Christian Bauer vor einem violetten Hintergrund.
Christian Bauer

Lufttaxis: Mobilität für Überflieger

Im Gespräch mit dem Leiter der Geschäftsentwicklung von Volocopter

7 Minuten

19.08.2019

Durch die Luft zum Ziel – und das zu üblichen Taxipreisen: Das Flugtaxi Volocopter soll die urbane Mobilität revolutionieren.

Flugtaxi-Service

Ein Flug über die Stadt wird in Metropolen binnen weniger Jahre so alltäglich sein wie eine Busfahrt, glaubt Christian Bauer: „Man wird sich über eine Smartphone-App einen Platz im Volocopter buchen und einfach zu seinem Ziel fliegen können.“ Bauer leitet den Bereich Geschäftsentwicklung bei dem Startup Volocopter. Dessen gleichnamiges Flugtaxi bietet Platz für zwei Personen und hat inzwischen mehrere Testflüge erfolgreich absolviert.

27 Kilometer

Reichweite hat der elektrisch betriebene Volocopter derzeit.

Christian Bauer

Die Reichweite des aktuellen Prototyps reicht bereits aus, um die meisten Bezirke eines Stadtgebietes abzudecken. „Unser Fluggerät wird rein elektrisch fliegen“, sagt Bauer. Dadurch sei das Fluggeräusch des Volocopters bereits ab einer Flughöhe von 100 Metern so gering, dass es von der typischen Geräuschkulisse einer Stadt überlagert wird und vom Boden aus nicht mehr zu hören ist. Auf der ringförmigen Dachkonstruktion des Fluggerätes sind 18 Rotoren angebracht, mit denen es senkrecht starten und landen kann. Direkt nach der Markteinführung wird vorerst zwar ein Pilot am Steuerhebel sitzen, später soll der Volocopter aber autonom in einer Höhe von bis zu 1 000 Metern fliegen.

Viel Potential für fliegende Taxis

Der Firmensitz von Volocopter befindet sich in Bruchsal, einer mittelgroßen Stadt in Südwestdeutschland. Wer die dortigen Flugtaxis jedoch für ein gewagtes Nischenprojekt hält, liegt falsch: Auch Google, Uber, Airbus und Boeing entwickeln derzeit „fliegende Autos“. Die Großkonzerne wittern in urbanen Luftlinien ein Milliardengeschäft. Dass Flugtaxis ein großes Potential zugesprochen wird, liegt auch an den Entwicklungsprognosen der Megacitys.

Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen (UN) leben bereits heute knapp 55 Prozent der Weltbevölkerung in Metropolen – bis 2050 soll der Anteil auf 68 Prozent steigen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Mobilität: Um die Verkehrsprobleme einzudämmen, braucht es Innovationen. „Wir bei Volocopter wollen einen neuen Mobilitätsservice in die Städte bringen und dadurch die vorhandenen Transportmöglichkeiten verbessern und erweitern“, sagt Bauer. Volocopter möchte einen Teil des Straßenverkehrs in die Luft verlagern.

„Unser Konzept konzentriert sich auf einen innerstädtischen Mobilitätsservice, der rein elektrisch ist.“

Christian Bauer, Leiter der Geschäftsentwicklung von Volocopter

Infrastruktur zum Abheben

Volocopter Landeplattform

Die Pläne von Volocopter gehen deshalb weit über die Entwicklung eines Fluggeräts hinaus. Das Startup möchte zum Anbieter urbaner Luftmobilität werden und hat bereits Pläne für die dafür benötigte Infrastruktur vorgestellt. Noch in diesem Jahr will Volocopter in Singapur gemeinsam mit seinem Partner Skyports die erste von mehreren Start- und Landeplattformen errichten. „Diese sogenannten VoloPorts können sich beispielsweise auf den Dächern von Hotels, Einkaufszentren oder Flughäfen befinden“, sagt Bauer.

Die Idee: Nach der Buchung via App begeben sich die Passagiere direkt in eine Lounge des VoloPorts. Währenddessen wird der Volocopter für den Flug vorbereitet und erhält voll aufgeladene Akkus. Nur wenige Minuten sollen diese Startvorbereitungen dauern, dann kann der Elektroflieger abheben. „Anfangs werden wir an einem VoloPort rund 30 Personen pro Stunde befördert können“, sagt Bauer. Er glaubt, dass die Verkehrssysteme der Zukunft stärker als bisher miteinander vernetzt sein werden: „Wir werden uns in öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln fortbewegen, allein oder in Shared-Mobility-Fahrzeugen, auf dem Boden und in der Luft.“ Busse und Bahnen sowie selbstfahrende Shuttles könnten die Passagiere nach der Landung am VoloPort auf den letzten Kilometern zum Ziel bringen.

Fliegen zum Taxipreis

Mit dem Volocopter könnte der Traum wahr werden, in Großstädten schnell und bequem zwischen Stadtteilen hin und her zu fliegen. Zwar wird ein durchschnittliches Flugticket in der Startphase für die meisten Pendler vermutlich zu teuer sein, später sollen die Kosten aber auf dem Preisniveau einer Taxifahrt liegen. „Unser Unternehmen möchte damit eine breite Zielgruppe ansprechen“, betont Bauer. Bevor der Volocopter-Service starten kann, müssen aber noch ein paar Hürden genommen werden, etwa die Zulassung für den kommerziellen Flugverkehr und den Aufbau der benötigten Infrastruktur. „Wir denken, dass die ersten Passagiere in den nächsten zwei bis fünf Jahren mit dem Volocopter abheben können“, sagt Bauer.

Ein Interview mit Christian Bauer, Leiter der Geschäftsentwicklung von Volocopter

Porträt Christian Bauer

Christian Bauer

Leiter der Geschäftsentwicklung, Volocopter

Der Volocopter soll den innerstädtischen Luftverkehr einer breiten Zielgruppe zugänglich machen.

Christian Bauer studierte von 2001 bis 2004 Wirtschaftswissenschaften und Informatik an der Universität Heidenheim und arbeitete anschließend für einen Pharmagroßhändler. Von 2010 bis 2011 machte er seinen Master im Bereich Mergers & Acquisition (LLM) an der Frankfurt School of Finance and Management und war von 2008 bis 2018 als Senior Manager für die Daimler AG tätig. Seit 2018 ist er der Leiter der Geschäftsentwicklung bei der Volocopter GmbH in Bruchsal. In dieser Funktion knüpft er Kontakte mit strategischen Partnern und kümmert sich um den Aufbau von kommerziellen Volocopter-Routen in Metropolen auf der ganzen Welt.

Fazit

In wenigen Jahren wird es in Großstädten möglich sein, per Volocopter von einem Landepunkt zum nächsten zu fliegen. Das spart Zeit und entlastet den Straßenverkehr. Das Flugtaxi fliegt elektrisch und leise, die Preise sollen mit denen von herkömmlichen Taxis vergleichbar sein.

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