohnehin kostspieligen Fahrzeug auch den Mechaniker dazu. Nachdem die Autos mit der Zeit erschwinglicher geworden waren und vor allem die elektrische Ausstattung wie Beleuchtung und Anlasser das Fahren deutlich einfacher und komfortabler gemacht hatte, wuchs mit der Zahl der Autos auch die Nachfrage nach fachkundigem Service.

Einbauhalle des Bosch-Dienstes im Stuttgarter Verkaufsbüro, 1925
Einbauhalle des Bosch-Dienstes im Stuttgarter Verkaufsbüro, 1925

Ein dichtes weltweites Netz

Schaufenster mit Bosch-Produkten bei der schwedischen Bosch-Vertretung ROBO in Stockholm, 1924
Schaufenster mit Bosch-Produkten bei der schwedischen Bosch-Vertretung ROBO in Stockholm, 1924

Als früh international agierendes Unternehmen hatte Bosch seine weltweiten Verkaufsstellen von Beginn an mit Werkstätten ausgestattet. So konnten die Autofahrer um 1920 in nahezu allen Ländern mit nennenswertem Automobilvorkommen neben den Bosch-Produkten auch die zugehörige Wartung und Instandsetzung erhalten – allerdings nicht unbedingt im näheren Umkreis. Im Vorreiterland USA waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg so genannte „Bosch Service Stations“ aufgebaut worden, der Erste Weltkrieg und die Enteignung des Bosch-Besitzes hatte diesen Aufbau jedoch jäh beendet. 1921 nahm das Unternehmen die Idee in größerem Umfang wieder auf und kündigte an, diese „Stützpunkte oder Hilfsstellen […] jetzt im In- und Ausland in großen Städten mit regem Kraftwagenverkehr“ schaffen zu wollen.

Partnerschaftlich verbunden

Bei diesen „Stützstellen“ handele es sich „um selbständige, von uns unabhängige Geschäfte, die auf eigene Rechnung, meist nur im Verkehr mit Privatpersonen, also nicht mit Kraftfahrzeugfabriken, den Verkauf und den Einbau unserer Erzeugnisse, vor allem unserer Lichtanlagen, übernehmen, leicht auswechselbare Ersatzteile zur Verfügung halten, leichte Instandsetzungs-Arbeiten ausführen und technische Ratschläge erteilen können.“ Damit war das Konzept umrissen, das in seinen Grundzügen seit nunmehr einhundert Jahren besteht und mit Erfolg weitergeführt wird. Der erste Partnervertrag wurde zum 1. Januar 1921 mit der Max Eisenmann & Co. in Hamburg geschlossen. Gegründet als Fahrradhandel en gros, wandelte sich der Betrieb 1897 mit dem Import von englischen Automobilen zu Hamburgs erstem Autohaus. Mit Vertragsschluss firmierte Eisenmann dann als „Offizielle Einbau- und Reparatur-Werkstätte der Robert Bosch A.G.“

Werbemotiv für „Bosch Ausrüstung für Kraftwagen und Motorräder“, gestaltet von Harry Maier 1928
Werbemotiv für „Bosch Ausrüstung für Kraftwagen und Motorräder“, gestaltet von Harry Maier 1928

Die Bezeichnung „Bosch-Dienst“ mit dem Logo der Bosch-Dienst-Laterne und ein standardisiertes Bosch-Dienst-Vertragswerk folgten 1926. Unterstützung durch Bosch erhielten die Vertragspartner in vielfältiger Weise. Ein 1932 herausgegebener „Leitfaden für die innere Organisation eines Bosch-Dienstes“ stellte in 152 Punkten „Ratschläge“ für die Inhaber zusammen, die im Rundumschlag alle erdenklichen Themen behandelten: vom Einkauf über die Gestaltung von Lager und Verkaufsraum, die Organisation von Verkauf, Werbewesen und Waren-Lieferungen, über Instandsetzungs- und Einbauarbeiten, Personalwesen und Maßnahmen zur Unfallverhütung bis hin zu sämtlichen Fragen der Buchhaltung sowie einzurichtenden Kontrollmaßnahmen.

Für Neubauten gab es Musterbaupläne mit idealen Anordnungen der erforderlichen Räume, und neben dem gemeinsamen Markenzeichen stellte das Stammhaus für das einheitliche Erscheinungsbild auch alle Vorlagen für die Geschäftspost, Werbemittel und sonstigen Drucksachen zur Verfügung. Der Ausbau des weltweiten Bosch-Dienst-Netzes ging überaus rasch vonstatten. Das erste Gesamtverzeichnis aus dem Jahr 1930 listete 2 750 Werkstätten. 1992 wurde in Halle a. d. Saale der 10 000 Bosch-Dienst eröffnet. Im Jubiläumsjahr 2021 ist das inzwischen international einheitlich als Bosch Car Service bezeichnete Netzwerk mit mehr als 16 500 Werkstätten in über 150 Ländern vertreten und damit weltweit eine der größten unabhängigen Werkstattketten. Zusammen mit dem Netzwerk hat sich auch der Service deutlich ausgeweitet. Das Angebot umfasst alle Leistungen rund ums Auto, unabhängig von Antriebsart und Fahrzeughersteller.

Verkaufsraum mit Kundenberatungsplätzen bei der Allumage-Lumière in Brüssel, 1958
Verkaufsraum mit Kundenberatungsplätzen bei der Allumage-Lumière in Brüssel, 1958
Bosch-Dienst in Accra, Ghana, 1974
Bosch-Dienst in Accra, Ghana, 1974
Motortest bei einem japanischen Bosch-Dienst, 1985
Motortest bei einem japanischen Bosch-Dienst, 1985
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Umfassender Service rund ums Auto

Glückwunsch zu einem Jahrhundert professionellen Werkstattservice!
Glückwunsch zu einem Jahrhundert professionellen Werkstattservice!

Aus dem früheren „Leitfaden“ wurde das Bosch Service Excellence Programm, das den Vertragspartnern umfassende Unterstützung in allen Schlüsselbereichen ihres Werkstattunternehmens bietet, sei es in technischen Fragen oder Aspekten der Betriebsführung. Um auch für die Zukunft gut gerüstet zu sein, wird das Bosch Car Service Werkstattkonzept ständig weiterentwickelt und an die neuen Herausforderungen angepasst. Ob es sich um neue E-Learning Angebote zur Vermittlung von technischem Know-how, App-Lösungen zum Zuschalten von Experten direkt unter die Hebebühne oder Produktinnovationen aus dem Hause Bosch handelt – das Bosch Car Service Konzept wird auch die nächsten hundert Jahre aufmerksam im Blick behalten. Happy Birthday!

Bettina Simon

Seit 2006 arbeite ich in der Historischen Kommunikation bei Bosch, zunächst im Bereich der Schriftgutarchivierung, mittlerweile bin ich für die Technikgeschichte zuständig und kümmere mich um die Produktsammlung, außerdem betreue ich Ausstellungsprojekte in verschiedensten Museen.
Bei gutem Wetter drehe ich gerne eine Runde mit meinem Fiat 500 (Baujahr 1970).

Aufnahme von Bettina Simon

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