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#betalife

Bosch meets Vitesy

Das italienische Start-up entwickelt smarte Blumentöpfe gegen Luftverschmutzung in Räumen

10 Minuten

In #betalife-Stories stellen wir zukunftsweisende Ideen und Konzepte von Start-ups und Unternehmen vor und machen die Technologie von morgen schon heute erlebbar.

Ein smarter Pflanzenkübel, der Natur und Technik in Einklang bringt: Mit diesem Konzept verbessert ein italienisches Start-up die Luftqualität in Innenräumen.

Regelmäßiges Lüften reicht nicht: In geschlossenen Räumen, in denen viele Menschen sich rund 90 Prozent ihrer Zeit aufhalten, ist man Schadstoffen ausgesetzt. Diese kommen unter anderem von Möbeln, Baumaterialien, Reinigungssprays oder entstehen beim Kochen. Drinnen ist die Luft sogar bis zu fünf Mal stärker belastet als draußen - das gilt nicht nur für Raucherkneipen. In Textilien oder Putzmitteln sind beispielsweise Alkohole, Aldehyde und organische Säuren enthalten, die schon bei Raumtemperaturen verdampfen. Diese sogenannten VOCs (volatile organic compounds – flüchtige organische Verbindungen) machen müde, verursachen Kopfschmerzen und können sogar das Krebsrisiko erhöhen.

Ein Schreibtisch mit Laptop und verschiedenen Designskizzen von Vitesy.

Das italienische Start-up „Vitesy“ macht die Räume, in denen wir wohnen und arbeiten, frei von Luftverpestern. Und zwar mit Sensoren, Hightech-Innenleben und einem Mini-Ventilator kombiniert in einem smarten Blumentopf. Diese Luftreiniger von Vitesy werden komplett in Italien gefertigt und sorgen auch optisch für frischen Wind.

36 Kubikmeter

Raumvolumen reinigt ein Vitesy-Blumentopf binnen 24 Stunden.

Auf der Pioneers 2018, einer Messe für Start-ups in Wien, hat Vitesys smarter Topf aus umweltfreundlichem Material die Jury der „Bosch Pitching Challenge“ begeistert. Hier waren kreative Ansätze rund um das Internet der Dinge gefragt. Als Gewinner der Pitching Challenge werden Vitesy und Bosch in Zukunft eng zusammenarbeiten, um gemeinsam weitere Innovationen voranzutreiben.

Der Wurzelfilter

An orange Clairy flowerpot.

Clairy, das erste Produkt des Unternehmens, ist wegen seines Ventilationssystems und der hochwertigen Sensoren besonders effizient. Ein kleiner Ventilator leitet die Luft in die Wurzeln der Pflanze, um deren naturgegebene Eigenschaften zu verstärken. In der Pflanzenerde werden die Giftstoffe dann ganz natürlich herausgefiltert. Über den Ventilator kann die saubere Luft wieder ausströmen.

Ein Mann hält einen Tablet-Computer, auf dessen Bildschirm ein Chart zu sehen ist. Im Hintergrund steht Clairy.

Mit Hilfe der Sensoren misst Clairy die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit sowie den VOC-Anteil und ermittelt damit die Schadstoffbelastung im Raum. Via WiFi kann Clairy online gehen. Die Steuerung läuft dann über eine App, die den Nutzer in Echtzeit über die Luftqualität informiert. Genau das ist das Faszinierende an diesem Topf: Das Zusammenspiel von Natur und Technologie.

„Wir fragten uns: Wieso diese Kraft nicht nutzen – und sie sinnvoll mit smarter Technologie verbinden?“

Paolo Ganis, Mitbegründer von Vitesy

Paolo Ganis, Alessio D’Andrea and Vincenzo Vitiello, Gründer von Vitesy, erfuhren während ihrer Zeit an der Uni von der Wirkungskraft der Pflanzen. Alles begann mit einem Artikel über NASA-Forscher, die in den 1980er Jahren erkannten, dass bestimmte Pflanzen auch durch ihre Wurzeln Giftstoffe aus der Luft filtern. Ganis: „Wir fragten uns: Wieso diese Kraft nicht nutzen – und sie sinnvoll mit smarter Technologie verbinden?“

Im März 2016 starteten die Vitesy-Gründer eine Kickstarter-Kampagne, um Clairy produzieren zu können. Drei Monate später hatten sie das benötigte Geld zusammen. „Das motivierte uns, noch einen draufzusetzen“, sagt Ganis. Im April 2018 folgte deshalb „NATEDE“, eine Weiterentwicklung von „Clairy“. Dieses Mal war der angestrebte Finanzierungsbetrag von 50.000 Euro binnen zwölf Stunden auf Kickstarter eingesammelt. Durch die sensationell vielen Vorbestellungen spielte NATEDE in den ersten 45 Tagen rund eine Million Dollar ein.

Ein Clairy-Blumentopf steht auf einem kleinen Tisch vor einer blauen Wand.

NATEDE hat im Vergleich zu seinem Vorgänger sechs Sensoren statt drei. Dadurch misst der natürliche Lufreiniger auch den Gehalt an Kohlenstoffdioxid und -monoxid, sowie an ultrafeinen Feinstaubpartikeln in der Luft. Außerdem kommuniziert der Kübel durch eine LED-Leuchte mit seinen Besitzern. Ein gleichmäßiges blaues Licht bedeutet: Die Luft ist rein. Je schlechter die Qualität wird, desto stärker flackert die Leuchte – fast, als hätte NATEDE Schnappatmung. Dadurch weiß der Nutzer, dass er reagieren sollte.

Paolo Ganis und sein Team haben alles dafür getan, dass es nicht so weit kommt – und NATEDE mit einer Künstlichen Intelligenz ausgestattet. Der Machine-Learning-Algorithmus merkt sich den Alltagsrhythmus seines Besitzers, etwa wann er kocht oder nach Hause kommt, und wie dieser die Luft um ihn herum beeinflusst.

93 Prozent

weniger Verschmutzung in der Umgebung.

Grüner geht’s kaum

Nicht mal ein Filtertausch ist nötig, wenn NATEDE fleißig war und viele Schadstoffe in die Wurzeln geleitet hat: Denn der Filter ist aus einem photokatalytisch aktivem Material gefertigt. Photokatalyse beschreibt eine chemische Reaktion, bei der Verschmutzungen wie Viren oder Bakterien unter Einfluss von UV-Licht zersetzt werden.

Das Start-up Vitesy wäre nicht Vitesy, wenn sich Paolo und sein Team mit dem Status quo zufriedengäben. Paolos Motto: „Bei jedem Produkt geht immer noch mehr!“ So wird das Start-up seine Produkte auch in Zukunft weiterentwickeln sowie neue Innovationen und Services auf den Weg bringen. „Gemeinsam mit Bosch arbeiten wir an neuen Sensorik-Lösungen für zukünftige Produkte“, sagt Ganis. Eines hat Vitesy bereits bewiesen: Technologie und Natur können sich gegenseitig bereichern.

Paolo Ganis, Mitbegründer von Vitesy

Paolo Ganis wurde in Johannesburg, Südafrika, geboren und kam als Kind mit seiner Familie nach Italien, wo er BWL in Triest und Mailand studierte. Er arbeitete fünf Jahre lang in der Unternehmensfinanzierung eines Fortune-50-Unternehmens und ist seither leidenschaftlicher Entrepreneur: Mit erst 27 Jahren war er im Jahr 2015 Mitgründer des Talent Garden Pordenone, einem Campus für Coworking, Training und Events. Im selben Jahr folgte die Gründung von Vitesy. Das Start-up hat mittlerweile 20 Mitarbeiter und wurde in den vergangenen Jahren mehrmals ausgezeichnet. Auch Paolo selbst war als Referent und Botschafter auf verschiedenen Veranstaltungen weltweit zu Gast. Auf dem G20-Gipfel 2017 in Deutschland war er einer der Finalisten im Wettbewerb „Best Worldwide Youth Entrepreneur“. Ein weiters Highlight folgte im September 2018: Auf der IFA 2018 in Berlin, der weltweit führenden Messe für Consumer Electronics und Home Appliances, gewann Clairy den „IFA Next Smart Home Award“.

Ein Portrait von Paolo Ganis, einer der Gründer von Vitesy.

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