Qualitätsprüfung einer Kombitherme im Werk Wernau bei Stuttgart, 1968
Geschichte

Heizen und Duschen in einem: Die Junkers-Kombitherme

5 Minuten

30.09.2016

Eine Wohnung zentral zu beheizen oder stets warmes Wasser bereit zu haben, ist heute selbstverständlich. Diese technische Errungenschaft der Menschheit gibt es aber erst seit 100 bis 120 Jahren.

Und beide Produkte brauchten Zeit, um sich in der Breite bei den Kunden durchzusetzen. Die krönende Idee schließlich war die Vereinigung beider Funktionen – die Kombitherme, die die Bosch-Thermotechniksparte unter der Marke Junkers 1966 der Kundschaft vorstellte. Die Vorgeschichte dieser Junkers-Neuheit beginnt schon im 19. Jahrhundert – mit neuartigen Wasserheizern für Bad und Küche, und mit den ersten Zentralheizungen.

Im Jahr 1892 ließ der Technikpionier Hugo Junkers ein Gerät namens Kalorimeter patentieren, das den Heizwert eines Gases exakt bestimmen konnte. Diese Erfindung bildete die konstruktive Voraussetzung für einen neuartigen Gasbadeofen, den Junkers 1894 zum Patent anmeldete. Mit diesem Ofen wurde durchlaufendes Wasser kontinuierlich und präzise nach Nutzerwunsch erhitzt, um etwa ein wohltemperiertes Bad zu nehmen oder auch bei der Haarwäsche unter der Brause gleichmäßig warmes Wasser zu haben.

Kein Kohleschleppen mehr

Zur selben Zeit stellte das traditionsreiche Gusswerk des Eisenerzeugers Buderus, neben Junkers heute eine Kernmarke der Bosch-Thermotechniksparte, Komponenten für Heizkessel für zentrale Heizkessel in Wohnhäusern vor. Lange Zeit musste in Mietshäusern wie in Palästen das Heizmaterial, meist Kohle, zu jedem einzelnen Ofen gebracht werden. Die Schlepperei des schmutzigen Brennstoffs vom Keller zu den Öfen war noch nicht alles. Die einzelnen Öfen mussten auch separat angeheizt werden. Das änderte sich alles mit dem Zentralheizkessel. Dieser erhitzte das Wasser, das dann in verschiedene Heizkörper floss, die in der Wohnung verteilt und miteinander durch Leitungen verbunden waren – das funktionelle Vorbild für heutige Zentralheizungen.

Damit waren um 1900 zwei Standards zum Wärmen von Wohnräumen wie von Brauchwasser geschaffen, die allerdings noch Jahrzehnte brauchten, um sich großflächig durchzusetzen. Die Idee wurde in den 1950er Jahren wieder aufgegriffen. Junkers, in Europa ein führender Hersteller von Thermotechnik, hatte damals eine umfangreiche Produktpalette.

Das Angebot reichte von kleinen Elektro-Wasserheizern für die Küche, über Gas-Warmwassergeräte für das Badezimmer, bis hin zu Gaszentralheizungen. Aber es gab von Junkers noch keine Kombinationen, gleichwohl in den Entwicklungsabteilungen bereits daran gearbeitet wurde.

1962 stellte Junkers dann zusammen mit den Bremer Stadtwerken die sogenannte „Bremer Anlage“ vor. Das war eine kleine Heizzentrale für Einfamilienhäuser, in der eine leistungsfähige Heiztherme für Warmwasserbereitung mit einer Umwälzpumpe und einem Thermostat ausgestattet war. Dadurch konnte sie abwechselnd entweder warmes Wasser in Heizkörper schicken oder warmes Wasser bereiten. Sie war die Blaupause für die 1966 vorgestellte ZW 20 – das stand für „Zentralheizung“, „Wärme“ und 20 Kilowatt maximale Leistung.

Passt in jeden Kleiderschrank

Werbung für Warmwassergerät, 1960. Vor der Einführung der Kombitherme waren diese Geräte Standard in Europa. Sie dienten nur für warmes Wasser im Badezimmer.
Werbung für Warmwassergerät, 1960. Vor der Einführung der Kombitherme waren diese Geräte Standard in Europa. Sie dienten nur für warmes Wasser im Badezimmer.

In dieser Therme waren zwei Kreisläufe ineinander verwoben: Ein Kreislauf für den Durchfluss von Frischwasser, das in einem Wärmetauscher erhitzt und dann an einem Wasserhahn gezapft werden konnte. Die „Bedarfsanforderung“ reichte: War einmal der Warmwasserhahn aufgedreht, so setzte sich dieser Kreislauf in Gang. Im anderen, geschlossenen Kreislauf kursierte Wasser, das, am Brenner erhitzt, durch Leitungen in die Heizkörper floss. Abgekühlt floss es zurück und wurde wiederum am Brenner erhitzt.

Diese Technik hatte gleich zwei Vorteile: Zum einen bemerkte es der Nutzer kaum, wenn bei laufender Heizung und gleichzeitigem Warmwasserbedarf eine kleine Menge des Heizungswasser in einen Wärmetauscher floss, um das angeforderte Dusch- der Badewasser zu erhitzen, das dort in getrennten Rohren durch den Wärmetauscher floss. Die Heizleistung ließ nur wenig nach, die Wohnung blieb warm. Zum anderen sparte man sich das Geld und den Platz für weitere Geräte. Die unübersichtliche Ausstattung von Wohnungen mit einer Heiztherme und zusätzlichen Warmwassergeräten für Bad und Küche entfiel. Außerdem passte die Kombitherme gut in ihre Zeit. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurden zum Beispiel in vielen mitteleuropäischen Ländern unzählige Wohnungen saniert. Diese waren technisch vollkommen veraltet und noch mit Einzelöfen ausgestattet waren. Manche verfügten teilweise sogar noch gar nicht über Warmwasserbereitung, außer dem Teekessel auf dem Herd. Und für diese Wohnungen waren die Kombithermen ebenso gut geeignet wie für Neubauten. Sie waren mit 40 Zentimetern nur so breit wie zwei DinA4-Blätter und ließen sich auch in kleine Nischen einbauen – einer der vielen Gründe dafür, dass sich Kombithermen schnell etablierten. Und das gilt bis heute.

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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